Nur nicht wieder ein Papiertiger der Arbeitgeber

Man hat einmal mehr das ungute Gefühl, dass den Arbeit­gebern die Alten, Frauen, Jugendlichen und Behinderten erst am Herzen liegen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht.

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Gestern luden der Arbeitgeberverband und Economiesuisse zur Pressekonferenz. Vorgestellt wurde das Projekt «Zukunft Arbeitsmarkt Schweiz». Das lang­fristige Engagement hat das Ziel, die Erwerbsquote nicht nur unter älteren Personen, sondern auch unter Frauen, Jugendlichen und Menschen mit Behinderung «messbar zu erhöhen», so der offizielle Wortlaut.

Anwesend waren auch die Personalchefs von ­Novartis, Migros und der SBB. Die drei Vorzeigeunternehmen präsentierten ihre Pensionierungs- und ­Lebenszeitmodelle. Damit sollte auch der Eindruck vermittelt werden, dass bereits einiges getan wird. Dem ist leider nicht so. Bereits 2006 hatte der Arbeitgeberverband eine Initiative gestartet, um ältere ­Arbeitnehmer länger im Arbeitsprozess zu halten. Der Verband prophezeite ab 2015 einen Arbeitskräftemangel ­aufgrund der demografischen Entwicklung – und gab den Unternehmen Tipps. Die Wirkung war gleich ­null. Statt sich die Ratschläge zu Herzen nehmen, ­bedienten sich viele Unternehmen grosszügig im ­Ausland mit Fachkräften. Die Quittung dafür kam am 9. Februar mit dem Ja zur Initiative gegen die Masseneinwanderung.

Statt nach diesem Protestvotum an der Urne ­vorwärtszumachen, liessen sich die Spitzenverbände der Wirtschaft nochmals fast ein Jahr Zeit, bis sie ­gestern konkrete Massnahmen präsentierten. Man hat einmal mehr das ungute Gefühl, dass den Arbeit­gebern die Alten, Frauen, Jugendlichen und Behinderten erst am Herzen liegen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Mittlerweile verlassen aufgrund der demografischen Alterung jährlich 5000 Arbeitskräfte mehr den Schweizer Arbeitsmarkt, als Junge ­dazustossen. Zu hoffen bleibt, dass das gestern ­vorgestellte Konzept «kein Papiertiger bleibt», wie die ­Economiesuisse-Direktorin Monika Rühl versicherte.

Denn eigene Fachkräfte auszubilden und ­möglichst viele Menschen in den Arbeitsmarkt zu ­integrieren, ist nicht fremdenfeindlich. Im Gegenteil: Die Nachbarländer werden es uns danken, wenn wir ihnen nicht weiterhin die gut ausgebildeten ­Fachkräfte ­ab­luchsen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 21.01.2015, 23:03 Uhr)

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