Piloten wollen Gripen abschiessen

SVP-Politiker befürworten den Kampfjet-Entscheid des Bundesrats. Doch zwei Luftwaffen-Experten lehnen sich dagegen auf.

Sie bekämpfen den Entscheid für den schwedischen Flugzeugtyp Gripen mit Inbrunst: Die SVP-Piloten Thomas Hurter (links) und Roland Borer.

Sie bekämpfen den Entscheid für den schwedischen Flugzeugtyp Gripen mit Inbrunst: Die SVP-Piloten Thomas Hurter (links) und Roland Borer. Bild: Keystone

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Als VBS-Vorsteher Ueli Maurer gestern den Entscheid für den schwedischen Flugzeugtyp begründete, der in den Augen des Bundesrats für die Schweizer Armee «hervorragend geeignet» ist, folgte die Kritik postwendend – von Maurers Parteikollegen. Um zu wissen, welcher Flieger der günstigste sei, hätte man keine teure Evaluation machen müssen, sagte der Schaffhauser Nationalrat Thomas Hurter. Roland Borer (Solothurn) gibt dem Typentscheid im Parlament keine Chance, wie er gestern sagte.

Die SVP, normalerweise auf eine rigide Sparpolitik bedacht, ist bei der Armee generell grosszügiger. Doch diesmal scheint der Grund für den Kampf gegen das günstigste Flugzeug woanders zu liegen: Hurter und Borer sind Piloten, Hurter war früher Luftwaffenpilot, heute arbeitet er bei der Swiss. Borer fliegt seit Jahren nicht mehr, wie er sagt. Er bezeichnet sich aber als Technikfreak, der einen grossen Teil seiner Freizeit auf Flugplätzen in allen möglichen Ländern verbracht habe. Andere SVP-Sicherheitspolitiker, die sich ansonsten für eine grössere Armee einsetzen, befürworten dagegen den Bundesratsentscheid. So sagen Bruno Zuppiger, Toni Bortoluzzi und Christian Miesch auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, sie könnten mit dem Gripen gut leben.

«Hightech ist ihnen wichtiger als der Preis»

Es zeichnet sich ab, dass Hurter und Borer in der SVP eine Minderheitsposition einnehmen. Christian Miesch sagt: «Es ist klar, Hurter und Borer sind Piloten. Die Piloten wollen immer das Beste. Der Gripen ist gut für die Schweiz, er genügt vollauf.» Bortoluzzi sagt: «Für die Piloten ist der Hightech-Standard womöglich wichtiger als der Preis. Ich halte den Mehrwert der beiden anderen Typen aber nicht für so gross, dass sich der höhere Preis lohnen würde.» Laut Zuppiger hatten die Fliegerfreunde unter den Politikern wohl vorher schon «eine Präferenz im Herzen», sie hätten sich womöglich auf die De-luxe-Variante gefreut. Damit sei die vehemente Reaktion zu erklären.

Hurter und Borer dementieren. «Die Freude an der Technik mag für gewisse Leute eine Rolle spielen, aber sicher nicht für mich. Ich werde kaum mehr in so einem Flugzeug sitzen.» Und Borer sagt: «Bei Logistikproblemen in der Verkehrsinfrastruktur frage ich Ueli Giezendanner, weil er sich dort auskennt. Mit dieser Hightech-Thematik haben die meisten Parlamentarier wenig am Hut.» Sie sollten sich deshalb auf den Rat der Piloten verlassen, meint Borer.

«Bessere und schlechtere Evaluationsberichte?»

Der Bundesrat begründe seinen Entscheid bislang nur mit dem Preis, sagt Hurter. Dass ein Flugzeug mit einem Triebwerk günstiger sei als eines mit zwei Triebwerken, wisse aber jedes Schulkind, «dafür hätte man nicht acht Millionen Franken für die Evaluation ausgeben müssen». Doch ist der Preis nicht Grund genug für einen Typentscheid? Oder anders gefragt: Hauptsache teuer? «Doch, der Preis ist sicher kein schlechter Grund, die Flugzeuge müssen finanzierbar sein,» sagt Hurter. Aber solange die Begründung des Bundesrats nur auf den Preis abstützt, kann ich dem nicht zustimmen.»

Roland Borer stellt die technischen Voraussetzungen des Gripen infrage. In den Evaluationsberichten sei der Flugzeugtyp hinter der F/A-18 zurückgeblieben, sagt er. Maurer hatte diesen Einwand während der gestrigen Pressekonferenz so beantwortet: «Mit diesen Teilberichten haben sie nicht die Filetstücke der Evaluation erwischt.» Insgesamt genüge der Gripen den Anforderungen. «Da staune ich», kontert Borer. «Es gibt also bessere und schlechtere Evaluationsberichte?» Er kenne Leute aus dem innersten Zirkel des VBS, die ihm sagen, «dass gewisse Dinge nicht richtig laufen».

Transparenz gefordert

Beide, Hurter und Borer, bemängeln zudem, dass der Gripen erst auf dem Papier bestehe. «Die VBS-Spitze hat an den neuen Flieger stets die Anforderung gestellt, dass er im Herkunftsland im Einsatz sei. Jetzt sagt der Bundesrat, der Gripen werde zum Zeitpunkt der Bestellung im Einsatz sein. Und das soll ich glauben? Diese Spiele kennen wir», sagt Borer. Einen Flieger, der heute erst auf dem Papier existiere und in vier Jahren schon ausgeliefert werde, den müsse man ihm zuerst zeigen. «Das wäre eine Wahnsinnsleistung.» Der Preis sei ein Argument, sagt Borer. «Aber dann würde man besser 12 bis 15 Eurofighter kaufen, weniger Flugzeuge, aber die besseren.»

«Der Bundesrat müsse jetzt Transparenz schaffen, die Sicherheitskommission muss Einsicht in alle Evaluationsberichte haben», fordert Borer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.12.2011, 13:01 Uhr

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