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Russisches Riesenressort im Wallis: Fehlt am Schluss das Geld?

Von . Aktualisiert am 26.08.2009 7 Kommentare

Das Walliser Dorf Mollens erlaubt russischen Investoren, ein Ferienresort mit vorerst 900 Betten zu bauen. Ob Aminona zur Luxusdestination wird, ist aber fraglich.

Masterplan des Gesamtprojekts: Dessen Verwirklichung steht in den Sternen.

Masterplan des Gesamtprojekts: Dessen Verwirklichung steht in den Sternen.
Bild: Keystone

Der Gemeinderat des 850-Seelen-Dorfes Mollens wischte am Montagabend alle Einsprachen vom Tisch, die Natur- und Heimatschutzorganisationen gegen das erste Baugesuch der Aminona Luxury Resort & Village SA gemacht hatten. «Wir haben das Gesuch für eine erste Etappe mit 15 Gebäuden und 900 Betten bewilligt», bestätigte gestern Gemeindepräsident Stéphane Pont. Die Aminona SA ist eine Tochterfirma des russischen Baukonzerns Mirax. Dieser will am Rand des Hochplateaus von Crans-Montana ein Resort mit 2500 Betten realisieren, das reiche Russen und andere vermögende Gäste in Chalets und Wohntürme mit 5-Sterne-Komfort lockt.

Baubewilligung unter Bedingungen

Die Baubewilligung ist an Bedingungen geknüpft: Die Russen dürfen auf den ehemaligen Alpweiden oberhalb von Siders nur bauen, sofern der Kanton und der Bund ihr Gesuch für eine Befreiung von der Lex Koller positiv beantworten. Mollens verlangt einen Eintrag im Grundbuch, wonach die Appartements mindestens 20 Jahre hotelmässig genutzt werden. Zudem muss die Bauherrin eine Bankgarantie von 10 Prozent der Investitionssumme beibringen. Das Geld würde die Gemeinde laut Pont im Fall eines Konkurses verwenden, um Bauruinen zu beseitigen. Investoren in Geldnöten

Ein erstes Grossprojekt für Aminona erlitt Anfang der 1970er-Jahre Schiffbruch. Damals meldete der Geldgeber nach dem Bau des dritten von zwei Dutzend geplanten Türmen mit Zweitwohnungen Konkurs an. Die jüngste Finanzkrise brachte auch die Mirax-Gruppe in Nöte; sie konnte im Frühjahr Credit Suisse einen Kredit nicht termingerecht zurückzahlen. Bedenken, den Russen könnte das Geld für Aminona ausgehen, zerstreut der Geschäftsführer der Tochterfirma, Philippe Kenel: «Mirax hat sich wieder aufgefangen, und die russische Wirtschaft erholt sich.» Ob die Bauherrin die Auflagen der Gemeinde akzeptiere, liess der Anwalt offen.

Rekurse angekündigt

Trotz Baubewilligung steht nicht fest, ob Mirax ihr «königliches Dorf» in Aminona bauen kann. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz warnte Mollens letzte Woche, Umweltorganisationen würden die Bewilligung «sehr wahrscheinlich» anfechten. Frustriert äusserte sich Marie-Thérèse Sangra vom WWF Unterwallis über ihre bisherigen Gespräche mit der Gemeinde und Mirax: «Die Investoren wehrten ab oder gaben nur vage Versprechen ab, als wir etwa verlangten, die Anlage solle nach dem neuesten Minergiestandard gebaut und vom Tal her mit Sammeltransporten erschlossen werden.»

Auch eine Befreiung von der Lex Koller ist ungewiss. Der Walliser Staatsrat sieht im Resort zwar ein Mittel, um das Missverhältnis zwischen 120'000 «warmen» Betten in vermieteten Zweitwohnungen und 180'000 «kalten» Betten in meist leer stehenden Appartements und Chalets zu korrigieren. So sagt Volkswirtschaftsdirektor Jean-Michel Cina (CVP): «Wir haben gar keine andere Wahl, wir brauchen Projekte mit warmen Betten.» Allerdings beschloss Cina im August 2008, Resort-Projekte dürften nur von der Lex Koller befreit werden, sofern die Investoren die hotelmässige Nutzung auf Dauer garantieren und die Käufer der Appartements und Suiten das Nutzungsrecht an den Hotelbetreiber abtreten. In Aminona steht Mirax laut Kenel «mit internationalen Hotelketten in Kontakt». Aber wer die 2500 Betten professionell bewirtschaften soll, weiss weder der Kanton noch die Gemeinde.

Kein Fortschritt

Im Juli 2008 schuf Cina einen Präzedenzfall: Der Kanton definierte mit dem Segen Berns einem geplanten Hotelkomplex mit Luxusappartements in Champéry als «Betriebsstätte», die nicht unter die Begrenzung des Grundstückverkaufs an Ausländer fällt. Trotz dieser politischen Starthilfe kommt das 950-Betten-Projekt im Val-d'Illiez nicht vom Fleck. Statt der Chancen, wie von Walliser Touristikern erhofft, zeigt «Champéry» die Risiken solcher Grossprojekte auf. Die Firma Maison de Biarritz, die das Resort geplant hatte, ging Anfang Jahr pleite. Danach analysierte der französische Konzern Pierre & Vacances das Projekt. Der europäische Marktführer in Bau und Betrieb von Ferien-Resorts wandte sich aber von Champéry ab und errichtet stattdessen im benachbarten Hochsavoyen 475 Luxusappartements. Kalte Schulter auch für Bagnes

Die Franzosen zeigten Anfang August auch der Gemeinde Bagnes, auf deren Gebiet der Ferienort Verbier liegt, die kalte Schulter. Dort zog sich die kanadische Resort-Gruppe Intrawest aus dem Projekt eines 1800-Betten-Resorts auf den Maiensässen von Bruson zurück. Pierre & Vacances springt nicht in die Lücke, obschon die Gruppe von Intrawest zwei Tourismus-Resorts in Savoyen übernimmt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2009, 10:09 Uhr

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7 Kommentare

Res Zaugg

26.08.2009, 09:52 Uhr
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Wer russische Touristen anlockt muss damit rechnen, auf andere, internationale (und sowieso aus der Schweiz) Touristen verzichten zu müssen. Und das nachhaltig. Dies belegen Beispiele aus der Türkei und Griechenland. Antworten


Dieter Wundrig

26.08.2009, 09:07 Uhr
Melden

Grössenwahn in kleinen Dörfern. Was aber ist, wenn diese Grossprojekte sich nicht füllen lassen und die Gemeinden auf den Bauruinen sitzen bleiben?Irgendwann habe ich mal was von Ausverkauf der Heimat gehört und von Überfremdung ebenfalls.Welche Ausländer hat man denn damals gemeint?Oder haben die jetzt umworbenen Ausländer einfach mehr Vermögen?Ausverkauf und Überfremdung ist somit kein Thema. Antworten



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