Schweiz
Mythos Listenplatz
Von Rudolf Burger. Aktualisiert am 23.02.2011 1 Kommentar
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Landauf, landab machen sich Parteien in den nächsten Wochen daran, ihre Listen für die Nationalratswahlen zusammenzustellen. Unweigerlich kommt dabei früher oder später die Frage: Wie verteilen wir die Listenplätze? Wer kommt nach vorne, wer nach hinten?
Dabei ist klar, dass alle Kandidierenden auf vordere Listenplätze drängen. Der Überzeugung, dass ein guter Listenplatz hilfreich sei, ist gemäss einem vor kurzem in der NZZ erschienenen Artikel auch der Politologe Georg Lutz. Dies gelte auch für alphabetische Listen.
Mythos bestätigt sich teilweise
Doch ist der Listenplatz wirklich relevant? Wer die Resultate im Kanton Zürich analysiert, könnte zu diesem Schluss kommen: Weit vorne aufgestellte Kandidierende belegten nach der Wahl die vorderen Ränge – und umgekehrt. Das zeigt etwa die Liste der Zürcher FDP bei den letzten Nationalratswahlen: Die vier Bisherigen waren ganz vorne platziert, nach der Wahl hat sich einzig Doris Fiala zwischen sie schieben können, und nur ein Bisheriger, Markus Hutter, wurde abgewählt (der dann doch nachrutschen konnte, weil Felix Gutzwiller Ständerat wurde).
Wer sich nun in der These «Guter Listenplatz wichtig für gutes Wahlresultat» bestätigt fühlt, sollte einen Blick auf die Wahlen 2007 im Kanton Bern werfen, etwa auf die Ergebnisse der FDP: Zwar belegten auch dort die vier vorne platzierten Bisherigen die ersten Ränge nach der Wahl, jedoch mit einer wichtigen Einschränkung: Christian Wasserfallen verbesserte sich von Listenplatz 25 auf Rang 4 und verdrängte Marc F. Suter aus dem Nationalrat. Corinne Schmidhauser schaffte es von Listenplatz 23 auf Rang 9. Und es gab krasse Absteiger: Leonhard Cadetg fiel von Platz 5 auf Rang 26 zurück, Lorenzo Cassani von Listenplatz 6 auf Rang 20.
Alphabetische Listen in Bern
Die Unterschiede zwischen den bevölkerungsreichsten Kantonen sind einfach zu erklären: In Zürich hat sich die Praxis der Vorzugslisten etabliert. Die Bisherigen werden auf den ersten Listenplätzen aufgeführt, danach folgen die Neukandidierenden. Besonders ausgeklügelt ist das Verfahren bei der FDP, die jeweils in einer Abstimmung unter den Parteimitgliedern festlegt, wie die Listenplätze verteilt werden sollen.
Im Kanton Bern hat die Mehrzahl der Parteien bei den Wahlen 2007 teilweise alphabetische Listen vorgelegt. 11 von total 21 Listen mit namhafter Kandidatenzahl waren Listen dieser Art.
Andere Faktoren sind wichtiger
Für die Erfahrung aus Bern – gute Ergebnisse auch aus schlechten Listenplätzen – gibt es auch Zürcher Beispiele. 2007 schaffte es die grünliberale Alt-Regierungsrätin Verena Diener vom letzten Listenplatz (34) aus auf Rang 3 und wurde in den Nationalrat (später auch in den Ständerat) gewählt. In den Nationalratswahlen 1999 kandidierten zwei Zürcher Stadträte, Monika Stocker bei den Grünen und Willy Küng auf der Liste der Christlichsozialen. Beide waren auf den letzten Listenplatz (34) gesetzt worden, und beide waren nach der Wahl weit vorne: Stocker auf Rang 5, Küng sogar auf Rang 3.
Natürlich gibt es für diese Erfolge Erklärungen: Diener, Stocker und Küng waren durch ihre politische Tätigkeit bekannt. Aber genau die Resultate dieser Kandidierenden zeigen, dass offenbar andere Faktoren als der Listenplatz für ein gutes Ergebnis wichtiger sind: politische Erfahrung, Bekanntheitsgrad, Attraktivität, Beruf. Wer Regierungsrätin ist oder war, hat politische Erfahrung und ist bekannt, und bekannt sind sicher etwa ein Fernsehmoderator, Herzchirurg oder eine Spitzensportlerin.
Minimer Einfluss
Hat der Listenplatz trotzdem und unabhängig von den genannten Faktoren einen Einfluss aufs Wahlergebnis? Die Analyse von 56 alphabetisch geordneten Berner Listen aus den Nationalratswahlen 1991, 1995, 1999, 2003 und 2007 zeigt Folgendes: Bei mehr als zwei Dritteln der Listen war der Listenplatz unerheblich. Schlechter platzierte Kandidaten erzielten nicht per se schlechtere Resultate.
Der unabhängige Einfluss des Listenplatzes auf den Rang nach der Wahl ist demnach nicht vorhanden oder nur minim. Die erwähnten anderen Faktoren wie die politische Erfahrung und der Bekanntheitsgrad sind viel wichtiger.
Zu erwarten ist dennoch, dass der Mythos vom guten Listenplatz sich weiterhin hartnäckig halten und bei den anstehenden Nominationsversammlungen der Parteien eine Rolle spielen wird. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.02.2011, 21:38 Uhr
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1 Kommentar
und warum kostet ein guter listenplatz 40000 franken ?? genau, damit wir nur noch lobbyisten in den parlamenten haben, denen das volkswohl am allerwertesten vorbei geht !! der amtseid wird doch laufend gebrochen, denn es muss in erster linie das geld fuer den listenplatz hereingespuehlt werden !! in bundesbern werden ueber 2000 mandate vertreten, nur das volkswohl nicht !! alles lobbyistenvertrete Antworten
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