Mit weniger Tempo schneller voran

Das Bundesamt für Strassen plant die Einführung von temporären Tempo-80-Zonen, um Engpässe zu verhindern und Staus vorzubeugen. Doch gegen Dauerstau durch chronische Überlastung hilft das nicht.

Mehrwert durch weniger Tempo: Eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit hilft nicht nur gegen Stau. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle kann sich verringern.

Mehrwert durch weniger Tempo: Eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit hilft nicht nur gegen Stau. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle kann sich verringern. Bild: Keystone

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Ein Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra) bestätigte den TV-Bericht von «10 vor 10»: Temporäre Tempo-80-Zonen sollen in Zukunft dabei helfen, Staus zu verhindern oder abzumildern. Es handle sich dabei um eine langfristige Planung, berichtete die Nachrichtenagentur SDA weiter; die Tempo-80-Abschnitte würden sukzessive eingeführt.

«Das ist beschlossene Sache», sagt Astra-Sprecher Guido Bielmann gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Wo und wann Sensoren in den Strassen eingebaut werden, um Staugefahren zu erfassen, ist allerdings noch unklar: Bislang steht lediglich der Grundsatzentscheid, auf diese Strategie zu setzen. Detailplanungen müssen noch durchgeführt werden, sodass auch die Frage nach möglichen Kosten derzeit nicht zu beantworten ist.

Tempo 80 für optimalen Fluss

«Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee», sagt Michael Balmer, der beim ETH-nahen Unternehmen Senozon Verkehrsflüsse und Staus simuliert und analysiert, «Tempo 80 ist die Geschwindigkeit, bei der die Leistungsfähigkeit einer Schnellstrasse am grössten ist.» Dies hatten in den vergangenen Jahren auch die Erfahrungen der Aargauer Verkehrsleitzentrale mit einem Pilotprojekt gezeigt, wie im «10 vor 10»-Bericht zu sehen war.

In der Versuchszone in der Gegend des Baregg-Tunnels floss der Verkehr messbar gleichmässiger, wenn man die Höchstgeschwindigkeit bei Staugefahr, die durch Sensoren in der Autobahn registriert wurde, auf 80 Stundenkilometer senkte: LKW und Personenwagen waren dann etwa gleich schnell unterwegs; die Abstände zwischen den Wagen wurden geringer – und so konnten bis zu zehn Prozent mehr Fahrzeuge passieren als bei höheren Geschwindigkeiten.

Astra: Geeignet als «flankierende Massnahmen»

«Bei Tempo 80 ist weniger Unruhe im Verkehr», erklärt Fachmann Balmer, «da ist es dann weniger wahrscheinlich, dass ein Stau quasi aus dem Nichts entsteht.» Solche Begrenzungen werden bei der künftigen Verkehrssteuerung eine Rolle spielen, da ist er sich sicher – doch eine Lösung für die Engpässe im Schweizer Strassennetz sei das alleine natürlich nicht.

Wunderdinge verspricht man sich von der Strategie, das Tempo bei Bedarf herabzusetzen, auch beim Astra nicht. Als «flankierende Massnahmen», so Sprecher Bielmann, dürften solche Massnahmen aber durchaus hilfreich sein – insbesondere in Stau-Schwerpunkten um Zentren wie Zürich, Bern oder Lausanne.

Zurückhaltung bei den Verbänden der Autofahrer

Die Interessenverbände der Automobilisten äussern sich zu den Plänen unterschiedlich. Niklaus Zürcher, Direktor des Automobilclubs der Schweiz (ACS), verwarf die Strategie im «10 vor 10»-Beitrag schon wegen des angeblichen Zeitverlustes für die Autofahrer – ohne freilich zu erwähnen, dass ein Stau die Pendler womöglich noch länger aufhalten könnte.

Der Touring Club Schweiz (TCS) äusserte sich dagegen differenzierter: Temporäre Tempo-80-Zonen «sind für uns akzeptabel. Bei starkem Verkehrsaufkommen kann das durchaus hilfreich sein», sagt Verbandssprecher Stephan Müller, «doch das Verkehrsmanagement des Astra darf nicht dazu missbraucht werden, über die Hintertür Tempo 80 als generelles Limit auf den Autobahnen einzuführen.»

Eine Sorge, die wohl kaum berechtigt ist. Denn in einem Punkt sind die Fachleute sich einig: Gegen eine chronische Verkehrsverstopfung, wie etwa auf der Zürcher Nordumfahrung um den Gubrist-Tunnel, hilft auch die intelligenteste Verkehrssteuerung nichts. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 09.11.2011, 19:23 Uhr)

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