Mehr schwere Unfälle: Carving-Technik überfordert Skifahrer

Eine Studie des Inselspitals mit 1088 verletzten Ski- und Snowboardfahrern und ein Bericht der Rega zeigen, dass Wintersport ungleich gefährlicher geworden ist.

Unfallkosten sind immens: Für das Jahr 2005 beziffert sie die Suva für Skiunfälle auf 183,4 Millionen Franken und für Snowboardunfälle auf 31,5 Millionen.

Unfallkosten sind immens: Für das Jahr 2005 beziffert sie die Suva für Skiunfälle auf 183,4 Millionen Franken und für Snowboardunfälle auf 31,5 Millionen.
Bild: Keystone

Nationalität der Verletzten

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Konsum weicher Drogen bei den Verunfallten

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Skifahrer mit Protektoren

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Das Notfallzentrum des Inselspitals befragt in der Skisaison 2007/08 insgesamt 1088 verletzte Wintersportler aller Altersstufen. Sowie 749 unverletzte Ski- und Snowboardfahrer auf den Parkplätzen der Wintersportgebiete im Berner Oberland.

Die Studie kommt zu folgenden Schlüssen:

  • Bei den Verletzten handelte es sich bei 60 Prozent um Schweizer, 40 Prozent waren anderer Nationalität.
  • Viele Skifahrer überschätzen ihr Können, da sie die neuen Skiausrüstungen und die damit verbundene Carvingtechnik schneller an ihre Leistungsgrenze führen.
  • Bis zu 50 Prozent aller Befragten haben bereits Erfahrung mit Aggression (Bedrängen, Stoss/Tritt, Auseinandersetzung) auf den Pisten gemacht.
  • Gut 20 Prozent aller Verunfallten sagten, generell beim Wintersport nicht auf Alkohol zu verzichten. Über 30 Prozent aller Nicht-Verunfallten gaben an, Alkohol auf der Piste zu konsumieren.
  • 16 Prozent der Verunfallten konsumierten gelegentlich weiche Drogen.
  • Bei den Skifahrern zeigte sich weiter, dass vor allem Risikobereitschaft, die Verwendung von neuer Skiausrüstung, das Fahren auf Alt- oder Pulverschnee und vereisten Pisten sowie schlechte Sicht zu Unfällen führten.
  • Der jährliche Service von Ski und Bindung scheint nicht zwangsläufig vor Unfällen zu schützen.
  • Bei den Snowboardern waren in der Patientengruppe die Faktoren geringe bis mittlere Geschwindigkeit, Altschnee und vereiste Pisten, schlechte Sicht und kein Helm signifikant häufig genannt worden.
  • Skifahrer trugen nur zu 50 Prozent Protektoren und dabei vorwiegend Helme, wogegen Snowboarder sich weit besser und umfangreicher schützten (Helme, Rücken- und Handgelenkprotektoren).
  • Skifahren führt zudem zu einem anderen Verletzungsmuster als Snowboarden. In einer rückblickenden Studie des Inselspitals bei Schneesportlern mit Fokus auf Wirbelsäulenverletzungen habe sich gezeigt, dass sich Skifahrer eher Verletzungen der Hals- und Brustwirbel zuzogen. Bei Snowboardern seien vor allem die Lendenwirbel betroffen.
  • Bleibende neurologische Schäden und Querschnittslähmungen habe es in dieser sich über sechs Jahre erstreckenden Studie ausschliesslich bei Skifahrern gegeben.

Von der Rega erschien heute zudem ein Bericht, der zeigt, dass es im laufenden Winter zu mehr Unfällen kommt. Zahlen wollte Rega-Sprecher Thomas Kenner keine nennen. Die Rega warte zuerst das Ende der Wintersportsaison ab. Man könne jedoch sagen, dass der Winter 2008/2009 für die Rega intensiv sei. Die Unfallzahlen seien überdurchschnittlich hoch.

Langfristig betrachtet steigt die Zahl der Unfälle auf den Schweizer Skipisten nicht, berichtet die Suva: Laut deren Statistiken sank sie in den letzten Jahren vielmehr auf rund 70'000 pro Jahr.

Mehr schwere Verletzungen

Zugenommen hat dagegen die Zahl der schweren Verletzungen. Eine der Ursachen sieht die Suva darin, dass die Wintersportler mit den modernen Carving-Skis schneller fahren können.

Die Kosten dieser Unfälle sind immens: Für das Jahr 2005 beziffert sie die Suva für die Skiunfälle auf 183,4 Millionen Franken und für Snowboardunfälle auf 31,5 Millionen. (sam)

Erstellt: 03.02.2009, 17:43 Uhr

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14 KOMMENTARE

Ulrich Raumer

04.02.2009, 06:53 Uhr

Wichtiger wäre, dass nicht jeder Löli ohne Training auf die Pisten darf. Ein Gratis Kurztest zu Anfang der Ferien, gesponsert durch die Versicherungen, über Fitness und Skills mit einem gut sichtbaren Skipass (Schwarz=Pro bis Gelb = Anfänger) und Bussen wenn das nicht eingehalten wird würde Abhilfe schaffen. Leider würde dadurch auch Freiheit und Spass wieder einmal mehr eingeschränkt. Seufz.


manuel sidle

03.02.2009, 23:03 Uhr

mein gott, was soll das ganze eigentlich? sollen wir alle nur noch zuhause sitzen und dabei gleich auch noch einen helm aufsetzen? diese panikmache vor allem und jedem, nimmt langsam groteske züge an. hey - skifahren ist gesund und macht gute laune- .... aber wenn die miesepeter zuhause bleiben wollen, dann sollen sie. dann hats mehr platz auf der piste für mich. salut


Peter Rudolf

03.02.2009, 18:59 Uhr

Die Carving Technik verleitet zu einer höheren Geschwindigkeit und viele Fahrer sind nicht in der Lage diese den Verhältnissen anzupasssen. Könnten Vorschriften über die Skis etwas zur icherheit beitragen ?


