Nationalrat steigt auf ALV-Revision ein
Aktualisiert am 08.12.2009 20 Kommentare
Der Nationalrat hat am Dienstag gegen den Willen der vorberatenden Kommission und der Ratslinken mit 126 zu 60 Stimmen beschlossen, auf die Gesetzesrevision einzutreten. Der Handlungsbedarf ist unbestritten: Der Arbeitslosenversicherung fehlen beinahe zehn Milliarden Franken. Bei den Massnahmen gehen die Meinungen jedoch weit auseinander. Die Rechte stellt sich gegen Erhöhungen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge, die Linke gegen Leistungskürzungen.
An der Wirtschaftskrise seien nicht die Arbeitslosen schuld, gab Paul Rechsteiner (SP/SG) zu bedenken. Es gehe nicht an, sie zu bestrafen, während die Verursacher der Krise unbehelligt blieben. Die Linke werde das Referendum ergreifen.
Wirtschaft nicht belasten
Die Redner der bürgerlichen Parteien widersprachen. Um die Probleme zu lösen, müsse auch auf der Leistungsseite die Schraube angesetzt werden, sagte Peter Spuhler (SVP/TG). Die Wirtschaft sei bereits in einer schwierigen Situation; sie dürfe nicht zusätzlich belastet werden.
Die Kürzungen seien vertretbar, hielt Spuhler fest. Verglichen mit Deutschland, Dänemark oder England stünden Arbeitslose in der Schweiz ohnehin gut da. «Schauen Sie mal über die Grenzen», forderte er im Namen der SVP-Fraktion den Rat auf. Die Schweiz dürfe die Wettbewerbsfähigkeit nicht verlieren.
Das Defizit bekämpfen
Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard rief den Nationalrat dazu auf, die Revision in Angriff zu nehmen. Wer sich gegen die Revision stelle, nehme in Kauf, dass das Defizit von jährlich einer Millarde weiterhin anfalle. Dies würde die Versicherung schwächen und könnte dazu führen, dass «noch drastischere Massnahmen» ergriffen werden müssten.
Leuthard erinnerte daran, dass der Bundesrat gemäss dem geltenden Gesetz die Lohnbeiträge erhöhen muss, wenn die Schulden einen bestimmten Betrag übersteigen. Steige der Rat nicht auf die Revision ein, werde der Hebel nur auf der Einnahmenseite angesetzt, was die Wirtschaft stark belasten würde, sagte Leuthard.
Kürzung der Taggelder
Der Bundesrat schlägt Massnahmen auf der Beitrags- und der Leistungsseite vor. Die Lohnabgaben sollen von 2 auf 2,2 Prozent erhöht werden. Hinzu kommen eine zeitlich befristete Beitragserhöhung um 0,1 Prozent und ein Solidaritätsbeitrag von einem Prozent auf Einkommen zwischen 125'000 und 315'000 Franken.
Auf der Leistungsseite soll die Taggeld-Bezugsdauer enger an die Beitragszeit gekoppelt werden. Nur wer 18 Monaten am Stück in die ALV einbezahlt, soll künftig 400 Taggelder erhalten. Wer 12 Monate einbezahlt hat, soll neu nur noch 260 Taggelder beziehen können. Der Ständerat beschloss auf der Leistungsseite zusätzliche Einsparungen. (raa/sda)
Erstellt: 08.12.2009, 13:37 Uhr
Kommentar schreiben
20 Kommentare
Es ist sicher angebracht, dass bei den Leistungen gewisse Anpasungen nach unten notwendig sind. Aber den Rest sollten die Arbeitgeber übernehmen. Es sollte wieder interessant werden Einwohner der Schweiz auszubilden, damit diese der Arbeitslosenfalle entfliehen können (Angebote der Arbeitgeber??) . Die Arbeitgeber haben lange genug den einfacheren Weg über die Rekrutierung von Ausländern genutzt. Antworten
Schweiz
Schweiz
Meistgelesen in der Rubrik Schweiz
- 1Roger de Weck in der Kritik
- 2Rohe Gewalt als Markenzeichen
- 3300 Einsprachen gegen Bauprojekte – Initianten gehen auf die Barrikaden
- 4Die seltsame Vergabepraxis des Bundesamts für Migration
- 5Möglicher Euro-Austritt: Bund arbeitet an Notfallplan
- 6«Die Schweiz muss intensiver nach Steuerbetrügern fahnden»
































