Schweiz

Medikamente werden ab Winter billiger

Knapp 300 Millionen Franken dürften die Einsparungen von Bundesrat Pascal Couchepin bringen. Das sei deutlich zu wenig, sagen die Krankenkassen.

Bundesrat Pascal Couchepin.

Bundesrat Pascal Couchepin. (Bild: Keystone)

Gesundheitsminister Pascal Couchepin setzt auf drei Sofortmassnahmen, mit denen er den Prämienschock bei den Krankenkassen im Herbst abfedern will. Das geht aus dem Entwurf für die neue Verordnung zur Krankenversicherung hervor, der dem «Tages-Anzeiger» vorliegt:

Günstigere Originalmedikamente: Alle Medikamente, die zwischen 1993 und 2006 als kassenpflichtig bewilligt wurden, werden ausserordentlich überprüft. Als Vergleich dienen die Preise im Ausland, neu auch jene in Österreich und Frankreich.

Billigere Generika: Couchepin senkt die Preise für Nachahmermedikamente, deren Original in grosser Zahl verkauft wird. Macht das Original mehr als 8 Millionen Franken Umsatz, muss das Generikum künftig um die Hälfte billiger sein. Bisher betrug der Abstand 40 Prozent.

Weniger Marge für Arzt und Apotheker: Künftig dürfen sie für ihre Vermittlerdienste nur noch 12 statt 15 Prozent auf den Fabrikabgabepreis des Medikaments dazuschlagen.

Darüber hinaus müssten die Behörden die Preise der Medikamente neu alle drei Jahre überprüfen. Wird das Anwendungsfeld einer Arznei erweitert, erfolgte ebenfalls eine Neubeurteilung.

So zahlreich die Vorschläge, so zahlreich sind die Einwände von Verbänden, Krankenkassen und Parteien, die gegenwärtig ihre Stellungnahmen vorbereiten. Ab Montag finden Anhörungen statt. Auf Kritik stösst namentlich, dass bei Couchepins Paket jegliche Angaben darüber fehlen, was die Massnahmen in Franken und Rappen bringen sollen.

Das Rechnen beginnt

Und so beginnt hinter den Kulissen bereits das Rechnen. Verschiedene Branchenkenner schätzen, dass das Einsparpotenzial 250 bis 300 Millionen Franken betrage. Deutlich wird der Krankenkassenverband Santésuisse: «Mit diesen Massnahmen erreicht man das von uns und der Pharma vereinbarte Sparziel bei weitem nicht», sagt Sprecher Felix Schneuwly. Santésuisse und Interpharma hatten sich vor einer Woche auf eine Grössenordnung von 400 Millionen Franken geeinigt. Das entspräche rund zwei Prozenten der Krankenkassenprämien.

In der öffentlichen Debatte erhalten inzwischen noch weit höhere Sparziele Unterstützung. So etwa der Vorschlag einer Gruppe Parlamentarier um FDP-Nationalrat Otto Ineichen, die 600 Millionen Franken fordern.

Mehrere Akteure befürchten, dass Couchepin den Pharmakonzernen zu stark entgegengekommen ist. Das zeige sich am Beispiel jener Medikamentenpreise, die durch Vergleich mit dem Preis im Ausland neu festgelegt werden sollen. Sind hiesige Präparate bis zu vier Prozent teurer, bleibt der alte Preis bestehen. Was nach wenig klingt, summiert sich in der Masse. Insider schätzen entgangene Einsparungen auf mehr als 100 Millionen Franken.

Weder der Branchenverband Interpharma noch das Bundesamt für Gesundheit wollten zum jetzigen Zeitpunkt zur Verordnung Stellung beziehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.06.2009, 22:34 Uhr

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