Maurers Panzerkrieg und die überfahrenen Parteisoldaten
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 19.08.2009 30 Kommentare
Artikel zum Thema
- Maurer will Armee um 40'000 Soldaten verkleinern
- So spart Maurer Personalkosten
- Maurer baut neu auf, was Schmid abgeschafft hat
Schmids Pläne
Maurers Vorgänger Samuel Schmid erklärte in der Session in Flims seine Abbaupläne: «Nehmen Sie den Panzer 87 Leopard als Beispiel», sagt er im Nationalrat. «Heute haben wir 355 davon. In der Armee von 2006 verbleiben 224.» Wenn der Nationalrat dem Entwicklungsschritt 2008-2011 zustimme, dann kämen 20 davon in die Panzeraufklärungsbataillone und 112 in die Panzerbataillone. «134 bleiben in Reserve und bleiben intakt, um allenfalls wieder aktiviert zu werden.
36 kommen in den Umbau. Über andere werden wir in den künftigen Rüstungsprogrammen sprechen. 185 werden stillgelegt», betonte Schmid.
Was musste sich der frühere Verteidigungsminister Samuel Schmid nicht alles anhören – 2006 in der Herbstsession in Flims. Schmid wollte damals den sogenannten Entwicklungsschritt 08/11 durchpauken. Dieser sah eine Reduktion der Anzahl Panzer vor.
Schmids Armeeplaner waren zum Schluss gekommen, dass der herkömmliche Verteidigungskampf durch schwere, mechanisierte Verbände keinen Erfolg mehr verspreche. Er verschlinge jedoch beträchtliche Geldmittel. Allein die Betriebskosten für Panzer und Artillerie betrügen pro Jahr gegen 200 Millionen Franken. Die SVP legte sich jedoch quer und torpedierte Schmids Abbaupläne.
Ueli Maurer auf den Spuren von Samuel Schmid
Heute ist Ueli Maurer der Chef im Verteidigungsdepartement. Und was tut er dort? «Er treibt die von ihm und der SVP kritisierten Pläne von Schmid voran», sagt Nationalrat Jakob Büchler, der Vizepräsident der Sicherheitspolitischen Kommission. Büchler kann es immer noch nicht fassen, was Maurer in der «Sonntagszeitung» ankündigte: «Er hat mich überrascht. Das hätten wir alles schon vor 3 Jahren haben können. Aber damals sagten die SVP Nein.»
In zehn bis zwölf Jahren werde die Schweiz noch 80'000 Aktive und rund 40'000 Reservisten haben, erklärte Maurer gegenüber der «SonntagsZeitung». Derzeit hat die Armee noch 120'000 aktive Soldaten sowie 80'000 Reservisten und 20'000 Rekruten. Reduzieren will er vor allem die schweren Waffen wie Artillerie und Panzer. Ein Panzerkrieg in Europa sei «eher unwahrscheinlich», begründete er seine Abbaupläne. Vor drei Jahren in Flims tönte es anders.
SVP-Nationalrat Pirmin Schwander kritisierte damals zum Beispiel, dass man ausgerechnet die Panzerverbände herunterfahren wolle. Schwander hielt die Panzer für wichtig «zur Raumsicherung.» Sein Kollege Ulrich Schlüer skizzierte sogar, welche neuen Aufgaben Panzer übernehmen müssten: «Der Panzer hat dissuasiv zu wirken, dass Kräfte – seien es Terroristen oder wer auch immer, die Unruhe stiften wollen - nicht in Städten operieren können.»
Maurers Pläne für eine Profiarmee
Kein Wunder reagierten Maurers Parteisoldaten nach den Ankündigungen in der «SonntagsZeitung» leicht irritiert. Aber auch Büchler fordert von Maurer zusätzliche Erklärungen. «Sie haben den damaligen VBS-Chef Schmid gezwungen, an den Panzerverbänden festzuhalten», sagt Büchler. «Und jetzt kommt das.»
Büchler findet ausserdem, Maurers Abbaupläne würden genau dem entsprechen, was die SP seit Jahren fordere. Es gehe in Richtung einer Profiarmee. Dies sei in der Schweiz jedoch nicht erwünscht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.08.2009, 13:22 Uhr
WRITE A COMMENT
30 Kommentare
Das ist ja mal wieder interessant. Es zeigt sich, dass Politiker in der Exekutive irgendwie immer pragmatischer und vernünftiger als diejenigen in der Legislative sind. Hut ab vor Ueli Maurer, der sich der SVP-Ideologie entledigt hat und sich an der Realität orientiert! Antworten
Jeder weiss, dass Waffen auch aus Prestigegründen und bilateralen wirtschaftlichen Interessen gekauft werden. Das können wir uns nicht mehr leisten. Das altbackene Geschwätz einiger Opponenten bezüglich "Dissuasion", bedient lediglich romantische Armee-Träumer, deren Stimmen man haben möchte. In dieses vergilbte geistige Reduit kann sich Maurer als BR natürlich nicht mehr zurückziehen. Zum Glück. Antworten
Wieso ist eine Profi-Armee nicht erwuenscht? Nur weil ein paar Politiker sich an der Schweizer Geschichte festklammern, heiss das noch lange nicht, dass die Armee nicht auf ein professionelleres Niveau gebracht werden muss. Und professionelle Arbeit koennen nun mal nur professionelle Arbeiter, in diesem Fall Soldaten, machen. Antworten
vielleicht kommt der tag einmal, an dem alle sagen: seht, sie möchten kriegen, und keiner geht hin. ich warte darauf und hoffe, dass die schweiz ein zeichen setzt und bald auf die armee ganz verzichten kann. setzen wir das viele geld besser für friedens- und konfliktforschung ein. Antworten
