Schweiz
Rechtsextreme Pnos narrt alle
Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 09.03.2009 12 Kommentare
Die Angst vor der Pnos-Demonstration, welche die Behörden schliesslich nur als Platzkundgebung bewilligt hatten, wuchs in der letzten Woche von Tag zu Tag. Nicht zuletzt weil antifaschistische Gruppierungen ankündigten, Widerstand zu markieren. In der Emmenstadt deutet aber abgesehen von der grossen und gleichzeitig zurückhaltenden Polizeipräsenz vieles auf einen ganz normalen Sonntag hin. Vor der Turnhalle beim Pestalozzi-Schulhaus warten Unihockeyspieler auf ihren nächsten Match, das Altersheim führt ein paar Rollstuhlfahrer aus und Hunde werden auf der Schützenwiese Gassi geführt. Ein fast normaler Sonntag sollte es zumindest für Burgdorf bleiben.
Anhänger der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) – laut Polizei etwa 60 an der Zahl – treffen sich auf der Schützenmatte in Burgdorf. Nervös fingern sie auf ihren Handys herum, rauchen Zigaretten. Autos kommen und andere fahren gleich wieder weg. Längst ist 14 Uhr vorbei, und die Kundgebung gegen die Rassismusstrafnorm hätte beginnen sollen. Ratlos sind die zahlreich aus dem ganzen Land angereisten Journalisten. Erstmals kommen Vermutungen auf, die Demonstration könnte anderswo stattfinden, höchstwahrscheinlich in Langenthal. «Die Retter vom Vaterland sind zu spät», kommentiert ein Schaulustiger das Geschehen.
Alle anderen kommen zu spät
Dieser Schaulustige, ein älterer Herr, ist offensichtlich so darauf erpicht, die Pnos-Reden zu hören, dass er umgehend nach Bern reist, als bekannt wird, dass die Kundgebung auf dem Berner Bundesplatz stattfinden soll. Doch nicht nur dieser Mann, sondern alle anderen – die Polizei, die Antifa und die Journalisten – kommen zu spät. Denn pünktlich um 14 Uhr marschieren Pnos-Anhänger vom Bärengraben die Altstadt hinauf zum Bundesplatz. Dort wurden laut Augenzeuge Kurzreden abgehalten, Flugblätter verteilt und Transparente hochgehalten. Pnos-Sprecher Renato Bachmann bestätigte dies. Anschliessend marschieren die 150 Teilnehmenden zurück zum Bärengraben, steht im Communiqué der Polizei. Um 14.50, so Bachmann, verlassen die Pnos-Mitglieder, Vertreter der Helvetischen Jugend und Anhänger anderer rechtsextremer Gruppierungen Bern wieder mit ihren Autos. «Die Demonstration wurde zuerst bewilligt, das wollten wir uns nicht nehmen lassen. Es war schon vorher klar, dass wir an einen anderen Ort hingehen würden», sagt Bachmann.
Die Pnos-Demonstranten können ungehindert in die Stadt marschieren und sie wieder verlassen, weil die Polizeikräfte in Burgdorf gebunden sind. Es sei schlicht unmöglich, aus dem Stand eine solche Gruppe zu stoppen, sagt Polizeisprecher Markus Schneider. Vehement weist er die Vorwürfe der Jungen Alternativen zurück, die Polizei sei auf dem rechten Auge blind. Wenn es um die Sehkraft der Polizei gehen würde, wäre sie wohl gestern auch auf dem linken Auge blind gewesen. Die Kundgebung der Linksaktivisten in Bern wird ebenfalls nicht verhindert. Als die Antifas in Burgdorf realisieren, dass die Pnos ihre Pläne geändert haben, reisen sie um 15 Uhr mit dem Zug nach Bern. Die Polizei lässt die Linksextremen eine kleine Runde über den Waisenhausplatz und zurück zur Reithalle drehen.
