Missbrauchsverdacht: 10 neue Fälle im Bistum Chur

Aktualisiert am 19.03.2010

Kurz nachdem bekannt wurde, dass die Kirche über die Übergriffe des Paters von Schübelbach SZ Bescheid wusste, geht das Bistum Chur an die Öffentlichkeit: Es untersucht mehr Verdachtsfälle als bisher bekannt.

Das Bistum Chur untersucht aktuell rund zehn Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch von Seelsorgern. Das sagte Bischofsvikar Christoph Casetti am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Betroffen sind die Kantone Zürich, Graubünden und Schwyz.

Hinweise habe das Bistum von Opfern, Opferangehörigen und von Drittpersonen bekommen. Keiner der Verdachtsfälle betrifft laut Casetti den Pfarrer von Schübelbach SZ, dessen Missbrauchsgeschichte diese Woche ans Tageslicht kam.

Täter bereits verstorben

Zwei der Fälle sind aber erst nach dem Bekanntwerden seiner Übergriffe gemeldet worden, die anderen schon vorher. Zum Teil liegen die Vorkommnisse Jahrzehnte zurück. In einem Fall ist der Täter bereits verstorben.

Das Bistum bittet allfällige weitere Opfer, sich bei den sechs Ansprechpersonen des Diözesanen Fachgremiums für sexuelle Übergriffe in der Seelsorge zu melden. Es handelt sich um Psychologen, Theologen und Juristen. «Wir wollen jetzt primär den Opfern helfen und aktuellen Hinweisen nachgehen», betonte Bischofsvikar Casetti.

Etwa sechs Fälle in 28 Jahren

Gleichzeitig sei man aber daran, sich einen Überblick über die Vorkommnisse der letzten 50 Jahre zu verschaffen. In seiner Funktion als Bischofsvikar, die er seit 1982 ausübe, habe er von rund einem halben Dutzend Übergriffen Kenntnis bekommen.

«Ich weiss aber nicht von allen Vorfällen», räumte der Bischofsvikar ein. In einem Fall zeigte das Bistum zusammen mit dem Opfer den Täter an.

Das Bistum Chur erstattet nicht automatisch Anzeige, sondern nur wenn das Opfer einverstanden ist, wie Casetti ausführte. Man halte sich damit an die dringlichen Appelle der meisten Opferschutzorganisationen. Automatische Anzeigen würden die Opfer auch gegen ihren Willen erneut mit dem Geschehenen konfrontieren und sie teilweise in die Öffentlichkeit zwingen.

Kloster informierte Bistum Chur nicht

Zum Fall des Paters von Schübelbach wiederholte Casetti seine Aussagen vom Mittwoch: Das Bistum Chur habe von der pädophilen Vorgeschichte des heute 69-jährigen Schweizer aus dem Kloster Mehrerau bei Bregenz im Vorarlberg nichts gewusst.

Im Gegensatz zum Bistum Basel, wo der Pater von 1971 bis 1987 tätig war, ist das Bistum Chur laut Casetti bei der Anstellung des Paters im Jahr 1992 vom Kloster Mehrerau über dessen Übergriffe nicht informiert worden. Dies obwohl die Churer abklärende Gespräche mit den Mehrerauern führten. «Hätten wir von seinen Taten gewusst, wir hätten ihn nicht angestellt», betont Casetti. (vin/sda)

Erstellt: 19.03.2010, 16:56 Uhr

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