Preisüberwacher greift abkassierende Prämienrechner an
Bevorzugt einen unabhängigen Vergleich: Preisüberwacher Stefan Meierhans.
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«Ein Vergleich ist leicht»
Gemäss einer Studie will jeder fünfte Schweizer im Hinblick auf die Prämienerhöhung 2010 die Krankenkasse wechseln. Prämienvergleiche sind darum angesagter denn je. Bemerkenswert: Der Vergleichsdienst Comparis selbst hat die Studie in Auftrag gegeben. Konsumentenschützer sind angesichts der aus dem Boden spriessenden Prämienvergleiche skeptisch: «Es wird der Eindruck vermittelt, ein Vergleich der Krankenkasse sei schwierig. Dabei stimmt das – zumindest bei der Grundversicherung – ganz und gar nicht», sagt Sara Stalder vom Schweizer Konsumentenschutz.
2010 erhöhen die Krankenkassen ihre Prämien. Ein Grund für viele Schweizer, nochmals über die Bücher zu gehen und allenfalls die Kasse zu wechseln. Gemäss einer Studie liebäugelt jeder fünfte Versicherte mit einem Kassen-Wechsel. Der Kampf um die Versicherten hat denn auch längst begonnen. Immerhin geht es um jede Menge Geld. «Dieser Wettbewerb kostet uns 200 bis 300 Millionen Franken im Jahr», kritisiert denn auch Suva-Präsident Franz Steinegger im «Tages-Anzeiger».
Aber nicht nur für die Kassen, auch für Vergleichsdienste wie Comparis winkt das grosse Geschäft. Comparis bietet auf seiner Internetplattform einen Prämienvergleich an und vermittelt zwischen dem Versicherten und seiner Wunsch-Krankenkasse. Für jede online angeforderte Offerte, erhält Comparis von den Krankenkassen darum 30 bis 45 Franken. Ähnlich verfahren andere Vergleichsdienste; so auch der Prämienvergleichsservice, der auf Tagesanzeiger.ch/Newsnetz angeboten wird. Bei 1,3 Millionen Wackel-Versicherten könnte das maximal ein Geschäft von 58,5 Millionen Franken bedeuten. Kein Wunder, rührt Comparis für den Prämienvergleich munter die Werbetrommel.
Prinzipiell eine gute Sache
Doch nicht alle freuen sich über diesen Service. Zumal die Vermittlungskosten endlich wieder auf den Versicherten zurückfallen. Er werde zwar von einem Prämienvergleich Gebrauch machen, schreibt darum der Schweizer Preisüberwacher Stefan Meierhans in seinem Blog. «Allerdings werde ich eine Vergleichssite aufsuchen, die nicht von den Krankenkassen mitfinanziert wird. Verschiedene Prämienrechner kassieren nämlich pro angeforderter Offerte eine Provision.»
Laut Beat Niederhauser, Geschäftsführer der Preisüberwachung, wolle man vor allem darauf hinweisen, dass es auch andere Prämienvergleiche gebe, die ohne Vermittlungshonorare zustande kommen. «Wir können Vermittlerhonorare nicht verbieten. Es ist eine legitime Methode, um Kunden anzuwerben», sagt er. «Darüber hinaus stellen Prämienvergleiche Transparenz her und sind daher eine gute Sache.»
Fakt ist: Comparis steht wegen seinen Methoden schon länger in der Kritik. Denn auf einen Deal mit dem Kundenvermittler kann kaum eine Kasse verzichten. «Comparis ist wohl der meistgenutzte und bekannteste Vergleichsdienst der Schweiz und verzeichnet einen sehr hohen Marktanteil», sagt Niederhauser. Zu untersuchen, ob Comparis seine Marktposition ausnutze, liege jedoch in der Kompetenz der Wettbewerbskommission und nicht der Preisüberwachung.
«Ein Riesengeschäft»
Dezidierter drückt sich der Schweizer Konsumentenschutz aus: «Für Comparis und andere Vergleichsdienste ist das ein Riesengeschäft», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Diese Vermittlerhonorare gehen zulasten der Versicherungsgesellschaften und so auch der Versicherten.» Dabei brauche es bei der Grundversicherung gar keine Offerte. Es reiche ein reiner Preisvergleich.
Als Alternative haben die Konsumentenorganisationen einen eigenen Kassen-Vergleich aufgeschaltet – ohne Vermittlungshonorare natürlich. «Das ist unser Beitrag, die Gesundheitskosten einzuschränken», sagt Stalder.
«Der Vergleich ist für alle gratis – auch für die Krankenkassen», wehrt sich Richard Eisler, Geschäftsführer von Comparis. Erst mit einer angeforderten Offerte komme ein Deal mit der Kasse zustande. «Das kann man mit einem Zeitungsinserat vergleichen: Der Vergleich entspricht dem redaktionellen Teil, die Offerte einem Inserat.»
Rege Nutzer des Prämienvergleichs bei Comparis seien oft die Krankenkassen selbst. «Und die schauen peinlich genau, dass alles stimmt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
Erstellt: 02.11.2009, 13:50 Uhr
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