SRG ist «systematisch hinterhältig»

SRG-Chef Roger de Weck macht den Verlegern ein Angebot. Deren Präsident reagiert heftig.

Machte «elf Angebote an die Verleger»: SRG-Generaldirektor Roger de Weck.

Machte «elf Angebote an die Verleger»: SRG-Generaldirektor Roger de Weck. Bild: Keystone

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Der Rücktritt von SVP-Präsident Toni Brunner dominierte die Nachrichten am Wochenende, sonst hätten vielleicht die Vorschläge von SRG-Generaldirektor Roger de Weck mehr Resonanz bekommen.

De Weck machte den Verlegern auf einer ganzen Seite in der NZZ vom Samstag «elf Angebote» zur Kooperation, etwa bei der Übertragung von Sportsendungen, der Entwicklung von Verbreitungstechnologien sowie bei der Ausbildung von Journalisten.

Der Zeitpunkt war nicht zufällig gewählt – drei Tage später fand heute in Zürich die jährliche Dreikönigstagung des Verlegerverbandes (Verband Schweizer Medien) statt. Verbandspräsident Hanspeter Lebrument sagte deutlich, was er von den Avancen de Wecks halte: nichts. Die SRG sei «systematisch hinterhältig», sagte Lebrument, stets gaukle sie Politikern und dem Volk vor, sie wolle mit den privaten Medien kooperieren und im Medienmarkt nur subsidiär wirken. Dabei sei längst bewiesen, so Lebrument, dass es der SRG um einen «knallharten Machtausbau» gehe, wie das auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer kürzlich festgestellt habe. Schon der Vorgänger von Roger de Weck, der Walliser Armin Walpen, habe die Öffentlichkeit mit «Schalmeienklängen» in die Irre geführt, sagte Lebrument, und daneben habe Walpen «einen Radiosender nach dem anderen eröffnet».

Angebot gilt als unbrauchbar

Der Verlegerpräsident und Herausgeber der «Südostschweiz» wählte überdeutliche Worte, um seinen Ärger kundzutun. Andere Medienvertreter drückten sich heute differenzierter aus, wenn auch inhaltlich übereinstimmend. Immerhin mache Roger de Weck Vorschläge, hiess es. Ein derartiges Engagement würde man sich auch von den Verlegern wünschen.

Sicher ist: Die elf Angebote von de Weck bedienen die kurz- bis mittelfristigen Interessen der Verleger kaum. Ob sie längerfristig nützlich und überhaupt praktikabel wären, müsste man prüfen. Auf den Wunsch der Verleger, dass sich die SRG im Internet zurückhalten solle, etwa bei Internetserien oder der Gestaltung ihrer News-Seiten, geht de Weck nicht ein.

Verleger wollen verhandeln

Dennoch: Die Verleger werden an ihrer Präsidiumssitzung von nächster Woche auf das Angebot von Roger de Weck reagieren und ihm die «Aufnahme von Verhandlungen» vorschlagen, wie zu erfahren war. Dabei wird es weniger um die «elf Angebote» gehen als vielmehr um das von Swisscom, SRG und Ringier geplante Unternehmen zur gemeinsamen Werbevermarktung, das bei den Verlegern gefürchtete «Joint Venture», das sich noch beim Bundesamt für Kommunikation in der Prüfung befindet.

Käme es zustande, entstünde mit einem Schlag der grösste Werbevermarkter des Landes mit erheblichen Vorteilen gegenüber allen Konkurrenten, und dies teilweise gebührenfinanziert, sagte Lebrument. Die Schweiz müsse sich fragen, ob es weiterhin Platz für privat finanzierte Verlage geben solle. Dabei richtete sich Lebrument an die National- und Ständeräte. Zwar nehme der Rückhalt der SRG im Parlament ab, doch für viele Parlamentarier sei die SRG noch immer «sakrosankt».

Das grosse Dilemma

Für einen ist sie das ganz sicher nicht: «Weltwoche»-Chef Roger Köppel, der nach Lebrument ans Rednerpult trat. Er zeichnete ein düsteres Bild der Medienschweiz – oder allgemein der Schweiz. Die geplante Zusammenarbeit von SRG, Swisscom und Ringier sei «Ausdruck einer ordnungspolitischen Verwahrlosung» und symptomatisch für die Entwicklung im Land. Es braue sich ein dunkles Imperium zusammen, sagte Köppel und machte eine Analogie zum Film «Star Wars», der jetzt im Kino läuft.

Etwas weniger dramatisch beurteilte Otfried Jarren die Situation, Präsident der Eidgenössischen Medienkommission. Doch auch er weiss gerade keine Lösung. Es sei ein Dilemma, sagte er: «Wir brauchen den publizistischen Wettbewerb zwischen SRG und Privaten, aber wir wollen den ökonomischen Wettbewerb nicht.» Der Medienprofessor gab einige Befunde aus den Berichten wieder, welche die Kommission im Auftrag des Bundes zum Service public erstellt hatte. Kurz zusammengefasst: Die Mittel für die SRG müssten plafoniert werden, die Schwächung des einen bewirke keine Stärkung des anderen. Und man müsse zusammen an einen Tisch sitzen, um Lösungen zu suchen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 12.01.2016, 18:55 Uhr)

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