Gemeinderat sehr erleichtert
Die Polizei ist nach gestern zufrieden, weil sie habe verhindern können, dass es zu Konfrontationen gekommen sei. Einige Pnos-Anhänger, die den Anschluss für den Abzug aus Bern verpasst haben, werden von der Polizei weggebracht, damit sie nicht den Linksradikalen in die Fänge geraten. Auch die Antifa klopft sich auf die Schulter. In einem Communiqué teilt sie mit, die Pläne der Pnos in Burgdorf vereitelt zu haben und erst die Demonstration von 250 (in Burgdorf waren es laut Polizeiangaben 200) Antifas hätten die Pnos gezwungen, sich später auch aus Bern zurückzuziehen. Tatsache ist, dass die Pnos alle an der Nase herumgeführt hat. Als Gewinnerin des Katz-und-Maus-Spiels dürfte sich auch Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP) fühlen: «Glücklicherweise» habe sich die Pnos-Demo nach Bern verlagert, teilt die Stadt Burgdorf mit. Für eine persönliche Stellungnahme war Zäch gestern nicht mehr erreichbar. Als klar wurde, dass die Pnos-Demo nicht in Burgdorf stattfinden würde, wirkte sie sichtlich beruhigt. Das untermalt die Mitteilung der Stadt: Der Gemeinderat ist sehr erleichtert, heisst es. (Der Bund)
Erstellt: 09.03.2009, 10:00 Uhr
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12 Kommentare
@ Thomas Widmer: super Vergleich, immer wieder erstaunlich wie naiv Leute aus dem Rechten Sumpf (wie sie) argumentieren. Ist Ihnen schon aufgefallen, wie viele Menschen wegen körperlichen Attacken von Nazis jetzt tot oder gelähmt sind? Noch nicht aufgefallen, dass man die ohnehin versicherte Fensterscheibe einer Bank besser wiederherstellen kann als den Schädel eins Teenagers? Antworten
Der Vatikan schützt Holocaust Leugner, die Berner Behörden Neonazis. Wie lange müssen wir uns die jeweiligen Legitimationen noch anhören? @ Thomas Widmer, Neonazis haben in Europa Dutzende von Menschen in den letzten Jahren in Europa umgebracht - gegen solche Übergriffe muss massiv vorgegangen werden, ohne wenn und aber. Dasselbe gilt für Menschen, die Akzeptanz gegenüber Neonazi-Gewalt bekunden. Antworten
Tatsache ist, dass die Nazis eine unbewilligte Demonstration durchführten, ohne von der Polizei daran gehindert worden zu sein. Darf ich daran erinnern, dass Demos von Linken Gruppierungen a) oft schon gar nicht bewilligt werden und b) wenn trotzdem durchgeführt: Von der Polizei mit aller Härte unterbunden werden (siehe WEF, Solothurn etc) Gegen Linke hat es immer überall genug Polizei. Warum wohl Antworten
Es wiederholt sich alles! Vor Jahren demonstrierten in Bayer, mit Hilfe der Polizei und Franz-Josef, die Rechten ungehindert. Kommentar von Politik und Polizei: Personalmangel. In Brockdorf konnten plötzlich Hunderschaften auftauchen. Es ist und wird nicht besser, man (Politik und Polizei) lässt die Rechten gewähren, die Aktivitäten werden als harmlos, Nachtbuebenstreiche kommentiert. Antworten
Wie traurig, dass in unserem Rechtsstaat so etwas möglich ist. Meinungsfreiheit ist unglaublich wichtig, aber es ist ja wohl für alle offentsichtlich, dass sich diese Herren nicht an die Antirassismus-Strafnorm halten. Müssen wir diese braune Brühe tatsächlich tolerieren? Ich hoffe es nicht für die Schweiz... Antworten
Erschreckend, wenn die Kantonspolizei Bern nicht in der Lage ist, auf zwei solch läppische Ereignisse (je 200 bis 250 Demonstranten) mit genügend Kräften zu reagieren! Was wäre, wenn an diesem Sonntag nicht nur in Burgdorf und Bern, sondern an einem dritten Ort auf Kantonsgebiet, z B im Jura, noch Ordnungskräfte benötigt worden wären. Dann wäre einfach das nackte Chaos ausgebrochen ...??? Antworten
"Die Polizei sei auf dem rechten Auge blind" !? Wohl darum weil die "Rechten" nicht blindwütig alles kapputschlagen und der Polizei mit Respekt begegnet. Die "Linken" prügeln sich mit der Polizei und richten massive Sachschäden an die schlussendlich der Steuerzahler berappen muss. Antworten
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Rudi Rubbel
Sicherlich ist es nicht unbedingt ansehenswert wenn sich Pnos und Antifa gegenseitig die Köpfe einschlagen. Aber warum eigentlich nicht wenn es denen Spass macht? Immer noch besser als von der USA, EU und deren Jünger Erpresst die gegen unseren Willen in die CH-Privatsphäre eingreifen und uns Vorschreiben wollen was wir tun und lassen sollen. Dazu haben wir einen Bundesrat ohne Rückgrat. Schande!! Antworten