«Rösti ist ein Hardliner mit bernischen Rundungen»

Überrascht vom Rücktritt, nicht überrascht vom Nachfolge-Vorschlag. So reagieren FDP-Präsident Müller und CVP-Präsident Darbellay auf die Pläne der SVP.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

CVP-Parteipräsident Christophe Darbellay ist nicht überrascht, dass die SVP-Parteileitung Albert Rösti als Nachfolger für den zurücktretenden Präsidenten Toni Brunner vorschlägt. «Nicht demokratisch» findet er es, dass die Partei vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

Der Walliser geht davon aus, dass Rösti ein wenig mehr konsensbereit sein wird als Brunner. Rösti stehe dem Chefstrategen Christoph Blocher weniger nahe als Brunner, und doch werde Rösti der Landwirtschaft und dem harten Flügel gefallen.

«Es ist nicht an mir, Erwartungen zu haben»

Für Darbellay ist Rösti «ein guter Kompromiss zwischen den zwei Strömungen der Partei». Er nannte Rösti einen «Hardliner» mit «bernischen Rundungen».

FDP-Präsident Philipp Müller ist überrascht von der Rücktrittsankündigung, wie er der Nachrichtenagentur sda sagte. Erwartungen an die SVP unter neuer Führung äusserte er nicht: «Es ist nicht an mir, Erwartungen zu haben», sagte er lediglich.

Ebenso wenig kommentieren wollte Müller das Vorgehen der SVP, bereits bei der Bekanntgabe des Rücktritts einen Nachfolger vorzuschlagen: «Es ist Sache der SVP, wie sie die Nachfolge von Toni Brunner regelt.»

«Flügelkämpfe gibt es keine mehr»

In den Augen des Politologen Georg Lutz ist der Gedanke überholt, dass mit dem Wechsel von Toni Brunner zu Albert Rösti die Berner SVP in der Mutterpartei mehr Einfluss gewinnen würde. «Flügelkämpfe gibt es in der SVP keine mehr», sagte er der Nachrichtenagentur sda.

«Zumindest bei den Mandatsträgern der Berner SVP fällt es schwer, zu sehen, wo sich ihre Positionen von jenen der Zürcher unterscheiden», sagte Lutz am Samstag. Und Rösti habe sich in den vergangenen paar Jahren vom moderaten Regierungsratskandidaten zu einem Politiker gewandelt, der die Positionen der SVP zu 100 Prozent mittrage.

Dass der Wechsel von Brunner zu voraussichtlich Rösti den Kurs der SVP ändern will, erwartet der Politologe der Universität Lausanne nicht: «Bei der SVP gibt es eine Sprachregelung, an die sich alle halten». Rösti werde diese Positionen genauso vertreten wie Brunner, und wie Brunner sei auch Rösti freundlich und umgänglich.

«Alte Rennleitung bestimmt die neue»

Den Entscheid der Parteileitung, mit der Empfehlung für Rösti die ganze Partei vor vollendete Tatsachen zu stellen, nennt Lutz eine «Risikostrategie». Sie funktioniere, so lange sich die Mitglieder geschlossen hinter die Ideen der Parteileitung stellten.

«Bei der SVP bestimmt die Rennleitung, wo es langgeht, und die alte Rennleitung bestimmt die neue.» Nach wie vor geschehe bei der SVP nichts gegen den Willen von Chefstratege und Alt-Bundesrat Christoph Blocher. «Er ist die mit Abstand wichtigste Integrationsfigur.» (ofi/sda)

(Erstellt: 09.01.2016, 16:29 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Der lustige Mensch vom Toggenburg

Analyse Toni Brunner war als Präsident der SVP das freundliche Gesicht einer nicht immer so freundlichen Partei. Seine Bilanz: Erstaunlich makellos. Mehr...

«Wir haben Themen aufgegriffen, die die Leute beschäftigen»

Toni Brunner tritt als SVP-Präsident zurück. Nach acht intensiven Jahren, sei es besser, «frischen Kräften Platz zu machen.» Mehr...

«Toni Brunner zeigte übermenschlichen Einsatz»

Toni Brunners Parteikollegen sehen seinen Rücktritt mit Bedauern, können seinen Schritt jedoch nachvollziehen. Seinem Nachfolger stärken sie den Rücken. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Sponsored Content

Erlebnisse für Gruppen

Attraktive Kombi-Angebote von SBB RailAway bis zu 40% ermässigt.

Werbung

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Im anderen Licht: Eine Besucherin bestaunt eine der sechs Messehallen bei der Eröffnung des Islam-Museums (Mucivi) in La Chaux-de-Fonds. (29. Mai 2016)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...