Nahost-Tragödie schlägt im Bundeshaus ein wie eine Bombe
Artikel zum Thema
- Zwei Lager, zwei Perspektiven: Was geschah wirklich auf dem Schiff?
- Israel tötet Aktivisten – weltweite Kritik
- Türkei zieht Botschafter aus Israel ab
Stichworte
Der Angriff auf einen Gaza-Hilfskonvoi durch das israelische Militär hat bei den Mitgliedern der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Palästina grosse Bestürzung hervorgerufen.
Andrea Hämmerle, Präsident parlamentarischen Gruppe Schweiz-Palästina, ringt mit Worten, um seine Reaktion auf die Erstürmung eines internationalen Schiffskonvois mit Hilfsgütern für den Gazastreifen durch die israelische Armee zu beschreiben. Bei dem Angriff sind mindestens 19 Menschen getötet worden.
«Dass Israel mit Gewalt gegen einen Konvoi mit Hilfsgütern vorgeht, ist unerträglich», sagt der Bündner SP-Politiker am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Laut Hämmerle wird sich die parlamentarische Gruppe Schweiz-Palästina am Nachmittag treffen, um sich auf eine gemeinsame Stellungnahme zum israelischen Angriff zu einigen.
Israel vor internationales Gericht stellen
Für Hämmerles Ratskollegen Josef Zisyadis, ebenfalls Mitglied der Gruppe Schweiz-Palästina und Mitglied der Partei der Arbeit, ist klar, dass die Schweizer Regierung den israelischen Angriff schärfstens verurteilen muss. Zudem, so der Waadtländer Politiker, müsse die Schweiz umgehend den israelischen Botschafter ins Aussenministerium vorladen.
Zisyadis wollte ursprünglich selbst auf dem Schiffskonvoi mitfahren, sagte aber seine Teilnahme ab, da diesen Montag die Session in Bern beginnt.
Nationalrat Geri Müller (Grüne/AG), auch er Mitglied der Gruppe Schweiz-Palästina, fordert schliesslich, dass Israels Regierung vor ein internationales Gericht gestellt wird: «Einmal mehr hat Israel gezeigt, dass es nicht an einer Lösung des Nahost-Konflikts interessiert ist. Jetzt muss die internationale Gemeinschaft endlich handeln.»
Aktivisten tragen Verantwortung
Theophil Pfister, Präsdient der parlamentarischen Gruppe Schweiz- Israel, zieht derweil die Organisatoren des Hilfskonvois zur Verantwortung: «Falls Israel - und davon gehe ich aus - im Vorfeld ausreichend gewarnt hat, haben die Schiffsführer unverantwortlich gehandelt», sagt der St. Galler SVP-Nationalrat. «In diesem Fall haben die Aktivisten auch die Verantwortung für die Konsequenzen ihres Handelns zu tragen.»
Dieser Einschätzung widerspricht der Grüne Nationalrat Daniel Vischer, Präsident der Gesellschaft Schweiz-Palästina: «Selbst wenn Israel gewarnt hat, gibt es keinen legitimen Grund, ein Schiff mit Hilfsgütern zu beschiessen.»
Der israelische Angriff entbehre jeglicher völkerrechtlichen Grundlage, echauffiert sich Vischer. Er fordert den Bundesrat auf, sich öffentlich von «diesem empörenden Piratenakt» zu distanzieren und Israel um eine Erklärung zu ersuchen. (cpm/sda)
Erstellt: 31.05.2010, 14:02 Uhr
Schweiz
Schweiz
Meistgelesen in der Rubrik Schweiz
- 1Roger de Weck in der Kritik
- 2Rohe Gewalt als Markenzeichen
- 3300 Einsprachen gegen Bauprojekte – Initianten gehen auf die Barrikaden
- 4Die seltsame Vergabepraxis des Bundesamts für Migration
- 5Möglicher Euro-Austritt: Bund arbeitet an Notfallplan
- 6«Die Schweiz muss intensiver nach Steuerbetrügern fahnden»
































