«Noch einer aus der Hinwiler Connection»

Mit Bruno Zuppiger hat die SVP das erste Schwergewicht im Bundesratsrennen. Wer ist der Mann, der rasch neue Kampfjets will und gerne einmal schlemmt in Bundesbern?

Gilt als Präsident der parlamentarischen Gruppe Food, Fun and Politics auch als Geniesser: Der Zürcher Nationalrat Bruno Zuppiger.

Gilt als Präsident der parlamentarischen Gruppe Food, Fun and Politics auch als Geniesser: Der Zürcher Nationalrat Bruno Zuppiger. Bild: Keystone

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Schon einmal stellte sich Bruno Zuppiger zur Wahl in den Bundesrat. Im Herbst 2008, als Samuel Schmid in der Landesregierung nicht mehr weiter leiden mochte und zurücktrat. Allerdings hatte Zuppiger damals keine Chance. Seine Kontrahenten hiessen Ueli Maurer und Christoph Blocher – ebenfalls zwei Zürcher. Die SVP Schweiz stellte ihn nicht auf, Maurer wurde gewählt.

Seither sind drei Jahre und eine eidgenössische Wahl vergangen und die SVP drängt immer noch auf eine Zweiervertretung in der Landesregierung. Nur diesmal sieht die Lage für den Gewerbeverbandspräsidenten Zuppiger besser aus. Aus dem eigenen Kanton ist bisher keine weitere Kandidatur in Sicht und die drei anderen Kandidaten – Hannes Germann, Guy Parmelin und Jakob Stark – sind alles Leute aus der zweiten Reihe.

Stellt sich hinter Personenfreizügigkeit

Zuppiger machte sich im Parlament als Finanz- und Sicherheitspolitiker einen Namen. In beiden Kommissionen hat er Einsitz. Die politische Gegnerin und Kommissionskollegin (FK), SP-Nationalrätin Margrit Kiener-Nellen, sagt von ihm: «Er kennt die Bundeshausmechanik in- und auswendig.» Gerade in seinen Kernthemen aber macht sich der Zürcher bei SP und CVP keine Freunde. Zuppiger befürwortet die rasche Beschaffung der neuen Kampfjets – und zwar unter Umgehung einer Volksabstimmung. Für Kiener-Nellen ist damit klar: «Wählen kann ich ihn trotz seiner politischen Erfahrung nicht, weil er die Kampfjets sofort auf Biegen und Brechen beschaffen will. Und damit würden dringend nötige Ausgaben für Bildung und Infrastruktur verhindert.»

Für Zuppiger spricht allerdings, dass er sich hinter die Personenfreizügigkeit stellt. Bei der SVP-Initiative «gegen Masseneinwanderung» musste er sich entscheiden – für die Partei oder für den Gewerbeverband, der gegen das Volksbegehren ist. Er entschied sich für den freien Personenverkehr. Zuvor hatten Vertreter von FDP – darunter Ruedi Noser – und des Gewerbeverbands massiv Druck auf ihn ausgeübt. Das stimmt CVP-Nationalrätin Kathy Riklin denn auch skeptisch: «Ob Zuppiger auch nach einer Wahl in den Bundesrat noch hinter der Personenfreizügigkeit steht?»

Auch Armeechef Blattmann hat Wurzeln in Hinwil

Generell dürften nur SVP-Kandidaten, die sich hinter die Personenfreizügigkeit stellen, überhaupt eine Chance haben. Und damit sie eine Wahl schaffen können, brauchen sie Stimmen von SP und CVP. Ob Kiener-Nellens Nein hier repräsentativ ist, bleibt offen. Für sie gilt selbst ein Ja zum freien Personenverkehr nicht als Freibrief: «Das ist ja nicht das einzige Thema.» Riklin will sich nicht zu einer Wahlaussage hinreissen lassen, verweist aber ebenfalls auf die umfassende Prüfung der Kandidaten: «Wir werden in den Hearings feststellen, ob jemand für uns wählbar ist oder nicht.» Trotz aller Skepsis: Zuppiger ist wohl von den bisher genannten SVP-Kandidaten der Profilierteste. Das sieht auch Riklin so. Und CVP-Präsident Christophe Darbellay schrieb jüngst in der «Weltwoche» in Anspielung auf seinen Körperumfang: «Bestimmt ist Bruno Zuppiger kein Federgewicht, auch politisch nicht.»

Wie Bundesrat Ueli Maurer stammt auch Zuppiger aus der Zürcher Oberländer Gemeinde Hinwil. Angesichts von regionalen Verteilkämpfen um die Macht im Bundesrat ein Problem? «Noch einer aus der Hinwiler Connection», meint Kiener-Nellen halb scherzhaft. Was sie meint, ist das Trio Ueli Maurer, André Blattmann und Bruno Zuppiger. Alle haben sie Wurzeln in Hinwil und alle sind sie wichtige Player in der Schweizer Sicherheitspolitik. Blattmann als Armeechef und Zuppiger als früherer Präsident der Sicherheitskommission. «Sollten zwei Bundesräte aus der gleichen Gemeinde kommen, sei das aber grundsätzlich nicht von Bedeutung», sagt die Bernerin. Auch Ricklin sieht das locker und macht einen nicht ernst gemeinten Spruch: «Das zeigt die Provinzialisierung der Politik.» Überhaupt scheint Riklin ihren Standeskollegen ziemlich gut zu kennen und findet noch ein Argument, das gegen Zuppiger als Bundesrat spräche: «Mit Französisch und Englisch wird es bei ihm schwer.»

Geniesser in den Bundesrat

Möglich aber, dass Darbellay in seinem «Weltwoche»-Artikel Zuppiger in weiser Voraussicht schon in der Landesregierung sah, indem er auf das wichtigste Nebenamt des Zürchers verwies: Zuppiger ist Präsident der parlamentarischen Gruppe Food, Fun and Politics. «Dort wird einmal pro Session nicht nur Valser oder Henniez getrunken. Manche meinen, zukünftige Bundesräte dürften nur aus dieser Gruppe stammen», so der CVP-Präsident. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.11.2011, 13:42 Uhr

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Noch muss der Vorstand entscheiden

Die Parteileitung der SVP des Kantons Zürich empfiehlt Bruno Zuppiger als Bundesratskandidaten. Sie beantragt dem Kantonalvorstand, den 59-jährigen Nationalrat zu Handen der Bundeshausfraktion zu portieren. Der Vorstand entscheidet am Dienstagabend. Bisher stehen der SVP-Fraktion drei Kandidaten zur Verfügung: Der Waadtländer Guy Parmelin, der Schaffhauser Hannes Germann und der Thurgauer Jakob Stark. Ausser der Zürcher SVP entscheidet am Dienstagabend auch die SVP des Kantons Zug. Sie wird voraussichtlich Regierungsrat Heinz Tännler nominieren. Die Bundeshausfraktion trifft ihre Auswahl am Donnerstag. Die Bundesratswahl erfolgt dann am 14. Dezember.

Bruno Zuppiger ist verheiratet und hat fünf Kinder. Seine Frau Rösli hat 2008 ein Buch veröffentlicht. Titel: «Nestwärme für Kinder. Blutwurst für Herrn Bundesrat».

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