Natalie Rickli verärgert deutsche Touristen

Vertreter der Tourismusbranche berichten von Deutschen, die aus Empörung über die provokativen Aussagen der SVP-Nationalrätin ihre Ferien in der Schweiz absagen. Rickli selbst fühlt sich falsch verstanden.

Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen: SVP-Nationalrätin Natalie Rickli bei einem Podiumsgespräch. (Archivbild)

Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen: SVP-Nationalrätin Natalie Rickli bei einem Podiumsgespräch. (Archivbild) Bild: Keystone

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Sowohl Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, als auch der Walliser Tourismusdirektor Urs Zenhäusern berichten von deutschen Gästen, die ihre Ferien in der Schweiz annullierten, weil sie sich nicht mehr willkommen fühlen. Dies schreibt «Der Sonntag» in seiner heutigen Ausgabe.

Der Grund: Die Aussage von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli in einer TV-Sendung von letzter Woche – es habe zu viele Deutsche in der Schweiz, deshalb sollte man die Zuwanderung beschränken. Vor allem Vertreter der Tourismusbranche können solche Äusserungen nicht nachvollziehen: Die intensiven Bemühungen, den Gästerückgang aus dem mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt Deutschland zu stoppen, würden so desavouiert, sagt beispielsweise Gaudenz Thoma, Chef von Graubünden Ferien, gegenüber «Der Sonntag». Vor allem in Zeiten des starken Frankens seien solche Aussagen kontraproduktiv.

«Ich störe mich an der Masse»

Auch Parteikollegen stossen sich an der Einstellung Ricklis: Er sei dagegen, so mit Deutschen umzugehen, sagt SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner gegenüber dem «Sonntag», denn er mache ausnahmslos gute Erfahrungen mit deutschen Zuwanderern. CVP-Nationalrätin Kathy Riklin spricht von einer «bedenklichen Entwicklung», denn Gehässigkeiten gegen Deutsche seien «salonfähig geworden».

Natalie Rickli selbst relativiert ihre Aussagen in einem Interview mit dem «SonntagsBlick»: Sie habe nichts gegen einzelne Deutsche, aber sie störe sich an der Masse. Ausserdem sei sie falsch zitiert worden – sie habe nie die Ventilklausel für Deutsche gefordert, «sondern war dafür, dass man sie 2009 ausgerufen hätte, als vor allem Deutsche kamen». Aber, so Rickli, «ich hätte mich vielleicht etwas diplomatischer ausdrücken können».

Und was sagen Herr und Frau Schweizer zum Thema? Laut einer Umfrage des «SonntagsBlick» sehen sie das Ganze relativ gelassen: Nur 36 Prozent der Deutschschweizer glauben demnach, es habe zu viele Deutsche in unserem Land, die Zuwanderung drosseln wollen 37 Prozent. 58 Prozent der 1000 Befragten finden, der Anteil der Deutschen in der Schweiz sei «gerade richtig». (fko)

(Erstellt: 29.04.2012, 10:27 Uhr)

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