Nigerianer starb vor den Augen des neuen Bundesamt-Chefs
Bei Ausschaffung dabei: Alard Du Bois-Reymond (r.). Links ein Mithäftling des Toten, der in «10 vor 10» von der Ausschaffung berichtete. (Bild: )
Artikel zum Thema
«Im Rahmen der Einführung in meine Arbeit als Direktor des zuständigen Bundesamts wollte ich mir an diesem Tag in Begleitung des Chefs der Flughafenpolizei eine Zwangsausschaffung ansehen», sagt Du Bois-Reymond im Interview mit der «Aargauer Zeitung». Ob es eine brutale Szene gewesen sei? «Nein, es war eigentlich sehr ruhig. Nur diese eine Person verursachte offenbar Probleme.»
«Es ging alles sehr schnell», sagt der im vergangenen Oktober vom Bundesrat zum Chef des Bundesamts für Migration (BFM) berufene Du Bois-Reymond zu «10 vor 10». Man habe gesehen, dass diese Person in einen schlechten Zustand gerate und habe auch sofort die Ambulanz gerufen. «Doch dann ist die Person tragischerweise gestorben.» Bis die Umstände durch die Staatsanwaltschaft geklärt seien, gebe es keine Ausschaffungsflüge mehr. Das hat der neue Chef sogleich angeordnet.
«Unglücklicher Unfall»
Unklar ist, ob der 29-jährige Nigerianer durch einen Hungerstreik geschwächt war. «Das sind Spekulationen. Ich gehe davon aus, dass die Information war, dass diese Person gesund ist. Nur gesunde Leute sollen ausgeschafft werden.» Das müsse nun der Staatsanwalt untersuchen. «Wenn die Untersuchungen zeigen, dass dieser tragische Tod nicht durch die Zwangsmassnahmen verursacht worden ist, werden wir diese Ausschaffungen wieder aufnehmen. Dann wäre es einfach ein unglücklicher Unfall gewesen.»
Und wenn nicht? Wenn sich herausstelle, dass der Tod des Häftlings als Folge der Zwangsmassnahmen eingetreten ist, dann müssten diese Massnahmen angepasst werden, so Alard Du Bois-Reymond.
Erstellt: 19.03.2010, 09:02 Uhr
Schweiz
Schweiz
Meistgelesen in der Rubrik Schweiz
- 1Roger de Weck in der Kritik
- 2Rohe Gewalt als Markenzeichen
- 3300 Einsprachen gegen Bauprojekte – Initianten gehen auf die Barrikaden
- 4Die seltsame Vergabepraxis des Bundesamts für Migration
- 5Möglicher Euro-Austritt: Bund arbeitet an Notfallplan
- 6«Die Schweiz muss intensiver nach Steuerbetrügern fahnden»
































