Reduktion der Banken-Risiken: «Es gibt eine einfache Lösung»
(Bild: zvg)
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Der erste Jahrestag
Am 16.Oktober 2008 verpasste der Staat der UBS eine rettende Liquiditätsspritze. Mit einem spektakulären Hilfspaket hat der Bund die UBS exakt vor einem Jahr vor dem Zusammenbruch gerettet. Zum Schutz der Grossbank und der ganzen Volkswirtschaft übernahm die Nationalbank (SNB) gewaltige Mengen an faulen Papieren. Im Bunker der SNB würden sie weniger Schaden anrichten als in den Bilanzen der UBS, lautete die Begründung. Zunächst war die Rede von Ramschpapieren in der Höhe von 62 Milliarden Franken. Letztlich flossen bis Ende des ersten Quartals 2009 Papiere für knapp 40 Milliarden Franken in den eigens gegründeten Verwaltungsfonds (Kasten rechts). Laut den aktuellsten Angaben der Nationalbank belaufen sich die Anlagen des Fonds derzeit noch auf 25,5 Milliarden Franken. sda/phm
Vor einem Jahr wurde die UBS durch den Bund und die Schweizerische Nationalbank (SNB) gerettet. Haben Sie damals Ihr Geld von den Grossbanken abgezogen?
Manuel Ammann: Nein, das habe ich nicht. Aber die Aktion hat in aller Deutlichkeit gezeigt, wie dramatisch sich Bankrisiken auswirken können.
Was hat die Schweiz aus der UBS-Rettung gelernt?
Uns wurde unmissverständlich vor Augen geführt, dass wir Banken haben, die wir aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht Konkurs gehen lassen können. Die UBS musste also gerettet werden. Daraus entstand aber schon das nächste Problem. Durch die Bankenrettungen in der Schweiz und im Ausland wurden faktisch Staatsgarantien gesprochen. Das schafft für die Banken falsche Anreize. Dieses Problem muss die Schweiz– und viele andere Länder übrigens auch – noch lösen. Es darf nicht sein, dass der Staat bei der nächsten schweren Krise wieder für Bankrisiken geradestehen muss.
Verführen solche Rettungsaktionen die Akteure der Finanzwelt nicht dazu, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen?
Das ist das Fatale daran. Die Banken, die sorgfältig geschäftet haben, wurden für ihre Vorsicht nicht belohnt. Und die Banken, die zu aggressiv waren, wurden mit Ausnahme von Lehman Brothers nicht bestraft. Warum sollen aber Banken in der Zukunft vorsichtig sein, wenn man mit einem hohen Risiko in den guten Zeiten viel Geld verdienen kann, in der Krise aber nicht den Bankrott fürchten muss?
In den letzten Tagen wurde bekannt, dass die US-Banken bereits wieder rekordhohe Boni ausschütten. Es geht also gleich weiter?
Etwas anderes zu erwarten wäre auch naiv. Nur wegen einer Finanzkrise ändern sich der Mensch und seine Verhaltensweisen nicht. Und über Anreize haben wir ja schon gespro-
chen
Die Schweiz wird oft gelobt für ihr Vorgehen in der Finanzkrise. Warum?
Der Schweiz ist es gelungen, eine zweckmässige Lösung für die UBS zu erarbeiten. Für die Schweiz war das ein grosses Risiko, auch wenn es im Moment so aussieht, als würde alles gut kommen. Es muss deshalb dafür gesorgt werden, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholen kann.
Dazu liegen viele Lösungsvorschläge auf dem Tisch. Viele taugen aber wenig, weil sie kaum umsetzbar sind. Eine Lösung liegt in weiter Ferne.
Ihr Pessimismus ist nicht ganz unberechtigt. Für international tätige Banken müssten neue Vorschriften und Beschränkungen auch international gelten. Kurzfristig wird dies nicht zu erreichen sein, und längerfristig bin ich auch eher skeptisch. Werden aber nur in der Schweiz neue Bestimmungen für die Banken gemacht, so würden unsere Banken international weniger wettbewerbsfähig.
Das Problem ist also nicht lösbar?
Doch, ich hätte einen ganz einfachen Vorschlag.
Schiessen Sie los.
Grossbanken, die für das System relevant sind, könnte man dazu zwingen, einen Teil ihrer Obligationen, die sie auf dem Markt aufnehmen, mit einer speziellen Klausel auszustatten. Die Klausel sähe vor, dass in einem Krisenfall die Aufsichtsbehörde die Bank zwingen könnte, diese speziellen Obligationen in Aktien umzuwandeln. Obligationäre müssten Aktien akzeptieren zum dann aktuellen Börsenwert. Die bisherigen Aktionäre würden so einen grossen Teil ihres Geldes verlieren und die Obligationäre müssten die Aktien akzeptieren.
Was wäre der Vorteil von Ihrem System?
Die Bilanz der angeschlagenen Bank wäre auf einen Schlag saniert, weil ein gesetzlich vorgeschriebener Teil des Fremdkapitals in Eigenkapital umgewandelt werden kann. Dadurch würde ein Teil der Verbindlichkeiten der Bank verschwinden, was sie vor einem Konkurs retten würde. An Fremdkapital kann eine Bank Konkurs gehen, weil die Geldgeber auf einer Rückzahlung beharren können. Das ist beim Eigenkapital nicht der Fall.
Was wäre der Vorteil für den Staat?
Ein unkontrollierter Bankrott wie bei Lehman würde vermieden, ohne dass der Staat einspringen muss. Das Risiko der Grossbanken würde voll auf ihre Obligationäre und Aktionäre verteilt. Man bräuchte den Banken nicht einmal mehr Eigenmittelvorschriften zu machen, weil die Obligationäre selbst ein Interesse daran haben, dass die Bank genügend Aktienkapital hat oder sonst eine hohe Prämie für das Wandelrisiko verlangen. Sehr viele Probleme, die wir heute haben, würden mit diesem System gelöst.
Die Risiken für die SNB haben sich weiter von 39 auf 25,5 Milliarden Franken verkleinert. Es läuft besser als erwartet.
Nicht alle diese Papiere sind wertlos. Seit dem März geht die Marktentwicklung stetig aufwärts. Man darf aber nicht vergessen, dass es auch in die andere Richtung hätte gehen können.
Wissen Sie eigentlich, was diese Schrottpapiere genau beinhalten?
Die Problempositionen bestehen hauptsächlich aus verbrieften Krediten. Das sind Wertpapiere, welche durch amerikanische Hypotheken und andere Sicherheiten gedeckt sind. Die Werthaltigkeit dieser Deckung ist das Unsichere an der Sache.
Soll die UBS die Schrottpapiere wieder zurückkaufen?
Ich finde die Idee grundsätzlich gut. Die UBS?könnte damit signalisieren, dass es ihr wieder gut geht. Die Staatshilfe war mit einem grossen Reputationsverlust verbunden, den die Bank durch den Rückkauf reduzieren könnte. Und die Risiken wären nicht mehr bei der SNB.
Also sollte die UBS das Portfolio rasch zurücknehmen?
Möglichst rasch schon, aber noch nicht jetzt, denn die Bank erfüllt die zukünftigen, verschärften Eigenmittelanforderungen noch nicht. Aber sobald sie das tut, spricht nichts gegen einen Rückkauf.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 16.10.2009, 10:11 Uhr





