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«Meines Erachtens liegt der Ball bei den Schweizern»

Von Judith Wittwer. Aktualisiert am 26.03.2009 62 Kommentare

HSG-Dozent Ulrich Thielemann wirft der Schweiz ein fehlendes Unrechtsbewusstsein im Steuerstreit vor. Der Deutsche sieht sich aber nicht als Nestbeschmutzer.

HSG-Dozent Ulrich Thielemann: «Es ist vollkommen unerheblich, welche Nationalität ich habe. Es geht allein um die Sache.»

HSG-Dozent Ulrich Thielemann: «Es ist vollkommen unerheblich, welche Nationalität ich habe. Es geht allein um die Sache.»

Herr Thielemann, am Mittwoch kritisierten Sie die Schweiz vor dem Finanzausschuss in Berlin. Hagelt es jetzt in St. Gallen Kritik?
Ich habe einige E-Mails erhalten, die von grossem Unmut getragen waren. Die Verfasser denken in Mustern von Verrat, Freund- und Feindschaft. Mir ist ein solches Denken fremd.

Sehen Sie sich nicht als Nestbeschmutzer?
Die Schweiz ist kein «Nest», sondern ein modernes demokratisches Gemeinwesen. Und da darf man das politische und soziale System, in dem man lebt, ruhig auch einmal kritisieren dürfen.

Als in der Schweiz lebender deutscher Lehrbeauftragter ist das gerade in der hitzigen Debatte um das Bankgeheimnis aber heikel.
Es ist vollkommen unerheblich, welche Nationalität ich habe. Es geht allein um die Sache. Und da vertrete ich die Meinung: Jeder soll Steuern dort zahlen, wo er wohnt. Im Zentrum der Diskussion um Bankgeheimnis und Steueroasen steht das Wohnsitzprinzip. Nur scheint es, als hätten das die Schweizer Banken und Politiker noch nicht begriffen. Es fehlt – wie ich vor dem deutschen Finanzausschuss gesagt habe – diesbezüglich ein Unrechtsbewusstsein. Man versteht nicht, was falsch daran ist, wenn die Schweiz den Wohnsitzstaaten der Steuerzahler den Informationsaustausch nicht oder nur unzureichend gewährt.

Um diese Sache zu klären, müssen Sie aber nicht nach Berlin reisen.
Ich bin einer Einladung der Grünen gefolgt. Als Sachverständiger sollte ich erklären, weshalb Steuerflucht illegitim ist.

Welche Rolle spielte dabei Ihr Wohnsitz?
Keine. Die Partei lud mich wegen eines von mir publizierten Artikels ein und nicht, weil ich an der Universität St. Gallen Wirtschaftsethik lehre. Natürlich verfolge ich aber die Debatte in der Schweiz intensiv.

Was fällt Ihnen dabei auf?
Ich hoffe, dass sich die Schweiz künftig nicht mehr so stark beeinflussen lässt von einigen hingeworfenen Äusserungen eines Finanzministers Peer Steinbrück.

Wie kann im Steuerstreit zwischen den beiden Ländern wieder Ruhe einkehren?
Keine einfache Frage. Meines Erachtens liegt der Ball aber bei den Schweizern. Die Schweiz hat mit der Lockerung des Bankgeheimnisses bei der Steuerhinterziehung zwar Zugeständnisse gemacht. Doch hat sie damit auch wirklich Einsicht bewiesen? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2009, 22:55 Uhr

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62 Kommentare

Christoph Grossmann

27.03.2009, 00:20 Uhr
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Da macht es sich Thielemann etwas gar einfach mit dem Wohnsitzprinzip. Was haben fremde Staaten an diesem Ort zu suchen? Wie steht es mit der Ethik progressiver Steuertarife? Mit nicht direktdemokratisch legitimierten Steuergesetzen? Wie steht es mit dem Schutz des Einzelnen vor dem Staat? Was ist von Gemeinschaftssystemen zu halten, welche die Finanzierung ihres Handelns nach oben delegieren? Antworten


Beat Klinger

27.03.2009, 09:29 Uhr
Melden

Schön, daß ausgerechnet ein Deutscher mit nur leichtem Fingerdruck in die Wunde den Schweizern eine Debatte aufzwingt, die dringend notwendig ist: Wer versteckt denn Mafia-Geld in seinen Banken? Wohin verschwinden Gaddafis Millionen? Und was geschah mit Geldern Verstorbener während der Nazi-Zeit? Es wird schmerzvoll werden in nächster Zeit für die Schweizer. Das zeigen auch die meisten Kommentare. Antworten



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