Proteste wegen neuer Postgebühren

Die Post kassiert neu eine jährliche Gebühr auf die Vollmachten für das Abholen von Sendungen. Damit löst der Monopolist bei seinen Kunden einen Sturm der Entrüstung aus.

36 Franken bezahlt, wer am Postschalter eine Vollmacht hinterlegt: Eine Filiale der Schweizerischen Post.

36 Franken bezahlt, wer am Postschalter eine Vollmacht hinterlegt: Eine Filiale der Schweizerischen Post. Bild: Keystone

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Wer nicht die Zeit findet, seine eingeschriebenen Briefe und Pakete am Schalter abzuholen, kann dazu auch seinen Partner oder Bekannte ermächtigen. Schweizweit sind an Poststellen insgesamt fast 1 Million solcher Vollmachten hinterlegt – nicht zuletzt, weil diese Dienstleistung bislang kostenlos war.

Damit ist jetzt Schluss. Wie die Post ihren Kunden in diesen Tagen in einem Schreiben mitteilt, wird künftig zur Kasse gebeten, wer seine Vollmacht aufrechterhalten will. Eine jährliche Gebühr von 36 Franken fällt an, wenn die Vollmacht am Schalter hinterlegt wird. Wer das Formular im Internet ausfüllt, dem stellt der Staatsbetrieb neu 24 Franken in Rechnung. Hintergrund der Gebühr ist, dass die Post bei ihr hinterlegte Vollmachten neu elektronisch erfasst und diese fortan zentral verwaltet.

Womit die Post nicht gerechnet haben dürfte: Der Protest gegen diese neuen Gebühren schwillt an – und wird für den Konzern mehr und mehr zum Problem. So überschwemmen erzürnte Postkunden dieser Tage die Konsumentenorganisationen mit Beschwerdebriefen. Auch im «Tages-Anzeiger» verschaffen empörte Leser ihrem Ärger Luft: «Dieser neuste Coup der Post ist schlichte Abzockerei», schreibt eine Leserin. In einem anderen Leserbrief ist von der «nimmersatten Post» die Rede.

Kritik vom Preisüberwacher

Auch die Konsumentenschützer wehren sich gegen die neue Tarifpolitik des Monopolisten. «Dass der Kunde für eine Vollmacht 24 Franken bezahlen muss, wenn er selber seine Daten im Internet verwaltet, ist unverständlich», sagt André Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz. Schliesslich handle es sich dabei um eine Auslagerung von Arbeit an die Kunden.

Deutlicher wird Mathieu Fleury von der Westschweizer Konsumentenorganisation FRC: Die Verrechnung für die erstmalige Ausstellung der Vollmacht lasse sich ansatzweise noch rechtfertigen. «Skandalös» sei aber, dass die Post in Form eines Abonnements jedes Jahr Geld für die Dienstleistung verlange. Und das, obwohl die Daten in aller Regel nicht verändert würden. «Von der neuen Gebühr sind zudem in grosser Zahl Menschen betroffen, die isoliert oder in Randregionen leben», sagt Fleury.

Die Allianz der Konsumentenorganisationen will nächste Woche das Gespräch mit Post-Chef Jürg Bucher suchen. Sie fordert ihn auf, die neuen Vollmachttarife rückgängig zu machen.

Keine Anzeichen für Missbrauch

Auch Preisüberwacher Stefan Meierhans kritisiert, dass die Post so hohe Gebühren für die Vollmachten verlange. Er sieht jedoch kaum Chancen, auf formellem Weg eine Tarifsenkung zu erreichen. Meierhans hatte im Februar von der Post zusätzliche Informationen verlangt, nachdem diese Gebührenerhöhungen bei diversen Dienstleistungen bekannt gegeben hatte. So etwa für das Nachsenden oder Zurückbehalten von Sendungen.

Nach Einsicht in die Kalkulation des Konzerns habe er indes keine Anzeichen für einen Missbrauch erkannt, sagt Meierhans. Da ihn zahlreiche Beschwerden von Postkunden erreichen, dürfte er in den nächsten Tagen trotzdem das Gespräch mit der Post-Führung suchen.

«Mehr Flexibilität und Sicherheit»

Die Post selbst führt gemäss Sprecher Mariano Masserini die Kostenpflicht für die Vollmachten ein, weil die Dienstleistung defizitär ist. Die Umstellung auf ein elektronisches Zentralregister verursache erhebliche Kosten, da alle Vollmachten digital erfasst werden müssten. Auch sei deren Verwaltung teuer.

Der Kunde profitiere künftig von mehr Flexibilität und Sicherheit, da die Vollmacht nicht nur bei einer Poststelle gültig sei, sondern an jedem Postschalter und auch im Internet. Masserini schätzt, dass 30 bis 40 Prozent der heute ausgestellten Vollmachten nach Einführung der Kostenpflicht nicht mehr erneuert werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2012, 13:16 Uhr

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