Schweiz
«Nur wenn eine Werbung Spass macht, ist es gute Werbung»
Interview Fabienne Riklin. Aktualisiert am 05.02.2010
«Nur wenn eine Werbung Spass macht, ist sie auch gute Werbung»: Regula Fecker ist Partnerin und Mitgründerin von Rod Kommunikation und heute zur Werberin des Jahres gekürt worden.
Regula Fecker
Regula Feckers Einstieg in die Werbung erfolgte als 20-Jährige 1998 bei Honegger von Matt in der Beratung. Über die Jahre entwickelte sie ein immer stärkeres Interesse an Menschen, in welcher Beziehung sie zu Marken stehen und wie sie auf Kommunikation reagieren. Der Wechsel ins Planning ermöglichte ihr, diesem Interesse verstärkt nachzugehen. 2003 verliess sie die Schweiz, um sich an der Miami Ad School im «Bootcamp for Account Planning» weiterzubilden. Den Kurs schloss sie als Jahrgangsbeste ab. Danach arbeitete sie im Planning bei TBWA\CHIAT\DAY New York, bei TBWA\Berlin sowie als Leiterin der strategischen Planung bei Jung von Matt/Limmat. 2007 gründete sie mit Oliver Fennel und David Schärer die Agentur Rod Kommunikation.
Frau Fecker, herzliche Gratulation zur Auszeichnung Werberin des Jahres. Sie gehören einer neuen Generation von Werbern an, was machen Sie anders?
Unsere Agentur Rod geht die Aufträge freier an.
Konkreter, bitte.
Wir wollen erst alles über unsere Konsumenten herausfinden, bevor wir etwas entwickeln. Wir denken also nicht in Mediengattungen, sondern arbeiten forschend. Was interessiert die Leute überhaupt und warum? Damit man diese Dinge herausfindet, muss man vor Ort sein und sich richtig in die Thematik hineinknien.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Für die Kampagne des Magazins 20-Minuten-Friday gaben wir 30 jungen Menschen ein Tagebuch und eine Kamera, um herauszufinden wie sie den Wochentag Freitag wahrnehmen. Dabei stellte sich heraus, dass der Freitag für sie ein ganz spezieller Tag ist. An diesem Tag entlädt sich bei den Teenagern zum einen der Druck der Woche und zum andern tanken sie Vorfreude für das Wochenende auf. So ist dann die Kampagne «Thank God it’s Friday» entstanden.
Welche Werbekampagne ist Ihnen letztes Jahr sonst noch besonders geglückt?
«Sanitas Compact» für Sanitas, «I Have MSF» für Médecins Sans Frontières und natürlich die SVV/BfU-Kampagne: «Slow down, take it easy», welche zum angepassten Fahren aufruft. Auf Facebook hat diese Kampagne mehr als 83’000 Fans. Also Menschen, die sich mit der Kampagne aktiv schmücken wollen. Für uns ist das wie ein Ritterschlag.
Woher holen Sie sich Ihre Inspiration?
Aus den alltäglichen Beobachtungen heraus. Meine Stärke liegt darin, mich aus Situationen herauszunehmen und einfach nur zu beobachten. Mir fallen dabei grundsätzlich mehr Dinge auf, als anderen.
Wie wollen Sie sich von der Werbeflut abheben?
Eine Werbung muss so interessant sein, dass sie Menschen freiwillig ansehen. Nur wenn eine Werbung Spass macht, ist sie auch gute Werbung.
Wie gehen Sie mit den Klischees der Werbebranche um?
Ich fände es schön, wenn sich die Werbebranche von ihren Klischees lösen könnte. Oft treffe ich auf Leute die ganz erstaunt sind, dass eine junge Frau, die nicht schwarz angezogen ist und keinen Mercedes fährt, Werberin ist. Das muss sich ändern.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.02.2010, 08:57 Uhr


