SBB: Zugfahren wird teurer
Von David Schaffner, Luzern. Aktualisiert am 14.01.2009 22 Kommentare
Wann immer das Parlament in jüngster Zeit über Gelder für neue Bahnprojekte entschied, gab es heftigen Streit. Fast endlos sind die Wünsche der SBB sowie der verschiedenen Kantone und Regionen, die einen möglichst schnellen Anschluss ans Bahnnetz wollen. Die Investitionen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass die Nachfrage der Bahnfahrer seit Dezember 2004 um rund 30 Prozent gestiegen ist.
60 Milliarden bis 2030 investieren
Dieses Wachstum dürfte in den nächsten Jahren anhalten. Die SBB rechnen damit, dass die Auslastung in den Agglomerationen zu Pendlerzeiten in den nächsten 20 Jahren noch einmal um 100 Prozent zunimmt. Bahnchef Andreas Meyer zeigte sich am Dienstag an der Tagung des Fachvereins Infra in Luzern zwar erfreut über dieses Wachstum. Vor den Vertretern der Infrastruktur-Bauunternehmer machte er aber auch klar, dass die hohe Nachfrage in den nächsten Jahren enorme Investitionen notwendig macht. Bis ins Jahr 2030 braucht es bis zu 60 Milliarden Franken, um das Schienennetz der SBB zu erweitern und neues Rollmaterial zu kaufen.
Die Bahnkunden dürfte der Ausbau teuer zu stehen kommen: Laut dem Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Peter Siegenthaler, ist es unwahrscheinlich, dass der Bund die Kosten für die Infrastruktur alleine mit Steuereinnahmen tragen kann. Seiner Meinung nach müssen die SBB-Kunden künftig für den Ausbau des Netzes mitbezahlen. Um wie viel die Preise steigen würden, führte er nicht aus. Klar ist aber, dass der Aufschlag massiver ausfallen dürfte als bei bisherigen Preiserhöhungen, mit welchen vor allem die Mehrkosten des Betriebs abgegolten wurden. Bahn-Chef Meyer zeigte sich am Dienstag einverstanden mit Siegenthaler – auch wenn teurere Billette für ihn immer nur die zweitbeste Lösung seien. Der nächste reguläre Aufschlag auf den Billetten steht bereits im Dezember dieses Jahres an.
Ausbauwünsche beschränken
Eine schlechte Nachricht hatte Siegenthaler überdies für die Kantone: Künftig sei es nicht möglich, dass der Bund alle regionalen Ausbauwünsche mittragen könne. Er forderte vom Parlament, dass es bei Bahnbeschlüssen eine rigorose Priorisierung der Projekte vornehme. Gehe es dennoch auf Spezialwünsche ein, müssten die Kantone einen weit höheren Teil der Kosten übernehmen als bisher. Ob das Parlament auf diesen Appell eingeht, muss sich zeigen. Bisher zeigten sich selbst stramme Sparpolitiker grosszügig, wenn es um den Ausbau der Bahnlinien im eigenen Kanton ging. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.01.2009, 22:32 Uhr
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22 Kommentare
Immer das gleiche: Die Leute jammern über den Service der SBB, über die fehldenden Anschlüsse oder über überfüllte Züge. Seid doch mal stolz auf unser Eisenbahnnetz. Hab noch kein anderes Land gesehen, das mehr Züge anbietet als die SBB. Wer Auto fahren will soll Auto fahren, wer Zug fahren will soll Zug fahren. Die Kosten für Strasse und Schiene müssen aber vom Bund übernommen werden! Antworten
Der Fall ist klar: Die SBB will durch die Erhöhung der Billett- und Abopreise, sowie durch Renditewahn bei den SBB-Immobilien ihre schwer angeschlagene Pensionskasse sanieren. Siehe auch Tagi-Interview mit Stadträtin Martelli. Die Argumentation mit dem Infrastrukturausbau ist eine vorgeschobene Ausrede. Doch so lange die SBB ein Staatsbetrieb ist, muss Bahnfahren für alle erschwinglich sein! Antworten
