Muslimische Asylbewerber flirten mit dem Christentum

Asylsuchende treten vermehrt Schweizer Freikirchen bei. Das macht die Behörden stutzig.

Christliches Ritual: Taufe durch einen Pfarrer in der Kirche von Herblingen SH. (22. März 2015)

Christliches Ritual: Taufe durch einen Pfarrer in der Kirche von Herblingen SH. (22. März 2015) Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Muslimische Flüchtlinge würden zunehmend die Nähe zu den christlichen Kirchen suchen. «Unter den Konvertiten sind vor allem Iraner und Afghanen. Viele lassen sich in der Schweiz taufen», schreibt die «NZZ am Sonntag» (Artikel kostenpflichtig) in ihrer jüngsten Ausgabe.

Vor allem evangelische Freikirchen würden diesem Trend offen gegenüber stehen und Bibelstunden sowie Taufvorbereitungskurse organisieren. «In Aarau, Bern, Stans oder Zürich werden Gottesdienste simultan auf Persisch übersetzt. Beobachter sprechen von einem stetigen Anstieg der Konversionen in den vergangenen zwei, drei Jahren», hält das Sonntagsblatt fest. Wie die Zeitung «Reformiert» jüngst berichtete, würde allein die Persische Christliche Gemeinschaft jährlich 60 Konvertiten taufen.

Migrationsbehörden vermuten Asylmissbrauch

Die Migrationsbehörden verfolgen diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Sie hinterfragen offenbar, ob Muslime nur den Glauben wechseln wollten, weil sie sich dadurch bessere Chancen im Asylverfahren erhoffen. Denn Christen werden in einigen muslimischen Ländern diskriminiert und verfolgt. Und weil das Asylgesetz Flüchtlingen vor religiöser Verfolgung Schutz gewährt, wäre das ein Motiv, worauf der Bewerber setzen könnte. «Das Staatssekretariat für Migration (SEM) erfasst nicht, wie viele Asylsuchende ihr Gesuch mit ihrem neuen Glauben und den damit verbundenen Gefahren in der alten Heimat begründen», schreibt die «NZZ am Sonntag».

Die Schweizer Behörden nehmen demnach punkto Religionswechsel von Flüchtlingen eine kritische Haltung ein. So hält das SEM in einer Stellungnahme gegenüber der Zeitung fest, dass insbesondere Asylsuchende aus dem Iran einen Übertritt zum Christentum geltend machen würden. Dies werfe die Frage auf, ob der Wechsel der Religion tatsächlich religiöser Natur sei oder nur ein Vorwand, um so ein Aufenthaltsrecht zu erhalten. So müsse sich das Bundesverwaltungsgericht, das bei Asylentscheiden als letzte Instanz sein Machtwort spricht, jährlich mit 30 Fällen dieser Art beschäftigen. Gemäss «NZZ am Sonntag» würden die Betroffenen nur ganz selten recht erhalten. Derzeit befinden sich 1444 Iranerinnen und Iraner in der Schweiz im Asylprozess.

Trend in Deutschland

Die «NZZ am Sonntag» weist zudem auf die Entwicklung in Deutschland hin. Die Zahl der Religionsübertritte würde im nördlichen Nachbarland in die Tausende gehen, wobei sich nicht nur Iraner und Afghanen, sondern auch Flüchtlinge aus arabischen Staaten wie Syrien für das Christentum interessieren würden.

(fal)

Erstellt: 16.07.2017, 11:18 Uhr

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