Rappaz hat ein starkes Druckmittel: Seinen Tod
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Der Mann gibt einfach nie auf, scheint gewillt, bis zum Letzten zu gehen – bis zu seinem selbst gewählten Hungertod: Bernard Rappaz, Walliser Hanfbauer, im Oktober 2008 wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz und anderem zu einer Gefängnisstrafe von 5 Jahren und 8 Monaten verurteilt. Er deckt die Walliser Regierung weiter mit Forderungen ein, seine Strafe auszusetzen.
Wegen seines neuerlichen Hungerstreiks ist der 57-jährige Rappaz derzeit in der Gefangenenabteilung des Genfer Universitätsspitals. Einem Journalisten des Westschweizer Fernsehens, der ihn besuchen konnte, hat Rappaz nun erklärt, er fühle, dass es mit ihm zu Ende gehe. Er wisse, ihm bleibe nicht mehr viel Zeit. «Morgens, wenn ich erwache, sehe ich mich über mir, und es braucht lange, bis ich wieder heruntersteige.»
Überall Schmerzen
Er habe überall Schmerzen, leide unter Ohrensausen, die Knochen täten weh, und er habe keine Muskelmasse mehr. Das hindert ihn allerdings nicht daran, seinen Hungerstreik weiterzuführen. «Ich gehe bis zum Ende.»
Am Mittwoch hatte Esther Waeber-Kalbermatten, die Chefin des Walliser Sicherheitsdepartements, ein Gesuch um einen weiteren Haftunterbruch abgelehnt. «Rappaz hatte seine Chancen, eine weitere bekommt er nicht», sagt Waeber-Kalbermatten. Die Staatsrätin spielt damit auf zwei Haftunterbrüche an, die man Rappaz früher bereits gewährt hatte. Der zweite für die Dauer von 15 Tagen datiert vom 7. Mai dieses Jahres, damit Rappaz sich von den Strapazen seines Hungerstreiks hätte erholen sollen. Kaum war der Hanfbauer jedoch frei, verkündete er, er fühle sich gut – so gut, dass er daheim gleich wieder den Traktor bestieg.
Es reicht, den Streik abzubrechen
SP-Frau Waeber-Kalbermatten, wegen des gewährten Urlaubs ohnehin politisch unter Druck, wurde von Rappaz regelrecht vorgeführt. Am Mittwoch nun reagierte sie entsprechend unbeeindruckt: «Wenn Bernard Rappaz sein Leben nicht aufs Spiel setzen will, reicht es, wenn er seinen Hungerstreik abbricht oder zumindest medizinische Massnahmen zulässt», heisst es in einem Communiqué.
Bernard Rappaz wiederum schlägt der Walliser Regierung einen «Deal» vor: Seine Strafe solle sistiert werden, bis der Grosse Rat über sein Begnadigungsgesuch beraten habe. Das dürfte im November der Fall sein.
Keine Bereitschaft einzulenken
Die Polizeidirektorin zeigt aber auch diesbezüglich keine Bereitschaft, in Rappaz’ Fall nochmals einzulenken. Zum Gesundheitszustand des Häftlings äussere man sich grundsätzlich nicht, sagt Waeber-Kalbermatten auf Anfrage. «Und im Übrigen gilt noch immer der Wortlaut unseres Communiqués.»
Es bleibt die Frage, ob die Walliser Regierung es diesmal tatsächlich darauf ankommen lässt, Rappaz sterben zu lassen, der sich selber zum Hanf-Märtyrer stilisiert. «Ich will nicht sterben, ich liebe das Leben.» Die Regierung habe ihn bis jetzt nie sterben lassen. «Ich habe Vertrauen in sie.» Ihn sterben zu lassen, könne sich die Regierung gar nicht leisten, glaubt Rappaz.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.06.2010, 06:59 Uhr





