Milliardär stellt sich gegen die SVP

Zuwanderungsinitiative gefährdet Bilaterale: Der Unternehmer Hansjörg Wyss ist bereit, eine Initiative zur Rettung der Verträge mit der EU zu finanzieren.

«Wir verbauen unseren Kindern die Zukunft», sagt Hansjörg Wyss, ehemaliger Präsident und Hauptaktionär des Medizinaltechnik-Konzerns Synthes. Foto: Franziska Scheidegger

«Wir verbauen unseren Kindern die Zukunft», sagt Hansjörg Wyss, ehemaliger Präsident und Hauptaktionär des Medizinaltechnik-Konzerns Synthes. Foto: Franziska Scheidegger

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Nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative der SVP waren die Forscher, Studenten und Universitäten die Ersten, die die Konsequenzen der Abstimmung real zu spüren bekamen. Die EU suspendierte die Verhandlungen zum Forschungsprogramm Horizon 2020 und zum Austauschprogramm Erasmus+. Nun, wenige Monate vor der nächsten Abstimmung über die Begrenzung der Zuwanderung – die Ecopop-Initiative –, gehen die Wissenschaftler der Schweiz in die Offensive.

Sie trafen sich gestern in Bern. Unterstützt wurde die hochkarätige Runde von einem der bekanntesten und reichsten Unternehmer der Schweiz: «Wir verbauen unseren Kindern die Zukunft», so begann Hansjörg Wyss, ehemaliger Präsident und Hauptaktionär des Medizinaltechnik-Konzerns Synthes, seine Rede. Er beobachte nun seit mehr als 20 Jahren, wie die SVP – «die Rattenfänger von Seldwyla» – mit einer millionenschweren und systematischen Propaganda der Bevölkerung Angst vor Europa mache. Nun sei es nötig, dem etwas entgegenzusetzen, begründete er im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet seinen Auftritt. Der gebürtige Berner, der für seine Zurückhaltung in der Öffentlichkeit bekannt ist, benutzte deutliche Worte: «Wir haben nicht den Mut, uns mit den Urhebern solcher Zuwanderungsinitiativen auf eine intelligente Diskussion einzulassen.» Er erwarte auch von der Schweizer Wirtschaft und Verbänden wie Economiesuisse, Gewerbeverband oder den Gewerkschaften, dass sie endlich angemessen reagierten. Wyss zeigte sich bereit, eine allfällige Initiative zur Erhaltung der bilateralen Verträge finanziell zu unterstützen. Der Schaden, den die Zuwanderungsinitiative angerichtet habe, müsse auf eine demokratische Art wieder rückgängig gemacht werden.

Auch die Wissenschaftler wollen sich stärker engagieren. Sie diskutierten verschiedene Ideen, etwa die Lancierung einer gemeinsamen Kampagne aller Hochschulen. «Wir müssen politischer werden», sagte etwa der Präsident der ETH Lausanne, Patrick Aebischer. Studenten, Forscher, aber auch die In­dustrie müssten der Bevölkerung er­klären, warum die Schweiz sich nicht abschotten dürfe. Die Zwischenlösung, die der Bundesrat mit der EU für das Forschungsprogramm Horizon 2020 gefunden habe, sei nur «ein notdürftiger Verband».

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 02.10.2014, 23:35 Uhr)

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