Was kümmert mich heute mein Geschwätz von gestern? Ueli Maurer handelt wie alle SVP-Politiker, man richtet sein Fähnlein nach dem Wind. Ärgerlich nur, dass dieser Entscheid schon vor drei Jahren hätte fallen können. Aber damals war halt noch der "böse" Sämu Schmid im Amt und dem wollte man halt nichts gönnen! Ueli mutiert nun schnell zum Halb- oder Viertel Bundesrat Christoph wird ihm wüest sagen! Antworten
Ueli Maurer ist in diesem Falle nur Recht zu geben: Der moderne Krieg ist ein Krieg von top-ausgebildeten und speziellen Einheiten, welche in der Lage sind, in jedm ihnen zugewiesenen Gelände den Kampf zu führen und zu gewinnen. Schlüer lag schon 2006 vollkommen falsch mit der Annahme, dass Panzer in Städten disuassiv wirken: Raupen in Städten sind immer zu vermeiden, so schon die britische Armee. Antworten
"Dissuasiv" sollen Panzer in Städten also wirken, geht nach dem abgewählten NR Schlür. Ein Wort, das im Duden nicht vorkommt, wohl aber soviel wie abschreckend bedeuten soll. Ein Panzer also, der in der Stadt auf "Störenfriede" schiesst. Eine Granate also gegen Menschen, die gleichzeitig noch das Münster oder das Rathaus in die Luft jagt? Andernorts legen sie weisse Rosen ins Panzerrohr.... Antworten
Wenn SVP-Maurer als Bundesrat plötzlich moderate Töne anschlägt, erntet er Spott und Hohn. Wenn ein SP-Politiker dasselbe tut, ist Funkstille. Oder hat sich jemand aufgeregt, dass sich Leuenberger in seiner Funktion als Bundesrat für AKW einsetzt, obwohl seine Partei diese Dinger sonst lautstark verteufelt? Als BR muss man Lösungen bringen, als Partei kann man mit Illusionen Stimmbürger fangen. Antworten
Es gibt da einen grossen Unterschied. Schmid hatte das VBS nie im Griff und auch die Reduktionspläne waren viel zu undurchsichtig. Maurer hat es im Griff und wenn er es gut präsentieren kann ist dies kein Problem. NR Schwander und Schlüer: Wenn wir heute gross Panzerverbände einsetzten müssten haben wir den Krieg schon verlohren, wir brauchen Waffen in die tiefere und weitere Gefechtsfelder! Antworten
Zu viele Köche verderben den Brei. Und wenn dann noch hauptsächlich solche darunter sind, die ganr nicht Kochen können, dann wirds teuer und ungeniessbar. Gewisse Politiker (oder Möchte-gern-Politiker) in diesem Land nehmen sich sehr viel heraus. Viele die zu diesem Thema ihren Senf dazu geben verstehen nichts, aber auch rein gar nichts davon. Ich auch nicht. darum halte ich lieber meinen Mund. Antworten
und ist herr maurer ab jetzt auch nur ein halber bundesrat? aber wieso soll das richtung profiarmee gehen?!? man macht jetzt halt nur noch 4WKs anstatt 6 und schon hat man die truppen von 120'000 auf 80'000 reduziert und es ist immer noch eine milizarmee - dafür ist man dann aber auch schon mit 24 fertig und kann sich auf den beruf konzentrieren. Antworten
Einmal mehr zeigt sich, wie SVP-Politiker plötzlich vernünftig werden können, sobald sie in die Regierungsverantwortung eingebunden sind und sich ernsthaft an der Lösung der politischen Probleme in der Schweiz beteiligen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich Ueli Maurer den Vorwurf anhören muss, er sei ein halber Bundesrat. Immerhin, sogar die SVP hat offenbar ein paar Lernfähige... Antworten
Eine Armee die nur sich selbst dient hat keinen Auftrag, so sehr sich der SVP-Soldat darum kümmert, seine Truppe ist ein nutz- und sinnloses Armee. Da nützen weder Terrorismus nich Piraten etwas, es gibt keine Argumente für unsere offene Waffenkammer, die ausser Landschaden und Toten nur Kosten verursacht. Abschaffen und Freiwillige machen lassen, für einen guten Lohn fürs herumsitzen und ballern. Antworten
Maurer hat sich zu einem 'ueberparteilichen' BR gemausert .... Spass beiseite ... Realitaet ist, dass das Militaer massiv verkleinert werden muss. uA aber auch so dass der wehrtuechtige CH'r Buerger nicht schlechter gestellt ist als diejenigen Arbeitskraefte welche halt eben nicht ins Militaer muessen. Antworten
Schweiz
- 11:581210 gewaltbereite Hooligans in der Schweiz
- 11:51Parlament muss teuren Botschafterschutz abnicken
- 10:17«Wohneigentümer haben eine höhere Lebensqualität»
- 09:20Steht zu eurem Schweizerdeutsch – auch in der Romandie!
- 06:49Schwarze Wolken über Solar-Grossprojekt im Wallis
- 06:31Doch noch eine Porta Alpina?




Johann Binder
Die Weltlage sieht nicht gut aus.Es kann jederzeit zu einem weiteren Krieg kommen.Ich hoffe es nicht,Kriege sind fürchterlich.Was ich nicht verstehen kann,Waffen,für die man viel bezahlt hat,werden mit hohen Kosten vernichtet,von CO2 Ausstoss gar nicht zu reden.Die USA,China,Russland etc.rüsten auf.Unterstützt man dann wieder die Waffenindustrie,wenns wieder los geht,könnte dann aber zu spät sein. Antworten