Eine Bundesstudie hat ergeben, dass der private Verkehr alle Kosten, auch externe Kosten, selbst finanziert und anderes. Seit dem Waldsterben wurde aber auf den öffentlichen Verkehr gesetzt und hochsubventioniert. Die wahren Kosten blieben versteckt! Dabei ist ein moderner PKW schon heute energieeffizienter als der ÖV. Neuerdings kann man Elektroautos kaufen, die schneller sind als Benziner. Antworten
Die Schweiz hat immer mehr Einwohner, ein Ende der Zuwanderung ist nicht absehbar, die Bevölkerungsdichte in der Schweiz nimmt trotz Geburtenrückgang kontinuierlich zu. Folglich braucht es einfach auch mehr Transportkapazitäten, wenn wir verstopfte Strassen und Steh-Züge umgehen wollen. Das kostet nun mal Geld, mehr Personen brauchen auch mehr Infrastruktur. Antworten
Es ist wieder mal unglaublich. Wenn eine Strasse gebaut wird, wer zahlt? Der Steuerzahler, also alle, auch jene die nicht mal ein Auto besitzen. Wieso soll dies ausgerechnet beim ÖV anders sein? Hier werden alle jene, die die umwelt schonen wollen knallhart zur Kasse gebeten. Ich fordere: Alle Kosten für Strassen, Tunnels etc. sind von nun auch auch direkt auf die Autofahrer zu überwälzen. Antworten
Drei Stunden Arbeitsweg mit mehrmaligen Umsteigen mit ÖV oder aber zwei Stunden Arbeitsweg mit dem Auto und einen vom Arbeitgeber subventionierten Parkplatz. Trotzdem bezahle ich immer noch jährlich fast CHF 5000.- für ein Erstklass-GA. Praktisch täglich ärgere ich mich, dass einer der Anschlüsse von S-Bahn zu Bus oder Intercity nicht klappt und dafür soll ich immer mehr bezahlen? Auto ich komme.. Antworten
Üblicherweise wirkt sich steigende Auslastung positiv auf die Kostenrechnung aus! Infrastruktur, Rollmaterial und Dienstleistung wird bei ungleich höherem Aufwand intensiver genutzt. Das scheint bei der SBB aber irgendwie anders zu sein - ich teile meinen Bahnhof und meine tägliche Bahnreise von Schaffhausen nach Zürich und zurück mit immer mehr Leidesgenossen - es wird trotzdem nur teurer! Antworten
Alles wird teurer, aber laut BIGA haben wir keine Teuerung, das ist doch komisch. Kürzt einmal die Löhne der SBB-Bosse, dann können wir sehen, wie diese auch verärgert sind. Das liebe teure Geld verschleudern hinter dem Rücken der Steuerzahler und den Pensioniertzen, das ist doch lustig. Antworten
So leid es auch tut, auch die Bahn ist der Nachfrage und Angebot unterstellt und somit, die Verlangen nach Bahnverbindungen von Orten und Gemeinden müssen von denen getragen werden. So sollte in Standortaufbaupolitik auch dem Rechnung getragen werden und Gemeinden diese Forderungen z.B. in Form von Obligationsdarlehen Resourcen zur Verfügung stellen. Antworten
Viele Kosten der SBB sind doch Fixkosten und keine variable Kosten pro Pax. Bei diesen Wachstumsraten und dieser Netzauslastung und (über)belegten Zügen sollte doch mehr Kostendeckung verzeichnet werden können ohne Preiserhöhung? Je besser die Auslastung desto günstiger könnte doch der Preis sein? Antworten
DEFLATION!!!! auf solche Zeiten sollten sich die SBB endlich einstellen. schon heute sind die Preise viel ZU TEUER - ueber Fr. 60 Zueri - Basel ret. (distanzmaessig innerhalb einer Grossstadt - als welche sich die Schweiz gibt) wenn wir von wirtschaftlicher Konkurrenzfaehigkeit der Schweiz sprechen - muessen die SBB Preise massiv RUNTER! (das Bauen&Beschaffung muss endlich BILLIGER werden) Antworten
