«Pro Person und Woche mindestens 14 Liter Wasser»

Politikwissenschafter Maik Poetzsch hat für den Deutschen Bundestag die Folgen eines gravierenden Stromausfalls untersucht. Er hält die Wasservorräte von Armeechef André Blattmann für klug.

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Herr Poetzsch, der Schweizer Armeechef André Blattmann hat für den Fall eines Blackouts Feuerholz und rund 300 Liter Mineralwasser im Keller. Jetzt lacht die ganze Schweiz über ihn. Zu Recht?
Keineswegs. Bei uns in Deutschland empfiehlt das zwar nicht der Armeechef, sondern eine Bundesbehörde. Aber die Empfehlung des deutschen Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist im Wesentlichen dieselbe. Man sollte pro Person und Woche mindestens 14 Liter Wasser vorrätig haben.

Sie haben eine 250-seitige Studie über die Folgen eines flächendeckenden und langfristigen Stromausfalls mitverfasst. Die Studie beschreibt ein regelrechtes Horrorszenario, wie innert Kürze die gesamte Gesellschaft kollabieren würde. Leben Sie in Angst, das könnte eintreffen?
Nein. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Katastrophe in diesem Ausmass ereignet, ist tatsächlich sehr gering, die meisten Stromausfälle sind innert Minuten behoben. Aber wenn es zu einem solchen Vorfall käme, dann wären die Konsequenzen sehr gravierend.

Haben Sie selbst Notvorräte angelegt?
Nein, meine Lebensumstände lassen das kaum zu. Man braucht dafür Platz, und es ist recht aufwendig. Man muss die Vorräte stets erneuern, selbst Wasser ist nur beschränkt haltbar.

Ist es jemals zu einem Blackout gekommen, wie ihn Herr Blattmann befürchtet?
Einer der grössten Stromausfälle in der Geschichte der Bundesrepublik ereignete sich im Jahr 2005. In Münsterland waren 250'000 Menschen bis zu sieben Tage ohne Strom. Allerdings war das Gebiet so klein, dass man es ohne Probleme verlassen oder von aussen Hilfe leisten konnte. Anders sah es 2003 in Nordamerika aus. Damals brach das gesamte Stromnetz an der Ostküste und in Teilen Kanadas zusammen, rund 50 Millionen Menschen waren bis zu drei Tage davon betroffen.

Armeechef Blattmann bezieht sich bei seinen Äusserungen auf den Roman «Blackout» von Marc Elsberg. Abgesehen davon, dass es schon sehr bizarr ist, wenn ein Armeechef die Bedrohungslage eines Landes durch einen Science-Fiction-Roman erörtert: Wie realistisch ist es, dass das Stromnetz mit einer Cyberattacke lahmgelegt werden könnte?
Das Buch ist eine Science-Fiction. Dass sich Herr Blattmann darauf bezieht, macht die Häme etwas nachvollziehbarer. Allerdings decken sich die Schilderungen in Elsbergs Buch weitgehend mit dem Szenario, das wir im Bericht beschrieben haben. Die Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern erfolgt heute durch ein eng verflochtenes Netzwerk. Wie verwundbar dieses ist, hat der Computerwurm Stuxnet gezeigt. Dieser machte auch deutlich, dass Cyberangriffe heute kein unrealistisches Szenario mehr sind.

Das klingt sehr nach Panikmache. Praktisch alle Schweizer Tageszeitungen haben die Äusserungen Blattmanns aufgenommen, selbst «Spiegel online» macht sich über die Notvorräte lustig. Sind sie einfach alle naiv?
Man spricht dabei vom Verletzlichkeitsparadox. Wo lange nichts passiert, hält man es für unrealistisch, dass etwas passieren könnte. Dadurch wirken sich Störungen umso stärker aus. Dass man Häme über jemanden ergiesst, der auf solche Gefahren aufmerksam macht, passt ganz gut zusammen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 14.04.2014, 15:34 Uhr)

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