Schweiz
«Merz war informiert über die geplante Befreiungsaktion»
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 22.06.2010 46 Kommentare
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Die Diskussionen um die geplanten Befreiungsaktionen für die beiden Schweizer Libyen-Geiseln geht in die nächste Runde. Der Gesamtbundesrat erfuhr zwar erst im Februar 2010 von den Plänen, es soll sich aber nicht um eine Geheimaktion von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und VBS-Chef Ueli Maurer gehandelt haben. Diese brisante These äusserte Christian Levrat, SP-Präsident und -Nationalrat, im Gespräch mit Schweizer Radio DRS. Konkret sagte er, dass «Merz über die geplante Befreiungsaktion informiert war», bevor er im letzten August nach Tripolis reiste. Merz sei vom EDA, dem Departement von Calmy-Rey, im Januar 2009 informiert worden.
Gemäss Indiskretionen aus dem Bundesrat war die Befreiungsaktion in Libyen mindestens zweimal ein Thema, Ende 2008 und im Frühjahr 2009. Laut Levrat hatte nicht nur der letztjährige Bundespräsident Hans-Rudolf Merz Bescheid gewusst. Im Vorjahr soll auch der damalige Bundespräsident Pascal Couchepin entsprechende Informationen erhalten haben. «Beide FDP-Bundesräte waren informiert.» Das Eidg. Finanzdepartement (EFD) von Merz wollte keine Stellung nehmen zu den Aussagen von Levrat. Bundespräsidentin Doris Leuthard habe am Montag alles zum Thema gesagt, sagte EFD-Sprecher Roland Meier auf Anfrage. Beim Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) von Calmy-Rey war keine Stellungnahme erhältlich.
Schützenhilfe für Calmy-Rey
Woher er seine Informationen hat, wollte SP-Präsident Levrat im Radiogespräch nicht sagen. Möglicherweise handelt es sich um einen Versuch, seine Parteikollegin Calmy-Rey aus der Schusslinie zu nehmen. Die Aussenministerin war in den letzten Tagen stark in die Kritik geraten. Insbesondere in FDP-Kreisen wurde der Vorwurf geäussert, Calmy-Rey habe Merz nicht informiert. Seit einiger Zeit versuchen beide Bundesräte, die Schuld an der Libyen-Krise der anderen Seite zuzuschieben. Laut Beobachtern herrscht zwischen Merz und Calmy-Rey «ein veritabler Kleinkrieg».
Radio Suisse Romande hatte am Freitag berichtet, Spezialeinheiten der Armee hätten sich im Auftrag von Aussenministerin Calmy-Rey für eine militärische Geiselbefreiung bereit gemacht. Der libysche Geheimdienst habe jedoch von den Plänen erfahren, worauf die Aktion abgeblasen worden sei. Der Gesamtbundesrat habe von den Plänen nichts gewusst. Erst im letzten Februar soll er darüber orientiert worden sein, wie Bundespräsident Doris Leuthard am Montag vor den Medien erklärte.
Viele Fragen nach Leuthard-Auftritt
Die Pläne, die zwei in Libyen festgehaltenen Geiseln gewaltsam zu befreien, waren offenbar weit gediehen. Laut der am Montag von Bundespräsidentin Doris Leuthard vor den Medien im Bern verlesenen Erklärung nahm der Bundesrat die späte Information nicht einfach hin. Der Bundesrat beauftragte Aussenministerin Calmy-Rey und Verteidigungsminister Maurer, in einem Bericht darzulegen, «wer wann was gewusst hat, wer den Einsatzbefehl für diese Aktionen gegeben und später zurückgezogen hat und auf welcher Rechtsgrundlage dies geschehen ist». Was genau sie mit «Einsatzbefehl» meinte, sagte Leuthard nicht. Ihr Auftritt hinterliess viele Fragen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.06.2010, 07:52 Uhr
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46 Kommentare
Woher weiss Levrat das? Von Frau Calmy-Rey. Woher soll er es sonst wissen? Oder war er an den BR-Sitzungen mit dabei? Der Bundesrat verursacht derzeit mehr Probleme als er löst. Deshalb sollten die Verantwortlichen jetzt endlich ein einziges Mal die Verantwortung übernehmen und zurücktreten: per sofort Calmy und Merz. Ich habe genug von dem dummen Dauerzank, der mir jedes Vertrauen wegnimmt. Antworten
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