Wann musten den die Schweizer bürger für strassen extra bezahlen? Soetwas ist noch nie vorgekommen, Strassen sowie Schinenbau ist Staats sache und soll über Steuern bezalt werden. Die Schweiz redet von überschuss in Staatskasse, kein Wunder wenn immer mehr Kosten dem Bürger dierekt belastet werden. Wesshalb bezahlen wir überaubt noch Steuern? Das nenne ich privatisierung auf raten. Antworten
Das Zugfahren ist heute zur Lotterie verkommen. Jeden zweiten Zug, den ich nehme hat aus irgend Gründen Verspätung. Anschlüsse sind kaum mehr garantiert. Habe ich eine wichtige Sitzung in Aarau, so bin ich gezwungen, den Zug von Bern eine halbe Stunde früher zu nehmen, um sicher zu sein pünktlich anzukommen. Preise erhöhen ja, doch nur bei besserer Leistung! SBB = aktuell ein Katastrophenverein. Antworten
wenn die strecken wegen höherer auslastung ausgebaut werden müssen, warum werden dann die tickets teuerer? es gibt ja quanitativ mehr zahler! und die neuen billetautomaten die den bahnfahrer ja nur schikanieren sollen auch noch bezalhlt werden? das ist irgendwie frech... die schweiz sollte stolz auf ihr qualitativ hohe bahn sein und daher auch von der gesamtheit getragen werden, ganz demokratisch! Antworten
Für mich unglaublich, dass die Preise noch (!) teurer werden. Ohne Halbtax oder GA bezahle ich für St.Gallen - retour bereits 100.-, und bin dabei noch in den Reisezeiten eingeschränkt und muss mich in der zweiten Klasse zu später Stunde von Randalierern belästigen lassen. Für dasselbe Geld kann ich mit Mobility ein Auto mieten, kann fahren wann ich will und werde erst noch nicht gestört. Antworten
60 Milliarden Franken bis 2030 und wir bekunden erhebliche Mühe das zu finanzieren. Bleibt zu hoffen, dass die kürzlich über ein verlängertes Wochenende gesprochenen 60 Milliarden für den Kauf von Anlagepapieren der UBS auch wirklich an die Nationalbank zurückfliessen. Wenn nicht, dann fehlt das Geld für Investitionen in die Infrastruktur unserer Zukunft. Wie wäre es mit Steuererhöhung für Reiche? Antworten
Höchste Zeit, nach jahrelanger autolosigkeit, wieder ein Auto anzuschaffen: Am Besten erst ein uraltes, um es anschliessend mit der geforderten "Verschrottungsprämie" zu vergolden, als Zustupf für ein neues, "oekologisches". Mit dem guten Gefühl, so nicht nur etwas für die Umwelt und das Portemonnaie getan zu haben, sondern auch die Wirtschaft mit diesem "Konjunkturprogramm" gestützt zu haben... Antworten
Wie es der Zufall so will: Heute die Meldung, dass der Feinstaub im Raum Zürich um satte 50% über der Toleranzgrenze sei und nun noch das! - Hey, ich bin bereit zu mehr zu bezahlen, wenn die PolitikerInnen (freiwillig passiert ja sowieso nichts bei den AutofahrerInnen) endlich ehrlich werden und rigorose Massnahmen gegen den Individualverkehr (z.B. faule Pendler) unternehmen. Auto ist nicht mobil! Antworten
Gotthard-Strecke einmal Parade-Strecke! Heute nicht der Rede wert, von der "Qualitaet", Puencklichkeit (was ist das fuer ein Fremdwort?) gar nicht zu sprechen. Wahrer Ziel: alle passagierzuege abschaffen! ....und fuer diese Ehre sollen die dummen die immer noch den oeffentlichen Verkehr beuetzen zur Kasse gebeten. Es ist Zeit das echte Manager den Zepter uebernehmen! Antworten
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Wolfgang Hofmann
Die Kosten für die Schienen-Infrastruktur muss eindeutig der Staat tragen - ihm gehört sie auch. Wenn mehr Leute Eisenbahn fahren sollte es zudem selbstverständlich sein, dass die SBB etwas Geld für zusätzliche Wagen abzweigen. Das gilt natürlich auch für zusätzliche Güterwagen - Quersubventionierung des Güterverkehrs durch Personenverkehr darf nicht sein. Antworten