Schweiz

Nun kriegen die Informanten kalte Füsse

Aktualisiert am 19.01.2012 402 Kommentare

Ein Mitarbeiter der Bank Sarasin und der Anwalt Hermann Lei haben den Stein in der Affäre Hildebrand erst ins Rollen gebracht. Nun schieben sie sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Ein Rechtsstreit hat begonnen.

Hat an den Dokumenten herumgebastelt: Der Thurgauer Anwalt Hermann Lei.

Hat an den Dokumenten herumgebastelt: Der Thurgauer Anwalt Hermann Lei.
Bild: Keystone

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Die Chronologie der Affäre Hildebrand

Die Chronologie der Affäre Hildebrand
Der Fall Hildebrand: Wie es dazu kam – und welche Personen darin verwickelt sind.

«Schweigepflicht gebrochen»: Der Anwalt des Sarasin-Mitarbeiters, Stefan Flachsmann in der Sendung «10vor10». (Bild: sf)

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Nach dem Rücktritt von Philipp Hildebrand als SNB-Chef wird der Blick frei auf die Art und Weise, wie die Öffentlichkeit von den Devisentransaktionen erfuhr. Die beiden Informanten von Christoph Blocher, Anwalt Hermann Lei und ein Ex-Sarasin-Mitarbeiter kriegen nun anscheinend selbst kalte Füsse.

Inzwischen haben sich beide eigene Anwälte genommen und schieben sich die Verantwortung für den Datenklau gegenseitig in die Schuhe. In der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens sprach gestern erstmals der Verteidiger des Ex-Sarasin-Mitarbeiters: «Lei war nie autorisiert, von meinem Mandanten die Dokumente weiterzugeben», sagte er gegenüber «10vor10». Es habe ein Mandatsverhältnis bestanden, somit habe Lei der anwaltlichen Schweigepflicht unterstanden.

Milieu-Anwalt Valentin Landmann, der Verteidiger von Hermann Lei, sagte hingegen, es habe kein Mandatsverhältnis bestanden. «Es wurde kein neues Mandat eröffnet, keine Leistungen aufgeschrieben und es gibt auch keinen Vertrag.»

An den Dokumenten rumgebastelt

Hermann Lei hat gestern zudem eingeräumt, dass er vom Informanten drei Bankauszüge des abgetretenen SNB-Präsidenten Hildebrand vorgelegt bekam und diese «zusammenzog, damit sie auf eine Seite passen». Den Inhalt habe er «selbstverständlich nicht verändert».

Der Informant habe die Kontoauszüge zudem unbedingt wieder in seinem Besitz haben wollen, deshalb habe er Kopien erstellt und zu dessen Sicherheit Angaben wie etwa die Kontonummer abgedeckt, sagte der Mittelsmann in der Affäre heute gegenüber «TeleZüri». Dann habe er die Unterlagen inhaltlich unverändert weitergegeben.

«Die Angaben stimmen auch. Sonst wäre Philipp Hildebrand ja nicht zurückgetreten», sagte Lei weiter. Sein Anwalt Valentin Landmann fügte an, dass man aber natürlich «nicht weiss, ob die Dokumente ursprünglich wirklich echt waren».

Kein üblicher Bankauszug

Bei dem in der «Weltwoche» abgedruckten Auszug handle es sich «nicht um einen Bankkontoauszug, wie ihn die Kunden der Bank Sarasin erhalten», sagte Franziska Gumpfer-Keller, Sprecherin der Bank Sarasin, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda zu einem entsprechenden Bericht im «Blick» von heute (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Unter Berufung auf «zwei unabhängige Quellen mit genauen Kenntnissen» berichtete der «Blick», dass die Personalien Hildebrands zum Bankauszug hinzugefügt worden seien. Normalerweise stelle das Computersystem Kundennamen und Kontobewegungen nicht auf der gleichen Seite dar.

Der IT-Angestellte der Bank Sarasin hatte die Daten nach früheren Angaben mit Screenshots aus dem Computersystem herausgeholt. Wie Kontendaten im bankeigenen Computersystem angezeigt werden, dazu will die Bank keine Angaben machen. Als unbestritten gelten die Daten auf dem Dokument.

Keine Kenntnisse bei der «Weltwoche»

Bei der «Weltwoche», die das Dokument am 5. Januar publizierte, liess Chefredaktor Roger Köppel schriftlich ausrichten: «Was den offenbar erhobenen Vorwurf der Urkundenfälschung angeht, kann ich dies nicht kommentieren, da sich ein solcher Vorgang meinen Kenntnissen entzieht.»

Die «Weltwoche» erhielt das Dokument offenbar von Lei, der wiederum in Kontakt mit dem Sarasin-Angestellten stand, welcher die Daten aus der Bank getragen hatte. Gegen Lei und den Informanten laufen bei der Zürcher Staatsanwaltschaft Strafverfahren.

Politischer Druck auf Lei

Lei sieht sich ausserdem mit Rücktrittsforderungen in seinem Kanton konfrontiert. Nach Ansicht der SP-Fraktion im Thurgauer Kantonsrat soll er sich aus der Justizkommission des Parlaments zurückziehen. Das habe die Fraktion in einem Brief an die SVP- Fraktion gefordert, sagte SP-Fraktionschefin Renate Bruggmann. Sie bestätigte damit einen entsprechenden Bericht in der «Thurgauer Zeitung».

Kantonsrat Stephan Tobler, Präsident der SVP-Fraktion, sagte, die Angelegenheit werde am kommenden Mittwoch vor der Sitzung des Kantonsrats fraktionsintern besprochen. Das Thema sei traktandiert.

Rücktrittsforderungen

Am Wochenende war bereits der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid, gegen den in der Affäre ebenfalls ein Verfahren läuft, aus der Justizkommission des Zürcher Kantonsparlaments zurückgetreten. Grund dafür war ein Interessenkonflikt: Als Mitglied der Justizkommission hätte Schmid die Staatsanwaltschaft beaufsichtigt, die gegen ihn ermittelt.

Zurücktreten soll Lei nach Ansicht des Vorstandes der FDP der Stadt Frauenfeld auch als Präsident der örtlichen Einbürgerungskommission, wie Alex Blumer, Präsident der FDP Frauenfeld, bestätigte.

Ferner ist Lei in das Visier der Thurgauer Anwaltskommission geraten. Diese wird ihren Kollegen zu einer Stellungnahme auffordern, wie Thurgauer Obergerichtspräsident und Anwaltskommissionspräsident Thomas Zweidler sagte. (kle/wid/sda)

Erstellt: 19.01.2012, 06:34 Uhr

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402 Kommentare

Konrad Bolt

18.01.2012, 20:06 Uhr
Melden 387 Empfehlung

Mich würde es interessieren, ob dieser IT Mann vielleicht zu dieser Tat von irgendwelchen Leuten angestiftet wurde. Ich glaube, dass dieser Mann gezielt Hildebrands Konto gesucht und nicht zufälligerweise gefunden hat.
Das ganze stinkt zum Himmel da alle beteiligten der SVP angehören.
Antworten


Anita M. Dürr

18.01.2012, 20:27 Uhr
Melden 324 Empfehlung

",dass es auf eine Seite passt." Soso - auf welche? Die von Blocher, der WW oder wie oder was? Was sind das bloss für Leute! Antworten



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