SBB-Kunden zahlen morgen für Fehler von gestern

Der Aufwand für den vernachlässigten Gleisunterhalt lässt die Billettpreise bald weiter steigen. Vor allem Pendler werden tiefer in die Tasche greifen müssen.

Bis 2016 werden allen Bahnbetreibern der Schweiz zusätzlich 200 Millionen Franken verrechnet: Ein Zug überquert die Geleise beim Hauptbahnhof Zürich.

Bis 2016 werden allen Bahnbetreibern der Schweiz zusätzlich 200 Millionen Franken verrechnet: Ein Zug überquert die Geleise beim Hauptbahnhof Zürich. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Der Nachholbedarf beim Unterhalt der SBB-Gleise will und will nicht sinken. Er ist 2013 sogar noch angestiegen. Die SBB-Division Infrastruktur setzt grosse Maschinen in Bewegung, aber das kostet viel Geld. Der zusätzliche Unterhaltsaufwand soll künftig auf die Billettpreise übertragen und auf die Reisenden abgewälzt werden. SBB-Infrastruktur ist daran, das System der Trassenpreise neu zu gestalten. Züge, welche die Anlagen mehr verschleissen als andere, sollen stärker belastet werden. Da S-Bahn-Züge für ihren Stop-and-Go-Verkehr viel Strom benötigen, wird zudem künftig der Strom verbrauchergerecht in Rechnung gestellt. Alle Lokomotiven erhalten dazu einen Stromzähler.

Stark betroffen von verursachergerechten Trassee- und Stromgebühren wäre wohl der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Wie stark der Preisanstieg sein wird, kann ZVV-Sprecher Stefan Kaufmann nicht sagen: «Konkrete Zahlen wurden bisher keine kommuniziert.» Zudem lege das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Trassenpreise fest. «Wir reagieren erst, wenn wir konkrete Hinweise auf eine solche Preiserhöhung erhalten», sagt Kaufmann. Dass der ZVV auch ohne die verursachergerechten Gebühren mit höheren Abgaben rechnen muss, ist bereits entschieden. Die letzte Anpassung stammt vom 1. Januar 2013. Tranchenweise werden bis 2016 allen Bahnbetreibern der Schweiz zusätzlich 200 Millionen Franken verrechnet. Laut BAV müssen die Passagiere deswegen mit einer Billettpreiserhöhung von rund 7 Prozent rechnen. Bereits in den Kal­kulationen des ZVV enthalten ist die nächste Trassenpreisanpassung von 2017. Total sollen dann landesweit nochmals 100 Millionen dazukommen. In diesem Betrag sind die verursachergerechten Gebühren noch nicht enthalten.

Der Zürcher Kantonsrat hat im letzten Winter den neuen ZVV-Rahmenkredit durchgewinkt – ohne eine einzige Wortmeldung. Grund: Der Kredit ist trotz höheren Trassengebühren und neuer Durchmesserlinie 60 Millionen tiefer ausgefallen. Neu sind es 737 Millionen Franken für die Jahre 2014/15. Der Regierungsrat rechnet wegen neuer Fahrgäste mit einem tieferen Defizit.

Neues Diagnosefahrzeug

Auf dem ZVV-Netz sind etliche Abschnitte sanierungsbedürftig. Im Februar 2013 ist bei Schwerzenbach ein Zug entgleist. Verletzt wurde niemand, aber ein Gleis ist gebrochen – ein Gleis am Ende seiner Lebensdauer, das wenige Monate später für den regulären Ersatz vorgesehen war.

Mit einem neuen Diagnosefahrzeug können die SBB Schienenfehler genauer lokalisieren. Total waren es 2361 Fehler im Jahr 2013 – im Vergleich zu gut 900 ohne das Diagnosefahrzeug im Jahr 2012. Laut Sprecher Christian Ginsig haben die SBB die Zahl der Sanierungen aufgrund der vielen entdeckten Fehler drastisch erhöht. Eine Liste der Fehlermeldungen auf dem ZVV-Netz existiere nicht. Allerdings sei die Belastung der Schienen­infrastruktur im Raum Zürich hoch. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.08.2014, 06:40 Uhr)

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