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PR-Firma nimmt Bundesrat an der Hand

Im Abstimmungskampf um den biometrischen Pass mischt auch eine PR-Agentur mit wirtschaftlichen Interessen mit. Politologe Claude Longchamp findet das «fragwürdig».

Private Firmen helfen schon lange mit bei eidgenössischen Abstimmungen, etwa der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Was beim Referendum gegen die biometrischen Pässe neu ist: Nicht mehr das Generalsekretariat einer Partei leitet den Abstimmungskampf der Befürworter, sondern erstmals eine PR-Agentur. Dabei organisieren Furrer.Hugi&Partner sogar die Auftritte von Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf.

Seine Agentur verdiene nichts an diesem Abstimmungskampf, sagt Agentur-Mitinhaber Lorenz Furrer, «wir waren einfach die Einzigen, die sich hier engagierten». Sowohl die befürwortenden Parteien wie auch der Bundesrat hätten die Komplexität des Themas unterschätzt. «Niemand hat sich richtig darum gekümmert, und deshalb sind sie kalt erwischt worden.» Den Generalsekretariaten der Parteien fehlten die Mittel und in diesem Fall auch die Kompetenz.

Parteien verlieren Definitionsmacht

Das lässt sich als weiterer Beleg dafür lesen, dass die Parteien immer mehr an politischer Definitionsmacht verlieren. Dass eine PR-Agentur diese Definitionsmacht übernimmt, ist die logische Folge daraus. Der Transfer ist insofern heikel, als zwei Mitglieder der Agentur früher beim Bund arbeiteten und vom Kontaktnetz profitieren, das sie dort geknüpft hatten. Es gehe darum, zusammen mit der Verwaltung und Vertretern der Industrie das Wissen der Schweiz über neue Technologien voranzutreiben, hält Furrer dem entgegen. «Davon profitieren beide Seiten.»

Gerade darin liegt das Problem: Eine PR-Agentur mit wirtschaftlichen Interessen leitet den Abstimmungskampf der Parteien und sogar des Bundesrats. Dieselbe Agentur berät nämlich auch Firmen, die von der Einführung der biometrischen Pässe profitieren würden, darunter verschiedene Softwarefirmen. Dass die Parteien von einer Agentur abgelöst werden, die nicht politische Interessen, sondern Geschäftsinteressen vertritt, stört auch den Berner Politologen Claude Longchamp: «Das scheint mir - bei einer Regierungsvorlage - eine fragwürdige Machtverschiebung zu sein», sagt Longchamp. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2009, 12:12 Uhr

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15 Kommentare

R. Müller

03.05.2009, 09:45 Uhr
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Spiel durchschaut, ist doch bald überall so. Wenn an Stelle gewählte Politiker eine starke Lobby sich durchsetzen will, das ist weltweit so üblich, braucht es doch List der besonderen Art. Wäre es nicht gar als Imageverlust zu bewerten, würde man heute auf Spindoctors verzichten? Nebenbei muss auch Lenkung und Verdrehung gelernt sein. Was mag dies den Steuerzahler wohl kosten? Antworten


Andreas Hugi

27.04.2009, 13:31 Uhr
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@Reto Barandun: Selbstverständlich wird das überparteiliche Pro-Komitee wie üblich aus Spenden und Beiträgen von Verbänden und nicht vom "Bund" finanziert. Das ist ein in der Schweiz ganz normaler und üblicher Prozess, wie es Markus Hächler weiter unten richtig schreibt. Ich verstehe dieses "Aufblähen" einer ganz im üblichen Rahmen ablaufenden Abstimmungskampagne ehrlich gesagt nicht. Antworten


Ronnie König

27.04.2009, 12:57 Uhr
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Der Bundesrat ist sich seines Zinnobers nicht mehr sicher! Darum versucht er es mit ein paar Einpeitschern. Könnte man diesen Schlafmützen mehr trauen, bräuchte es die PR-Leute nicht! Offenbar funktioniert die Schweiz nur bei Schönwetter. Bedenklich! Antworten


René Loepfe

27.04.2009, 11:37 Uhr
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Weshalb die Aufregung? Die Meinungen sind gemacht, die Stimmzettel ausgefüllt. Diesmal profitiert der Souverän vom Schlafmützentum des BR. Ein NEIN ist sicher. Antworten


Reto Barandun

27.04.2009, 11:33 Uhr
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Die Argumente von Hr. Furrer sind gleich glaubwürdig, wie dass er nichts verdient dabei! Es geht aber nicht nur um die Frage wieviel das Beratungsbüro verdient, sondern was bezahlt der Bund (Steuerzahler) an die Kampagne z.B. an die Organisation der Auftritte von Br. Widmer-Schlumpf? Wenn Private eine Agentur verpflichten (miss)brauchen sie dazu keine Steuergelder, da ist ein grosser Unterschied! Antworten


