Mit zwei Drähten gegen Schlammlawinen

Von Susanna Michel . Aktualisiert am 30.07.2010

Die erneuten Niederschläge erhöhen die Gefahr von weiteren Schlammlawinen im Grimselgebiet. Um den Verkehr auf der Passstrasse zu sichern, wurde ein Alarmsystem angebracht.

Bei dieser Gabelung des Spreitlauigrabens, hoch über
Guttannen, wurden Drähte montiert. Sie sollen vor Murgängen warnen. (Bild: Markus Hubacher)

Nils Hählen, Wasserbauingenieur des Kantons Bern, machte sich gestern Donnerstag vor Ort ein Bild von der Lage im Spreitlauigraben in der Gemeinde Guttannen. Dort waren vor einer Woche mehrere Murgänge ins Tal gerumpelt und hatten dabei Schutzbauten beschädigt. Ausgelöst wurden die Schlammlawinen, die auch grosse Felsbrocken mit sich führten, durch starke Niederschläge.

In den vergangenen Tagen hatte es im Grimselgebiet erneut viel geregnet. Aber: «Die Schneefallgrenze ist deutlich gesunken, das entspannt die Situation etwas», sagte Nils Hählen nach der Begehung. Bisher sei es denn auch zu keinen weiteren Murgängen gekommen. «Aber wir wissen nicht genau wo und wie sie ausgelöst werden, und es würde mich nicht überraschen, wenn uns der Spreitlauigraben weitere Schlammlawinen bescheren würde», erklärte der Wasserbauingenieur gestern am frühen Nachmittag. Im Moment deute allerdings nichts auf ein grösseres Ereignis hin.

Nachts geschlossen

Die Murgänge gefährden die Grimselpassstrasse. Diese ist deshalb aus Sicherheitsgründen zwischen Guttannen und dem Dorf Boden bis auf weiteres nur vom 6 bis 21 Uhr befahrbar. In Ausnahmesituationen dürfen Rettungsfahrzeuge durchfahren.

Während dem Tag bewacht jeweils ein einheimischer Bergführer den Oberlauf des Spreitlauigrabens, um im Notfall sofort die Rotlichtanlagen entlang der Strasse per Funk auf Rot stellen zu können. Ein Team von zehn bis zwölf Einheimischen übernimmt diese Aufgabe, die Männer arbeiten jeweils in zwei Schichten.

Seit Donnerstag sind die Ampeln, die entlang der Grimselpassstrasse stehen, zudem mit zwei Drähten verkabelt. Diese wurden im Bereich der Gabelung des Spreitlauigrabens abgebracht. Wenn diese Drähte reissen, schaltet die Signalanlage sofort das Rotlicht ein und sperrt so die Passstrasse.

Weitere Warnsysteme

Gemäss Nils Hählen wird weiter geprüft, ob das Gebiet mit einer Radaranlage oder einem Gerät, das Erschütterungen misst, ausgestattet werden könnte. Diese Systeme sollen langfristig die Beobachtungsposten ablösen. Zuerst müssten mit diesen Warnanlagen jedoch noch Erfahungen gesammelt werden können, bevor auf die wachsamen Augen der Bergführer verzichtet werden darf.

Hählen weist zudem darauf hin, dass die Warnsysteme zuerst bestellt, dann geliefert und montiert werden müssten. Er rechnet deshalb damit, dass das Gefahrengebiet noch mehrere Wochen von Personen überwacht werden muss.

Durch das bedrohte Gebiet führt die Transitgasleitung. Aus Sicherheitsgründen transportiert sie derzeit aber nach wie vor kein Gas. Die Betreiberin, die Transitgas AG, ist laut Nils Hählen dabei, weitere Sicherheitsmassnahmen zu treffen, bevor dort wieder Gas durchfliesst.

Die Murgänge bedrohen keine Siedlungen.

Felssturz ist der Auslöser

Der Spreitlauigraben ist ein Seitengerinne der Aare. Vor einem Jahr stürzten am Ritzlihorn mehrere hundert Kubikmeter Fels von der Nordflanke ab. Aus diesem Material bilden sich seither immer wieder grössere und kleinere Murgänge. Den Felssturz am Ritzlihorn führen Geologen auf die auftauenden Permafrostböden zurück. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.07.2010, 09:08 Uhr

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