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Nahkampf um jede Stimme

Von David Schaffner und Fabian Renz, Bern . Aktualisiert am 20.09.2010 9 Kommentare

Geheime Treffen, Absprachen und angeblich zufällige Begegnungen: Mit allen Tricks versuchen die Lobbyisten der Kandidaten, noch Stimmen zu gewinnen.

Im heissen Kampf um jede einzelne Stimme zählt vor allem Diskretion: Daniel Jositsch (SP/ZH) und Doris Fiala (FDP/ZH) am Mittwoch, 15. September im Nationalrat.

Im heissen Kampf um jede einzelne Stimme zählt vor allem Diskretion: Daniel Jositsch (SP/ZH) und Doris Fiala (FDP/ZH) am Mittwoch, 15. September im Nationalrat.
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Je näher der Wahlmorgen rückt, desto blanker liegen die Nerven: Nicht selten geben bei Bundesratswahlen einige wenige Stimmen den Ausschlag. Teams von Wahlkampfhelfern aus dem Parlament versuchen daher bis zur letzten Minute, für ihre Kandidaten möglichst viel Unterstützung zu gewinnen.

Im heissen Kampf um jede einzelne Stimme zählt vor allem eines: Diskretion und Unaufdringlichkeit. «Ich gehe natürlich und ungezwungen auf jene zu, die ich gewinnen möchte», verrät der Thurgauer FDP-Nationalrat Werner Messmer: «Politiker sind eitel und wollen den Anschein vermeiden, dass sie sich zu etwas überreden lassen.» Messmer gehört mit dem St. Galler Walter Müller und Marianne Kleiner aus Ausserrhoden zu jenem Team, das intensiv für Karin Keller-Sutter lobbyiert. Als Vierter fungiert der freisinnige Ex-Nationalrat Peter Weigelt. Der Kommunikationsexperte war allerdings vor allem dann involviert, als es noch um die Wirkung der Kandidaten in der Öffentlichkeit ging. «Er hat die Medienauftritte geplant», sagt Messmer.

Absprachen sind gefährlich

In den letzten Stunden vor den Wahlen lässt sich die Volksmeinung nicht mehr beeinflussen, sehr wohl aber das Stimmverhalten der Parlamentarier: «Wir versuchen momentan vor allem, Mitglieder von CVP, SVP und Grünen zu gewinnen», sagt FDP-Ständerat Rolf Büttiker. Der Solothurner gehört mit dem Luzerner Otto Ineichen und dem Berner Christian Wasserfallen zu jenen, die im Hintergrund für Johann Schneider-Ammann die Strippen ziehen.

«Die CVP hört erst heute Dienstag die Kandidaten von FDP und SP an. Da gibt es noch viele Stimmen zu gewinnen», erklärt Büttiker. Die Grünen sind interessant, weil ihre Kandidatin Brigit Wyss wohl bereits in den ersten Wahlgängen aus dem Rennen fällt. Wen unterstützen sie dann? «Ihr Stimmverhalten könnte entscheidend sein», meint Büttiker. Etwas offener ist die Lage bei der SVP: «Ihr Kandidat Jean-François Rime könnte es in den letzten Wahlgang schaffen», spekuliert Büttiker. «Wenn nicht, hat die SVP mit ihren 66 Stimmen ein entscheidendes Wörtchen mitzureden, wer von der FDP in den Bundesrat kommt.»

Klar ist, dass die Lobbyisten versuchen, ihre Gespräche mit den Exponenten anderer Parteien durch Absprachen abzusichern. Die wichtigsten Gespräche finden im Geheimen statt. «Natürlich gibt es Absprachen», sagt Walter Müller, ohne konkreter zu werden. Bei Päckchen sei allerdings Vorsicht geboten: «Die Wahlen sind geheim. Niemand ist sicher, dass sich die andere Seite an ihre Versprechen hält», so Müller. Deshalb sei vor allem eines wichtig: «Wir müssen jeden einzelnen Parlamentarier von den Qualitäten Keller-Sutters überzeugen.»

SP «sehr, sehr diskret»

In starkem Kontrast zur Offenheit auf FDP-Seite steht der äusserlich kaum registrierbare Wahlkampf der sozialdemokratischen Kandidatinnen. So lassen Simonetta Sommaruga und Jacqueline Fehr nur auf «sehr, sehr diskrete Weise» für sich lobbyieren, wie ein CVP-Nationalrat festgestellt hat. «Lobbying ist für die FDP eine ganz natürliche Sache – der Kultur unserer Partei entspricht es weniger», erläutert SP-Präsident Christian Levrat. Die linke Diskretion beginnt schon damit, dass vergleichsweise wenige Genossen ihre persönlichen Präferenzen preisgeben. Ein Fehler, findet SP-Nationalrat Andreas Gross. So würden die Bundesratswahlen jeder Transparenz beraubt. Gross tritt deshalb für Sommaruga ein, die er für die geeignetere Persönlichkeit hält.

Mit offenem Visier kämpft auch der Waadtländer Nationalrat Roger Nordmann – er allerdings für Jacqueline Fehr. Beim Lobbying geht er nur äusserst behutsam und zurückhaltend ans Werk – «alles andere wäre kontraproduktiv».

Tatsächlich können die beiden SP-Frauen dank ihrer politischen Arbeit bereits auf ein gewisses Netzwerk unter den Bürgerlichen zählen: Sommaruga vor allem im Ständerat, Fehr unter Gesundheitspolitikern im Nationalrat. Innerhalb der SP-Fraktion seien die Meinungen weitgehend gemacht, heisst es – mit leichtem Vorteil für Sommaruga. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.09.2010, 23:42 Uhr

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9 Kommentare

Peter Jenzer

21.09.2010, 09:28 Uhr
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Konkordanz, Parteienzugehörigkeit und Kantonsgeplänkel gehören den Bach hinunter geschickt und behindern eine vernünftige Bundesrahtswahl mehr als sie nützen. Die besten Köpfe zählen. Charakterlich und politisch integere Persönlichkeiten gehörden in den Bundesrat und keine Zauderer und Selbstdarsteller. Antworten


Barbara Grunder

21.09.2010, 08:02 Uhr
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Nahkampf hat für mich 1 andere Bedeutung, der Einzige der im BR Ahnung hat wäre BR Maurer. Zum Glück ist MI der ganze Klamauk zu Ende! Antworten



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