Schweiz

Rätselhafter Boom von Ritalin: Politiker fordern Untersuchung

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 24.02.2009 78 Kommentare

Der Absatz von Ritalin-Präparaten hat sich in einem Jahrzehnt verachtfacht. Nun wollen Politiker wissen, warum.

Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom – oft «Zappelphillippe» genannt – werden mit Ritalin und verwandten Produkten behandelt.

Sabina Bobst

Der Boom der drei Medikamente Ritalin, Concerta und Medikinet ist in der Schweiz ungebrochen. 2008 wurde ein Fünftel mehr Packungen der Mittel verkauft, die gegen das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden, als ein Jahr zuvor. Damit hat sich der Schweizer Ritalin-Markt innerhalb eines Jahrzehnts verachtfacht.

Die Schweizerische Heilmittelkontrolle Swissmedic geht davon aus, dass der Markt für diese starken Stimulanzien auch in Zukunft ungebrochen wachsen wird. Ihre Wirkung ist mit derjenigen von Amphetaminen zu vergleichen. Unklar bleibt, an wen und in welcher Menge die Medikamente abgegeben werden. Kritiker vermuten, dass Ärzte und Psychologen die Medikamente vermehrt auch Erwachsenen verschreiben. «Dafür haben wir keine Anzeichen», heisst es bei der grössten Schweizer Krankenversicherung, Helsana, die Verschreibungen an Erwachsene im Einzelfall prüfen muss.

Besorgte Politiker gehen deshalb davon aus, dass das Wachstum dieses Marktes in erster Linie auf der lockeren Verschreibungspraxis in der Kinder- und Jugendpsychiatrie beruht. Der Kanton Zürich untersucht gegenwärtig die Verschreibungszahlen an den Volksschulen. Nun gibt es auch auf nationaler Ebene Bestrebungen, detaillierte Daten darüber zu erheben, an wen die meldepflichtigen Medikamente abgegeben werden. «Die Pharmamultis operieren in einem geschützten Markt und verkaufen immer mehr dieser Medikamente. Damit tragen sie erheblich zu den steigenden Gesundheitskosten bei», sagt FDP-Nationalrat Otto Ineichen.

Die Gegner der medikamentösen ADHS-Behandlung misstrauen insbesondere den Kinderärzten. Im Internet publizieren sie deren Verbindungen zu den drei Herstellerfirmen Novartis, Janssen-Cilag und Salmon Pharma. Zahlreiche Ärzte legen ihre Verbindungen zu diesen Firmen freiwillig offen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.02.2009, 23:38 Uhr

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78 Kommentare

Beat Keller

25.02.2009, 07:51 Uhr
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Leider ist in weiten Teilen der Bevölkerung bekannt, dass Methylphenidat, aslo der Wirkstoff von Ritalin und ähnlichen Präparaten auch bei Erwachsenen Personen, welche nicht unter ADHS leiden, zu grossem Stressabbau führen kann. Ritalin ist demnach in Prüfungssituationen und bei Stress-Situationen im Beruf ein probates Mittel um sich chemisch zu konditionieren. Hier muss auch nachgeforscht werden Antworten


Andreas Schnyder

25.02.2009, 08:26 Uhr
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Den kleinen wird Ritalin verschrieben den grossen Antidepressiva und andere Leistungssteigernde Produkte. Es kommt mir vor als wären die Pharmakonzerne die legalen Drogenhändler unserer Zeit, die schon Kinder abhängig machen wollen. Aber was will man in einer Gesellschaft in der nur Leistung zählt und einer Schule mit einer PISA Studie im Nacken? Also noch mehr Leistung, koste es auch die Kindheit Antworten



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