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Ritalin als Opium für das Volk

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 28.02.2009 64 Kommentare

Selbsthilfegruppen für ADHS-Betroffene kurbeln den Verkauf von Ritalin an. Das zeigt eine breit angelegte Studie. Auch in der Schweiz wird kräftig geholfen – und fleissig publiziert.

Verkauft viel Ritalin: Die Novartis von Daniel Vasella.

Verkauft viel Ritalin: Die Novartis von Daniel Vasella.

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Die Bremer Studie

Wo Selbsthilfegruppen für Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) Beratung anbieten, ist die Zahl der Ritalin -Verschreibungen signifikant höher als in Gegenden ohne Selbsthilfe. Zu diesem Schluss kommen Gesundheitsökonomen der Universität Bremen in einer breit angelegten Studie. «In Selbsthilfegruppen erhalten die Menschen die entsprechende Literatur und werden für alle Behandlungsarten sensibilisiert - auch für die medikamentöse. Entsprechend bewusster treten sie an die behandelnden Ärzte heran», sagt Studienleiter Professor Gerd Glaeske.

Vom Titelbild der Ringier-Zeitschrift «Gesundheit Sprechstunde» lächelt der Leiter eines Novartis-Forschungszentrums. Weiter hinten im Heft lächelt Novartis-CEO Daniel Vasella zusammen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung des besagten Zentrums. Dass der Pharmariese die TV-Sendung zum Heft «Gesundheit Sprechstunde» jährlich mit sechsstelligen Beträgen sponsert, habe damit nichts zu tun, sagt Novartis-Kommunikationsleiter Urs Bigler: «Wir nehmen keinen Einfluss auf die Programmgestaltung.» Pikant: Auch das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) ist ein wichtiger Bestandteil des «Gesundheit Sprechstunde»-Programms.

ADHS fürs Massenpublikum

Sechs Beiträge zum Thema sind allein in den vergangenen zweieinhalb Jahren erschienen. Darunter auch Porträts von erwachsenen ADHS-Kranken, die ebenfalls behandelt werden könnten, so die Botschaft. «Gesundheit Sprechstunde» stellte damit wiederholt einer breiten Öffentlichkeit ein Symptom vor, gegen das das Novartis-Präparat Ritalin Hilfe verspricht. Und die Verkäufe von Ritalin und verwandten Präparaten nimmt rapide zu (TA vom Mittwoch). Bereits im April ist die nächste Sendung von «Gesundheit Sprechstunde» zum Thema ADHS geplant. «Über Alternativen zu Ritalin und auf Anregung betroffener Eltern», sagt der Ringier-Verantwortliche Fibo Deutsch.

Nicht nur die ADHS-Beiträge bei «Gesundheit Sprechstunde» wiederholen sich oft. Auch Symposien und Weiterbildungsanlässe für Ärzte, Lehrer und Patienten finden regelmässig statt. Häufig tritt Meinrad Ryffel auf, ausgewiesener und anerkannter ADHS-Fachmann mit Praxen in Münchenbuchsee und Bremgarten, wo auch seine Frau eine Praxis führt. Vergangenen September führte die Schweizerische Fachgesellschaft ADHS (SFG ADHS), deren Präsident Ryffel ist, ein Symposium mit 250 Personen zum Thema durch. Den Anlass hat die deutsche Pharmafirma Medice finanziert, die einen Monat später ihr Präparat Medikinet auf den Schweizer Markt brachte. Im Newsletter der Fachgesellschaft erwähnt Ryffel kurz darauf, dass Medikinet nun erhältlich und ausserdem günstiger sei als das Originalpräparat Ritalin . Auch bei Novartis und Janssen-Cilag, Herstellerin des dritten Ritalin -Präparates (Concerta) auf dem Markt, bedankt sich Ryffel im Newsletter für die volle oder teilweise Finanzierung mehrerer Anlässe. Er selber verdiene nichts an der Zusammenarbeit mit den Pharmafirmen, sagt Ryffel: «Ich erhalte lediglich Entschädigungen für die Abwesenheit in meiner Praxis. Vielleicht 500 Franken am Tag.» Urs Bigler betont, dass Ryffel nicht auf der Lohnliste von Novartis stehe.

Selbsthilfegruppen fördern den Absatz

Ein weiteres Mittel, ADHS ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, führt über Selbsthilfegruppen. Der deutsche Professor Gerd Glaeske vom Zentrum für Gesundheitsökonomie der Universität Bremen hat vergangenen Oktober in einer Studie nachgewiesen, dass in Orten, in denen ADHS-Selbsthilfegruppen bestehen, die Absatzzahlen von Ritalin -Präparaten signifikant höher sind, als in Gegenden ohne solche Gruppen. «Selbsthilfegruppen führen dazu, dass die Betroffenen fordernder und mit mehr Wissen über die Medikamente an die Ärzte herantreten», sagt Glaeske. Weitere Studien haben gezeigt, dass pro Marketing-Dollar, der indirekte Kontakte zu Patienten investiert wird, vier Dollar zurückfliessen. Das ist doppelt so viel wie bei Marketingbemühungen über Ärzte.

Auch in der Schweiz existieren zahlreiche Selbsthilfegruppen, die im Dachverband Elpos organisiert sind. Acht Regionalvereine bieten Beratung an. Alleine bis Ende April stehen 14 Veranstaltungen zum Thema ADHS auf dem Programm vonElpos. Der Dachverband der Selbsthilfegruppen für Eltern von ADHS-Kindern ist seit 1995 national vernetzt. Seit diesem Zeitpunkt haben sich die Verkäufe von Ritalin -Präparaten in der Schweiz verachtfacht. «Das ergibt Sinn», sagt Glaeske. Die Studie lasse sich nicht «eins zu eins» in die Schweiz übertragen, sagt Novartis. Die Selbsthilfegruppen von Elpos stehen, ebenso wie die Pharmafirmen, in Verbindung mit dem ADHS-Spezialisten Meinrad Ryffel. Die Sekretärin der SFG ADHS ist dieselbe wie diejenige von Elpos. Und das Postfach vonElpos befindet sich in Bremgarten. Dort, wo sowohl Meinrad Ryffel als auch seine Frau ihre Praxen betreiben. Ryffel sieht zwischen dem finanziellen Engagement der Pharmafirmen an Ärztekongressen und dem Erfolg ihrer Medikamente keinen Zusammenhang: «Die Medikation lindert das Leiden. Das ist es, was anderen Betroffenen Eindruck macht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.02.2009, 12:05 Uhr

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64 Kommentare

Toni Müller

28.02.2009, 11:01 Uhr
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Der Artikel war dringend nötig, wäre auch in anderen Bereichen nötig. Z.B. Diabetes II: Da wird Zehntausenden durch die Pharma und Ärzte eingeredet, sie müssten Insulin spritzen. Das kostet dann die KKs im Monat locker 800.-- pro Person. Dabei könnten mind. 50% mit konsequent angepasster Ernährung und wenigen blutzuckersenkenden Medikamenten (20.-- bis 50.-- mtl) gut leben, ohne Insulinspritzen. Antworten


Freddy Luger

28.02.2009, 11:00 Uhr
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Die grundbedürfnisse des menschen wären essen, schlaf, sex, zeit sich zu pflegen wie es die katzen tun. wenn man das tut ist man faul, nicht flexibel ergo jeder kleine büezer ist eine leistungsverpflichtete ICH-AG geworden, um die "kunden" des arbeitgebers zu befriedigen. Also doppt man sich auf teufel komm raus. cafe, red bull, supradin, kokain, ritalin etc. Bloss keine schwäche zeigen!! Suppi Antworten



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