Schweiz

Polizei ermittelt gegen SP-Vize Cédric Wermuth

Von Patrick Kühnis. Aktualisiert am 06.05.2009 2 Kommentare

Wegen der Hotelbesetzung in Baden droht Cédric Wermuth jetzt ein Strafverfahren. Auch SP-Chef Christian Levrat findet, sein Vize sei zu weit gegangen.

Zu weit gegangen: Die Hotelbesetzung hat für SP-Vize Cédric Wermuth ein rechtliches Nachspiel. (Bild: key)

Zu weit gegangen: Die Hotelbesetzung hat für SP-Vize Cédric Wermuth ein rechtliches Nachspiel. (Bild: key)

Die Besetzung im Bäderquartier hat für den Vizepräsidenten der SP Schweiz, Cédric Wermuth, und andere Juso-Aktivisten ein Nachspiel. Nach ihrer Aktion in Baden, die völlig aus dem Ruder lief, hat die Grundeigentümerin Strafanzeige eingereicht – wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl. Die Kantonspolizei Aargau ermittelt seither nicht nur gegen die unbekannten Täter, die am frühen Sonntagmorgen im Hotel gewütet und Lebensmittel gestohlen haben. Ins Visier nimmt sie auch Wermuth und seine Mitstreiter, die zuvor in den Hotels Bären und Verenahof mit über 70 Personen eine Protestparty gefeiert haben. «Die Urheber dieser Aktion sind unerlaubt in Gebäude eingedrungen. Wir werden sie deshalb zu den Vorfällen befragen», bestätigt ein Polizeisprecher. Wer für eine oder mehrere Straftaten verantwortlich sei, müsse mit einer Verzeigung beim Bezirksamt rechnen.

Christine Zehnder von der Verenahof AG fände es nichts als recht, wenn sich der Juso-Chef vor dem Untersuchungsrichter für den Hausfriedensbruch verantworten müsste. Gerade ein Politiker sollte wissen, was legal und was illegal sei, findet die Vertreterin der Grundeigentümer. «Uns wurde Schaden zugefügt. Dafür soll der Urheber der Aktion geradestehen.» Noch schärfere Töne kommen vom politischen Gegner: «Wermuth gehört vor den Richter und nicht in den Grossen Rat», liess die Aargauer FDP gestern verlauten. Der 22-Jährige denkt aber nicht daran, seine Kandidatur für die Wahl zurückzuziehen.

Levrat: «Das war ein Unfall»

Dass der SP-Vize eine Straftat in Kauf nahm, um politisch zu punkten, kommt auch bei Parteipräsident Christian Levrat nicht gut an: «In Baden ist ein Unfall passiert – und Cédric Wermuth hat inzwischen eingesehen, dass die Aktion ein Fehler war.» Hausbesetzungen seien der falsche Weg, um auf das Problem der Wohnungsnot aufmerksam zu machen. Der Vorfall werde darum im SP-Präsidium besprochen. «Als Gewerkschafter weiss ich, dass gerade spontane Aktionen gut abgesichert sein müssen», sagt Levrat. Die Juso habe mehrmals mit witzigen und gelungenen Aktionen wie der UBS-Sitzblockade für Aufsehen gesorgt. «Diesmal ging sie aber etwas naiv zur Sache.» 100'000 Franken pro Jahr überweist die SP ihrer Tochterpartei. Levrat: «Ich hoffe, dass sie das Geld nicht in solche Aktionen, sondern in ihre erfolgreiche politische Arbeit investiert, mit der wir sehr zufrieden sind.»

Rückendeckung erhält der Hausbesetzer dagegen von der Winterthurer Vizepräsidentin der SP Schweiz, Jacqueline Fehr. Man habe gewusst, dass man mit Wermuth keinen «Braven» ins Vizepräsidium wähle, sagt die Nationalrätin. «Die Juso ist eine Jungpartei, die auf sich aufmerksam zu machen weiss. Und das ist gut so. Wir wollen eine Juso, die provoziert.» Dass dabei auch Fehler gemacht würden, sei normal. 22-Jährige müssten nicht gleich politisieren wie 60-Jährige. Fehr rät, «cool zu bleiben». «Wenn ein leeres Hotel besetzt wird, um auf den Mangel an günstigen Wohnungen hinzuweisen, gerät damit die Gesellschaft nicht aus den Fugen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2009, 10:22 Uhr

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2 Kommentare

Markus Müller

06.05.2009, 10:50 Uhr
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Na ja liebe Frau Fehr: Wenn es aber darum geht, Schweizer Väter in Sorge- und Umgangsrechtsfragen fahrlässig zu kriminalisieren und vorzuverurteilen, dann sind nicht selten Ihre Genossen und GenossInnen an vorderster Front mit dabei. Aufgrund Ihrer Aussage zum obigen Fall müsste es für Sie auch "normal sein", dass auch Väter Fehler machen und nicht immer ganz perfekt sind. Antworten


Peter H. Kuhn

16.06.2009, 19:22 Uhr
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Gut so! Dieser Mann gehört zur Rechenschaft gezogen. Ein SP Vize, der solches zulässt oder sogar noch unterstützt, gibt mehr als zu denken. Antworten



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