Schweiz
Ohne Aschenbecher läuft das Roulette harzig
Von René Lenzin, Lugano. Aktualisiert am 05.02.2009
Jahrelang ging es nur aufwärts. Das Casino von Lugano steigerte seinen Umsatz zwischen 2004 und 2007 um satte 32 Millionen. Im benachbarten Mendrisio reichte es zwar 2007 nicht mehr ganz zum Rekordergebnis des Vorjahres, aber der Bruttoertrag lag immer noch 29 Millionen höher als 2004. Doch nun scheint diese goldene Zeit der Tessiner Spielbanken vorbei zu sein: In Mendrisio sackten die Einnahmen im vergangenen Jahr um 20 Millionen ab, in Lugano gar um 26.
Mendrisio war erstmals seit 2004 nicht mehr das umsatzstärkste der 19 Schweizer Casinos. Es musste Montreux und Baden an sich vorbeiziehen lassen. Für diesen Rückgang machen die Verantwortlichen zum einen den schwächeren Euro verantwortlich, der die Spieleinsätze der italienischen Kundschaft sinken lasse. Den Hauptgrund sehen sie aber im Rauchverbot, das der Kanton Tessin am 1. April 2007 eingeführt hat und das nach einer Übergangsfrist auch die Casinos durchsetzen mussten.
Rauchverbot vertreibt die Spieler
Diese These bestätigte die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK), als sie vergangene Woche die leicht gesunkenen Gesamterträge der Spielbanken bekannt gab: «Dieses Resultat lässt sich durch die aktuelle Wirtschaftslage wie auch durch das in einigen Kantonen eingeführte Rauchverbot erklären», teilte die ESBK mit. Dieselbe Erfahrung mussten die französischen Casinos im vergangenen Jahr machen. Als Folge des Rauchverbots beklagten sie 2008 Umsatzeinbussen von bis zu 25 Prozent. Kurzfristig profitiert davon haben die Westschweizer Spielbanken, vor allem diejenigen von Meyrin. Allerdings dürfte die Freude nur von kurzer Dauer sein, weil das Rauchen auch in ihren Häusern bald nicht mehr erlaubt sein wird.
Auch Detlef Brose, CEO des Badener Casinos, führt den Umsatzrückgang der Tessiner Casinos auf das Rauchverbot zurück. Eine Umfrage habe gezeigt, dass der Raucheranteil unter den Casinokunden höher sei als in der Gesamtbevölkerung. Vorläufig ist Baden noch nicht betroffen, weil der Kanton Aargau noch kein Rauchverbot kennt. Doch auf 2010 werde wohl die bundesweite Regelung in Kraft treten, meint Brose, und darauf gelte es sich vorzubereiten. Konkret prüft Baden als Reaktion drei mögliche Szenarien: ein abgetrenntes Rauchercasino, wie es Lugano realisiert hat, eine Raucherecke oder ein Fumoir ausserhalb des Spielbereiches. Welche Lösung schliesslich realisiert werde, hänge davon ab, wie der Bund die im Gesetz vorgesehene Ausnahmeregelung gestalte, sagt Brose. Umsatzeinbussen seien aber in jedem Fall zu erwarten, ergänzt er, «im schlimmsten Fall rechne ich mit 20 Prozent».
Lugano drohte Konzessionsverlust
Von ähnlichen Zahlen geht Michael Favrod aus, der Geschäftsführer des Grand Casinos von Basel. Das am Rheinknie vorgesehene Rauchverbot ist restriktiver als das Tessiner und lässt nur unbediente Fumoirs zu. Zurzeit kläre er ab, ob ein Saal mit Spielautomaten ohne Service auch darunterfallen könne, sagt Favrod. Diese Frage ist insofern von zentraler Bedeutung, als die Casinos vier Fünftel ihres Umsatzes mit Geldspielautomaten erzielen.
In Lugano haben die Verantwortlichen auf das Rauchverbot reagiert und drei Millionen in einen Raucherbereich investiert. Trotzdem schauen sie nicht allzu zuversichtlich in die Zukunft. Denn nach einem grösseren Betrugsfall im vergangenen Jahr hat die Spielbankenkommission gröbere Mängel in der Organisations- und Sicherheitsstruktur des Casinos festgestellt. Die ESBK habe Lugano gar mit einem Entzug der Konzession gedroht, zitierte die Zeitung «La Regione» aus einem vertraulichen Bericht der Kommission. Inzwischen hat das Casino Massnahmen ergriffen, um der Kritik Rechnung zu tragen. Sollten diese allerdings nicht greifen, könnte das Rauchverbot in Lugano zum geringsten aller Probleme werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.02.2009, 22:11 Uhr
Schweiz
- 06:33Der Widerstand gegen Acta kommt auch in der Schweiz in Fahrt
- 06:30Deutsche Nachbarn wettern gegen das Abkommen im Fluglärmstreit
- 06:24Bund finanziert Kinofilm über Christoph Blocher
- 22:29Schweizer Zückerchen für die Chinesen
- 18:06Kritik an Druck auf Migranten
- 16:44«Bei einem Erdbeben ist ein Hochhaus das sicherste Gebäude»





