Schweiz

Peter Hasler ist «keine Übergangslösung»

Nur einen Tag nach dem Rücktritt von Post-Verwaltungsratspräsident Claude Béglé hat der Bundesrat heute einen Nachfolger ernannt. Das Amt an der Spitze der Schweizer Post übernimmt per sofort Peter Hasler.

Peter Hasler übernimmt: Uvek-Chef Moritz Leuenberger präsentierte heute den Medien den neuen Postpräsidenten.

Peter Hasler übernimmt: Uvek-Chef Moritz Leuenberger präsentierte heute den Medien den neuen Postpräsidenten.
Bild: Keystone

Der frühere Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, Peter Hasler, schaue auf eine langjährige Berufserfahrung an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft zurück, sagt Postminister Moritz Leuenberger vor den Medien. So habe er beispielsweise als Präsident des Spitalrats des Zürcher Universitätsspitals Erfahrungen im Service Public.

«Keine Übergangslösung»

Er kenne Peter Hasler seit langem und teile dessen Ansicht über die Verantwortung der Wirtschaft in unserer Gesellschaft, sagte Leuenberger, der gleichzeitig den Vorwurf zurückwies, der 63-jährige Hasler sei eine Übergangslösung.

Hasler sei für dieses Amt qualifiziert. Der Post- Verwaltungsratspräsident müsse nicht unbedingt über spezielles Vorwissen zur Post verfügen. «Er muss fähig sein, konzeptuell zu denken und einen VR zu leiten», sagte Leuenberger.

Hasler hat eine über 30-jährige Karriere als Arbeitgeberfunktionär hinter sich. Zwischen 1993 und 2006 war der Doktor der Rechte Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Dabei erwarb er sich den Ruf, für die Sozialpartnerschaft einzustehen.

Unter anderem war er auch Vize-Präsident der SUVA und gehörte verschiedenen eidgenössischen Kommissionen an. Zurzeit ist er Mitglied mehrerer Verwaltungsräte oder anderer Führungsgremien. Wegen dem neuen Amt will er als WWF-Stiftungsrat und VR der Sihldruck AG zurücktreten.

Fliegender Wechsel innert zehn Tagen

Den fliegenden Wechsel an der Postspitze hat Bundesrat Moritz Leuenberger Anfang Jahr eingefädelt, nachdem mit Wolfgang Werlé innert zwei Wochen der zweite Verwaltungsrat wegen Differenzen mit Béglé den Rücktritt angekündigt hatte.

Obwohl er Béglé in der Öffentlichkeit noch den Rücken stärkte, informierte Leuenberger Béglé am 7. Januar darüber, dass er einen allfälligen Wechsel vorbereiten lasse. Den ersten Kontakt zu Peter Hasler nahm Leuenberger am 11. Januar auf.

Der Postminister verteidigte dieses Vorgehen: Es sei seine Aufgabe, vorauszusehen, was eintreten könnte. Er dürfe einen amtierenden Verwaltungsratspräsidenten eines bundeseigenen Betriebs aber nicht aufgrund einer orchestrierten Kampagne vorverurteilen. Vor öffentlichen Verurteilungen oder Entscheiden müssten zuerst die Fakten geklärt werden.

Dazu habe er eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese sei letzte Woche zum Schluss gekommen, dass Béglé auch im Verwaltungsrat nicht mehr über den nötigen Rückhalt verfügt habe. Er habe deshalb Béglé am Dienstag darüber orientiert, dass er dem Bundesrat einen Wechsel an der Post-Spitze beantrage. Gleichzeitig habe er Béglé die Gelegenheit gegeben, selber zurückzutreten.

Vorläufig kein Kommentar zur Strategie

Peter Hasler bedankte sich beim Bundesrat für das Vertrauen. Das Amt sei eine grosse Ehre, sagte er. Er habe auch ein sehr gutes Gefühl. Denn: «Die Post hat keinerlei Anzeichen von Schwierigkeiten.»

Die Post könne auf hervorragende Mitarbeitende zählen. Sein oberstes Ziel sei nun, dass wieder Ruhe einkehre. Bis zur Bilanzmedienkonferenz vom 24. März will er sich zur Post-Strategie in der Öffentlichkeit nicht äussern. Die Ziele seien vom Bundesrat klar festgelegt. In diesem Rahmen werde er sich bewegen.

Dass Hasler nicht die gleiche Evaluation durchlaufen musste wie Béglé, begründete Leuenberger mit dem Umstand, dass ihm Hasler persönlich bekannt sei, Béglé in den Jahren vor der Wahl aber vor allem im Ausland tätig und hierzulande unbekannt gewesen sei.

Im Übrigen verteidigte Leuenberger Béglés Ernennung, für die er die «volle politische Verantwortung» trage. Die Wahl von Spitzenleuten sei verantwortungsvoll und nicht einfach, sagte Leuenberger. Er habe in seiner Karriere bereits über 20 Top-Führungsfunktionen besetzen müssen. Nun sei es in diesem Fall schief gegangen. Dies geschehe auch in der Privatwirtschaft. (bru/sda/)

Erstellt: 21.01.2010, 09:55 Uhr

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