Offene Fragen im Bootsdrama
Von Monica Fahmy, Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 15.07.2010
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Ein Luxusboot fährt mit hoher Geschwindigkeit auf ein Gummiboot zu. Eine junge Frau wird tödlich verletzt. Vom Unfallverursacher fehlt bisher jede Spur. Wie ist das möglich?
Die Mitfahrer
Laut Aussage von Stefan F. befanden sich neben dem Kapitän noch zwei bis drei weitere Personen an Bord des Schiffes. Es mutet seltsam an, dass sich im Zuge der laufenden Fahndung keine der Personen bei der Polizei gemeldet hat. Schliesslich ist die Wahrscheinlichkeit, dass Boot und Führer früher oder später gefunden werden sehr gross. In diesem Fall laufen die zur Unfallzeit an Bord befindlichen Personen ebenfalls Gefahr, in die Mühlen des Gesetzes zu geraten, obwohl sie für die Tragödie selbst keine Verantwortung tragen. Und auch wenn es sich bei der Bootsbesatzung um eine Familie gehandelt hätte, wäre es unsinnig sich nicht zu stellen. Falls die Bootsinsassen den Unfall tatsächlich nicht bemerkt haben, müssten sie durch die mediale Präsenz des Themas längst darauf aufmerksam geworden sein, da Ort und Zeit des Unfalls sehr genau festgelegt werden können.
Die Beschreibung und die Suche
Stefan F. vermag trotz der hohen Geschwindigkeit und der frontalen Annäherung des unfallverursachenden Schiffes den Bootsführer sehr genau zu beschreiben: 55 bis 65 Jahre, Sonnenbrille, leichte Stirnglatze und weisses T-Shirt. Das Deck sei weiss gewesen, die Sitzkissen ebenfalls, der Rumpf des Bootes alt- oder bordeauxrot, das Boot selbst ein Boesch oder Pedrazzini. Wie ist es möglich, dass bei einer so detaillierten Beschreibung der Kapitän und sein Boot nicht längst ausgemacht werden konnte? Die Polizei hat auf allen drei Seen ermittelt und bisher nichts gefunden. Sie ist den Hinweisen nachgegangen und hat ein verdächtiges Boot speziell überprüft. Doch Fehlanzeige. Der Unfall ist das Thema schlechthin unter den Bootsfahrern am Bielersee. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als dass man den Schuldigen endlich findet. Obwohl alle die Augen und Ohren offen halten, hat niemand etwas gesehen oder gehört. Etliche Bootsfahrer zweifeln unterdessen an der Genauigkeit der Zeugenaussage von Stefan F. Wäre es nämlich kein Luxusboot, dann gäbe es plötzlich Tausende Verdächtige.
Die Zeugen
Nach heutigem Wissensstand hat niemand ausser Stefan F. den Unfall gesehen. Es war Sonntag, bei schönstem Hochsommerwetter gegen 18 Uhr. Auf und am See hatte es viele Menschen. Ein Luxusboot kommt in hohem Tempo in der Nähe der Uferzone angerast, donnert auf ein Gummiboot zu. Die Insassen springen panisch ins Wasser. Die junge Frau wird vom Bootsmotor erfasst und schwer verletzt. Doch niemand hat etwas vom Drama auf dem Bielersee mitbekommen. Stefan F. war nach eigenen Aussagen noch etwa fünf Minuten alleine mit seiner sterbenden Freundin, bevor ihn ein anderes Boot abschleppte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.07.2010, 16:23 Uhr