Grütter Florian

03.02.2009, 18:39 Uhr

Unglaublich dass ein Thema so gepusht wird! Es gibt sogar Statistiken die aussagen, dass pro gefahrenen Kilometer weniger Unfälle passieren. Es sind einfach viel mehr Leute auf den Pisten und folglich gibt es auch viel mehr Unfälle! Wegen den sogennanten "Raser": Wenn wunderts? Auf vielen den heutigen Pisten kann man ohne Problem von oben bis unten gerade runter fahren....


Max Sutter

03.02.2009, 18:32 Uhr

Früher gab es nur in Österreich oder im Südtirol Schneebars. Dann hat es mit Bündnerland und Wallis bei uns auch angefangen. Inzwischen glaubt im ganzen Alpengebiet kaum mehr eine Zwischen- oder Bergstation, ohne diese Freiluft-Besäufnisanstalten auskommen zu können, inzwischen eine wahre Seuche. Die Folge: Gegen mittleren Nachmittag hat es auf der Piste häufig mehr Kanonenvolle als Schneekanonen.


Markus Weilenmann

03.02.2009, 18:16 Uhr

Um signifikante Aussagen zur Zu- oder Abnahme von Ski- und Snowboardunfällen zu machen, muss man die Anzahl Unfälle auch mit der Anzahl Schneetage pro Ort/Region kreuzen. Dass die Unfallzahlen in den letzten Jahren (wo es bspw. im Januar vielerorts zu warm und keinen Schnee gab) abnahmen und jetzt - oo Wunder! - wieder zunehmen (bei diesem Winter!), ist doch nicht sonderlich überraschend...


Stefan Salzmann

03.02.2009, 17:59 Uhr

Ein Grund welcher immer vergessen wird bei Skiunfall Statisitken: schnellere Bergbahnen mit mehr Kapazität. '3000' Personen pro Stunde wird sogar als Werbung verwendet! Die Menschenmassen verlagern sich vom 'Anstehen am Lift' auf die Pisten, fahren pro Tag öfters hinunter und werden dadurch müder. Dass mehr Verkehr auch schlimmere Unfälle bedeutet, scheint mir logisch.


philipp Döser

03.02.2009, 17:58 Uhr

"dass die Wintersportler mit den modernen Carving-Skis schneller fahren können." Unsinn: -Carving Ski sind kürzer und taillierter als die ältere modellen. Was bedeutet das man engere radien fahren kann. Aber nicht umbedingt schneller, da der Ski anfängt zu flattern. -Es gibt fast nur noch Carving Ski. Um dann zu behaupten dass die unfälle von diese Ski verursacht werden, ist statistische unsinn


Urs Hitz

03.02.2009, 17:48 Uhr

Immer die Wintersportler.. Und was ist mit den vielen Hobbyfussballer?


Peter Rischl

03.02.2009, 17:40 Uhr

Die neue Generation der Carvingskis erfordert durch deren Bauweise eine erhöhte athletische Voraussetzung des Fahrers. Das entsprechende spezifische Training dazu können aber nur die wenigsten Pistengänger aufbringen und so sind diese halt mit den Skiern überfordert.


Gero Rubli

03.02.2009, 16:48 Uhr

Und wieder wird ein Thema gepusht zur Panikmache, dabei belegen die zitierten Zahlen überhaupt nichts. Um wieviel hat denn die Zahl der Skifahrer auf den Pisten zugenommen? "Der jährliche Service von Ski und Bindung scheint nicht zwangsläufig vor Unfällen zu schützen." Wer hätte das gedacht, da muss ja ein Ross lachen.


Erich Plüss

03.02.2009, 16:39 Uhr

Müssen die Pisten so glattgehobelt sein? Ein bisschen Pumps würde sicher die Tempobolzerei eindämmen.


Denise Müller

03.02.2009, 15:31 Uhr

Was mich einmal interessieren würde ist, wer für die Bezahlung der Rettungsmassnahmen von Ausländern aufkommt? Bezahlt sich die Rega und die Pistenrettung über Mitgliederbeiträge, oder müssen dies die Steuerzahler übernehmen?


Werner Meier

03.02.2009, 14:33 Uhr

Es ist an der Zeit, dass Alpinsport als Risikosport eingestuft und von der Unfallversicherung nicht mehr unbesehen gedeckt wird. Variantenfahrer und Pistenrowdies sollen doch die Zeche selber bezahlen und nicht dem Versicherungskollektiv aufbürden.



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