Reiche Ausländer meiden Zürich
Von Liliane Minor. Aktualisiert am 04.06.2009 28 Kommentare
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Davor hatten FDP und SVP immer gewarnt: Wenn der Kanton Zürich die Pauschalbesteuerung abschaffe, dann würden zahlreiche der über 100 pauschal besteuerten Personen in Nachbarkantone ziehen, wo sie weiter vom Pauschaltarif profitieren können. Jetzt, vier Monate nach der Abstimmung, zeigt sich, dass die Befürchtungen nicht ganz ungerechtfertigt waren – allerdings hat die Abschaffung etwas andere Auswirkungen, als man im Vorfeld erwartet hatte. Es gibt keinen Exodus aus Zürich, aber Zuzüger aus dem Ausland weichen auf andere Kantone aus.
Im Kanton Schwyz ist das deutlich spürbar. «Wir haben klar mehr Anfragen als früher», sagt Markus Beeler, Chef der Steuerverwaltung des Kantons Schwyz. «Wir rechnen damit, dass die Zahl der Pauschalbesteuerten von bisher 55 auf 70 bis 80 steigt.» Die meisten Anfragen stammen aus dem Ausland. Für Beeler ist klar: «Darunter sind sicher Leute, die früher in den Kanton Zürich gezogen wären.» Die Pauschalsteuer richtet sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Aufwand der Besteuerten. Davon können vor allem reiche Ausländer profitieren.
«Leute sind verunsichert»
Eine Zunahme ist auch in den Kantonen Zug und Thurgau spürbar, allerdings weniger als in Schwyz. Beide Kantone haben seit Jahren einen steigenden Zustrom von gut situierten Ausländern, die pauschal besteuert werden. Philipp Moss, dem Chef der Zuger Steuerverwaltung, ist aber aufgefallen, dass sich vermehrt Berater von Kunden aus dem Kanton Zürich bei ihm melden: «Noch sind die Anfragen aber eher unverbindlich. Die Leute sind verunsichert und wollen nun die Lage im Kanton Zug abchecken.» Das Zürcher Steueramt merkt noch nichts von allfälligen Umzugsplänen: Erst im Jahr 2011 würden die Folgen spürbar, wenn die Steuerrechnungen für 2010 verschickt werden. Hingegen spüren Immobilienvermittler die veränderten Ansprüche deutlich. «Die Leute ziehen weg oder kommen gar nicht erst in den Kanton Zürich», bestätigt Michael Blaser, Geschäftsführer der Zolliker Immobilienvermittlerin Wüst und Wüst. Die Firma hat sich auf exklusive Objekte spezialisiert. Einzelne Kunden, die bereits Liegenschaften gekauft hätten, würden diese wieder verkaufen, statt sie selbst zu beziehen.
Laut Blaser stehen bei den vermögenden Kunden nun vor allem die Schwyzer Gemeinden Freienbach und Wollerau und deren Umgebung ganz oben auf der Liste, denn sie liegen nah an Zürich und am Flughafen. Steigender Beliebtheit erfreuen sich auch die Innerschweiz und die Bodenseeregion. Gibt es genügend exklusive Immobilien für diese Kundschaft? Ja, sagen Makler und Gemeinden. Aber die Folgen sind spürbar: Die Preise steigen in schwindelerregende Höhen. Zumal manch ein Vermögender notfalls für einige Zeit auch eine nicht ganz optimale Bleibe in Kauf nimmt, wie Immobilienvermittler Blaser sagt: «Ab 2010 ist die Pauschalbesteuerung im Kanton Zürich abgeschafft. Also haben die Leute nicht viel Zeit, um umzuziehen.»
An einen Massenexodus aus dem Kanton Zürich glaubt er nicht: «Es sind Einzelne, die gehen. Zahlreiche Leute rechnen alles durch und bleiben am Ende.» Viele würden die Nähe zur Stadt Zürich höher gewichten, und zudem bringe die Pauschalbesteuerung nicht allen Reichen einen riesigen finanziellen Vorteil. Das bestätigt auch der Thurgauer Steueramtschef Jakob Rütsche: «Oft besteht kein finanzieller Vorteil gegenüber der ordentlichen Veranlagung. Aber der administrative Aufwand ist kleiner.»
Obwohl sich die geografischen Vorlieben der Vermögenden verschoben haben, sind Makler sicher: Auch in Zukunft werden nicht reihenweise Luxusvillen am Zürichsee leer stehen. Exklusive Objekte seien immer gesucht. Einzig die Zeit der Preisexzesse sei im Kanton Zürich vorbei.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.06.2009, 08:47 Uhr





