Moutier-Wegzug: «Konnte das Resultat kaum fassen»

Währen der Wegzug Moutiers zum Kanton Jura für die probernischen Sangliers «eine Katastrophe» ist, reagieren andere gefasster.

Konnte das Resultat kaum fassen: Patrick Tobler.

Konnte das Resultat kaum fassen: Patrick Tobler. Bild: Keystone

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Das probernische Lager hat am Sonntag in Moutier ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Denn unmittelbar nach Bekanntgabe des Resultats glaubten die Proberner zuerst an einen Sieg. Sie skandierten «on a gagné, on a gagné!» («Wir haben gewonnen») - bis ein Mann durch die Versammlungshalle lief und sagte: «Wir haben verloren!» Danach machte sich Ernüchterung breit im Forum de l'Arc am südwestlichen Ortsausgang von Moutier, wo sich die Berntreuen versammelt hatten.

Verwirrung im probernischen Lager (Video: sda)

Pascal Tobler, Sprecher der probernischen Jugendorganisation «Sangliers», konnte das Resultat kaum fassen, als er es nach chaotischen Momenten endlich sah. Er sagte, das sei eine Katastrophe und schlecht für Moutier: Er gehe davon aus, dass das Spital geschlossen werde, die Feuerwehr weggehen und alles, was man in der Schule aufgebaut habe, werde zerbrechen.

Es sei nicht geplant, dass die Sangliers sich noch am Sonntag träfen, sagte Tobler weiter. Es seien keine Aktionen geplant und für ihn sei die Jurafrage nun gelöst.

Nationalrat Bühler relativiert Votum

Der bernjurassische SVP-Nationalrat Manfred Bühler reagierte gefasst auf das Votum. Natürlich habe er gehofft, dass sich Moutier für den Verbleib beim Kanton Bern aussprechen werde. Allerdings halte sich der Verlust in Grenzen. Der Berner Jura werde immer noch um die 45'000 Einwohner haben, stellte er fest.

Dass das Sonderstatut des Berner Juras nun in Frage gestellt werden könnte, glaubt Bühler nicht. Im Gegenteil: Eine etwas kleinere Minderheit müsse man umso stärker schützen.

Der frühere bernjurassische Nationalrat Jean-Pierre Graber (SVP) räumte ein, er sei natürlich «ein bisschen enttäuscht». Das Abstimmungsresultat sei aber zu akzeptieren, es sei ja recht klar ausgefallen, sagte der Präsident der Force démocratique.

Bernjurassischer Rat sieht Schlusspunkt

Auch der Bernjurassische Rat betonte in einem Communiqué, das demokratisch zustandegekommene Abstimmungsresultat sei zu respektieren. Der Urnengang setzte einen Schlusspunkt hinter einen langen Prozess zur Lösung des Jura-Konflikts. Alle Einwohner seien nun aufgerufen, alte Streitereien zu überwinden und sich gemeinsam um ein friedliches Zusammenleben in der Region zu bemühen. Der Bernjurassische Rat ist der regionale Ansprechpartner des Regierungsrats und der Kantonsverwaltung. Er sorgt dafür, dass das Sonderstatut des Berner Juras in der Praxis umgesetzt wird.

Bedauern in Biel

Vom Abstimmungsresultat betroffen ist auch die Stadt Biel und der zweisprachige Amtsbezirk Biel. Die sogenannte Bieler Juradelegation äusserte in einem Communiqué Bedauern, dass der Kanton Bern einen Teil seiner französischsprachigen Bevölkerung verliere. Sie verstehe und respektiere aber das Ergebnis, betonte das Gremium. Die Jura-Delegation rief zum Respekt der unterlegenen Minderheit in Moutier auf. Zugleich gelte es, die regionalen Beziehungen weiterzuentwickeln und die kantonale Zweisprachigkeit zu stärken. (nj/sda)

Erstellt: 18.06.2017, 18:52 Uhr

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