Schweiz
«Prämien in den Billigkassen müssen deutlich steigen»
Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 22.05.2009
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Herr Conti, Sie wollen den Billigkassen zu Leibe rücken. Wieso?
Die Billigkassen leben von der Jagd auf gute Risiken und bringen dadurch eine unglaubliche Verzerrung in den Markt. Es kann doch nicht sein, dass der Prämienunterschied zwischen der billigsten und der teuersten Kasse in Basel beispielsweise 160 Franken im Monat ausmacht – bei den gleichen gesetzlich definierten Leistungen.
Das ist doch für den Versicherten gut, er hat ja die Wahlfreiheit.
Die Rechnung geht eben nicht auf. Viele Kassen haben wegen zu tiefer Prämien zu wenig Geld eingenommen. Nun sagen die Kassen selber, es bestehe Nachholbedarf. Das ist mit ein Grund, weshalb im Herbst Prämienerhöhungen von rund 10 Prozent anstehen.
Wenn Sie sagen, die Einnahmen seien zu tief, müssten die Kassen doch von selber ihr Geschäftsmodell überdenken.
Die Billigkassen lassen sich vermutlich von den Mutterhäusern quersubventionieren. Sie nutzen hier geschickt die Möglichkeiten, die ihnen das Gesetz offensichtlich lässt. Im Sinne der Erfinder ist dies freilich nicht. Denn die Solidarität wird ausgehöhlt, wenn die Gesunden zu wenig Prämien zahlen.
Wollen Sie denn Einheitsprämien?
Nein, es soll und darf unter den Kassen Wettbewerb geben, aber nicht in diesem Ausmass. Darum müsste man wohl eine Bandbreite festlegen, in der sich die Prämien zu bewegen hätten. Oder aber man verbessert den Risikoausgleich zwischen den Kassen so, dass Versicherer mit vielen gesunden Kunden deutlich mehr in den Ausgleichstopf einzahlen als heute. Dann würde der Prämienunterschied quasi automatisch ausgeglichen.
Was erwarten Sie beim Treffen vom Montag nun vom Bund?
Ich erwarte, dass der Bund bei der anstehenden Prämienrunde dieses Problem berücksichtigt und eingreift. Die Quersubventionierung sollte langfristig verboten werden, kurzfristig müssen die Prämien in den Billigkassen deutlich steigen. Auch innerhalb der Kantone müssen die kalkulatorischen Reserven ausgeglichen werden, damit nicht Kantone mit hohen Reserven wie Basel, Zürich oder Waadt Kantone mit einem tiefen Niveau subventionieren.
Nach Ihrer Forderung müssten viele Junge Prämienerhöhungen von weit über 10 Prozent in Kauf nehmen.
Dafür bleibt umgekehrt die durchschnittliche Prämienerhöhung tiefer. Für die Kunden der Billigkassen sind die Prämien in der Vergangenheit zu wenig stark gestiegen. Insofern haben sie bisher überproportional profitiert. Allenfalls könnte man den Ausgleich über mehrere Jahre herbeiführen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.05.2009, 21:24 Uhr
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