Markus Hächler

27.04.2009, 10:39 Uhr
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Was soll die Aufregung? Wirtschaftspolitisch relevante Abstimmungskampagnen werden spätestens seit den 80er Jahren von privaten PR-Büros organisiert und koordiniert, im Auftrag der jeweiligen Komitees. Klar, dass diese Büros die Interessen ihrer Auftraggeber vertreten. Das ist ihr Job. Wer Volksmehrheiten generieren will, muss die Scheuklappen ablegen. Die Jungparteien machens ja vor. Antworten


Thomi Horath

27.04.2009, 08:47 Uhr
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Wir können uns dagegen aufbäumen so oft wir wollen, der biometrische Pass wird eingeführt. Wir können nichts dagegen tun, denn es muss so geschehen. Es ist die Vorbereitung auf weiteres, dass auch bald eingeführt wird. Antworten


Andreas Hugi

27.04.2009, 08:46 Uhr
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Bei Abstimmungskämpfen für Behördenvorlagen ist es normal, dass befürwortende Branchenverbände (zb Reise/Tourismus) PR-Agenturen für die Leitung eines Pro-Komitees beauftragen. Parallel dazu gibt es in der Regel auch ein polit. Pro-Komitee, das von einem der Generalsekretariate der Bundesratsparteien geführt wird. Dieses polit. Komitee fehlt in diesem Fall. Das ist alles. EIne Story? Wrklich? Antworten


Erika Manser

27.04.2009, 08:35 Uhr
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Ja, lieber Herr Longchamp. Was Sie schon lange koennen, naemlich vom SF monopolmaessig profitieren, soll den anderen nur billig sein. Es ist schon unglaublich, wieviele 'Kommunikationsspezialisten' mittlerweile vom Staat direkt oder indirekt angestellt werden. Nennt man dies auch Realwirtschaft? Antworten


babs widmer

27.04.2009, 08:24 Uhr
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PR-Agentur setzt sich für die bundesrätin ein? diese wiederum hat geschäftliche interesse? das sind mafia-netzwerke und stellt unserer bundesrätin ein sehr schlechtes zeugnis aus. Antworten


Elsa Lüthi

27.04.2009, 08:16 Uhr
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Das ist nicht nur fragwürdig, das ist eine absolut inakzeptable Vorgehensweise. Scheint aber für WS + Co die übliche Machart zu sein. Beim Einsatz von WS für den biometrischen Pass muss man sich deshalb fragen, welche Profite für WS + Co dabei entstehen. Bei Kenntnis der Sachlage betr. biometrischer Pass kann nur ein Nein gestimmt werden. Bundesräte sind Volks- und nicht Geschäftsvertreter. Oder? Antworten


Peter Fürst

27.04.2009, 08:10 Uhr
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Was soll denn daran aussergewöhnlich sein? In einer Mediengesellschaft geht es um Professionalität in der Kommunikation. Auch die Parteien engagieren Agenturen. Bei komplexen Fragen muss man sich intensiv mit dem Thema befassen, um die Botschaften korrekt zu formulieren und herüber zu bringen. Und von was leben die Politologen wie Longchamp denn? Antworten


Roland Moser

27.04.2009, 08:02 Uhr
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Gemäss geltenden Gesetzen darf der BR KEINEN Abstimmungskampf betreiben. Selbst die Abstimmungsempfehlungen auf der Rückseite des Stimmbüchleins sind widerrechtlich. Leider hat sich noch niemand darum gekümmert. Übrigens: In der Schweiz sind die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Regierung! Der BR hat lediglich den Volkswillen auf Bundesebene umzusetzen. Eine eigene Meinung ist dem BR verboten. Antworten


Fredy Boos

27.04.2009, 07:33 Uhr
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Fehlende Kompedenz ? Es fehlt am Weitblick in den Politischen Parteien, sie daumeln von Fettnapf zu Fettnapf. Von Strategie scheint da nicht viel vorhanden zu sein. Antworten


Hans Zumstein

27.04.2009, 07:11 Uhr
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Wenn Longchamp involviert worden wäre und er auch etwas verdienen könnte, wäre wohl seine Kritik unterblieben. Es reicht, wenn er sein linkes Gedankengut jeweils nach Wahlen und Abstimmungen in unserem Staatsfernsehen gegen Bezahlung kundtun darf. . . Antworten



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