Nirgendwo in der EU arbeiten so viele Frauen wie in der Schweiz

Laut Statistik möchten in der Schweiz über 200'000 teilzeitbeschäftigte Frauen ihr Arbeitspensum aufstocken. Nicht nur fehlende Krippenplätze sind ein Problem.

Bild: TA-Grafik / Quelle: Arbeitsmarktindikatoren 2001, bfs

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Im europäischen Vergleich sind die Schweizer Frauen gleich in zweierlei Hinsicht Spitzenreiterinnen. Einerseits ist die Erwerbsquote bei der weiblichen Bevölkerung in keinem EU-Land höher als in der Schweiz. Sechs von zehn über 15-Jährige gehen hierzulande einer Erwerbstätigkeit nach. Zum Vergleich: In Italien, dem Schlusslicht der Statistik, sind es lediglich knapp vier von zehn Frauen.

Gleichzeitig ist in der Schweiz aber auch die Quote der Frauen, die Teilzeit arbeiten, so hoch wie kaum in einem anderen EU-Land. Gegen 60 Prozent der erwerbstätigen Schweizerinnen arbeiten in einem Teilzeitpensum. Diese Quote ist viermal höher als bei den Männern. Bei rund einem Viertel der arbeitenden Frauen beträgt das Arbeitspensum sogar unter 50 Prozent.

Interessante «Unterbeschäftigungsquote»

Bei beiden Geschlechtern steigt die Teilzeitquote seit Jahrzehnten kontinuierlich und ungefähr gleich stark an. Neun von zehn Teilzeitjobs entfallen auf den Dienstleistungssektor.

Neben diesen Eckwerten lassen sich aus dem Fundus des Bundesamts für Statistik (BFS) tiefer gehende Erkenntnisse über die Arbeitstätigkeit der Schweizer Frauen gewinnen. Interessant ist beispielsweise ein Blick auf die sogenannte «Unterbeschäftigungsquote». Als unterbeschäftigt gilt, wer Teilzeit arbeitet, das Pensum aufstocken möchte und dies aufgrund der Lebensumstände auch innert nützlicher Frist tun könnte.

Nicht nur Krippen sind Problem

Mehr als jede sechste Teilzeit arbeitende Frau fällt in die Kategorie der Unterbeschäftigten. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind es über 200'000, wobei sich mehr als ein Drittel davon eine Vollzeitstelle wünschen würde. Dieser Befund zeigt, dass nicht nur fehlende Krippenplätze für den hohen Teilzeitanteil verantwortlich sind. Bei den Männern gelten lediglich rund 60'000 als unterbeschäftigt.

Weiter schlüsseln die Statistiker des Bundes die Erwerbsquote der Frauen bezüglich ihrer familiären Verhältnisse auf. Hier kam es 2008 zu einem auffälligen Paradigmawechsel. In der Zeit davor war ein grösserer Anteil der Schweizerinnen ohne Kinder unter 15 Jahren erwerbstätig als mit Kindern in dieser Altersklasse.

Seit vier Jahren ist dies anders. Nun ist die Erwerbsquote der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren höher als diejenige der Frauen ohne solchen Nachwuchs. Die Tendenz ist ungebrochen. Damit schlägt sich in dieser Statistik entweder nieder, dass sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert hat – oder aber, dass immer mehr Mütter arbeiten müssen, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 03.05.2012, 06:36 Uhr)

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