Schweiz
SRG muss massiv sparen: Lohnnullrunde und Investitionsstopp
Die SRG SSR idée suisse muss eine finanzielle Schieflage bewältigen: Sitz des Westschweizer Fernsehens in Genf. (Bild: Keystone)
Das Sparpaket der SRG SSR idée suisse umfasst insgesamt 13 Massnahmen, darunter einen Lohn- und Investitionsstopp, wie die Unternehmensspitze am Dienstag bekannt gab. Ohne Massnahmen würde die Verschuldung der SRG bis 2014 von 200 auf 790 Millionen Franken ansteigen, hiess es in einer Mitteilung. Die Eigenkapitalquote würde von 45 auf zwölf Prozent und damit deutlich unter die strategisch festgelegte Grenze von 40 Prozent sinken. SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch rechnet für dieses und nächstes Jahr mit Fehlbeträgen von 63 beziehungsweise 86 Millionen Franken.
Jährliche Entlastung von 30 Millionen
Der Verwaltungsrat hat deshalb am Montag auf Antrag der Geschäftsleitung ein Sanierungs- und Sparkonzept beschlossen. In einem ersten Schritt sollen Massnahmen umgesetzt werden, die die Jahresrechnungen 2010 bis 2014 um durchschnittlich 30 Millionen Franken entlasten und die Verschuldung in diesem Zeitraum um 366 Millionen Franken reduzieren. Unter anderem werden die Löhne 2010 auf dem Stand von Ende 2009 eingefroren; teuerungsbedingte und individuelle Lohnanpassungen fallen weg. Daneben wirken sich laut SRG vor allem die Verkäufe von Immobilien ohne medienspezifische Bedeutung und der Investitionsstopp betragsmässig stark auf die Verschuldung und die Jahresrechnungen aus.
Um mittelfristig die Finanzlage ins Lot zu bringen, braucht es laut SRG aber weitere einnahmen- und ausgabenseitigen Massnahmen in der Höhe von durchschnittlich 40 Millionen Franken pro Jahr. Eine allfällige Gebührenerhöhung oder ein Programmabbau liegt jedoch in der Entscheidungskompetenz des Bundesrats. Nicht vorgesehen ist eine Gebührenerhöhung für das nächste Jahr. Die SRG weist darauf hin, dass sie auch durch eine Liberalisierung des Onlinewerbeverbots oder der Unterbrecherwerbung mehr einnehmen könnte.
Protest der Angestellten
Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) will das SRG-Sparpaket nicht einfach hinnehmen. Die Gewerkschaft wird sich gegen die am Dienstag vorgestellten Massnahmen zur Wehr setzen, wie SSM-Präsidentin Barbara Büttner auf Anfrage sagte. Der geplante Lohnstopp bei der SRG sei «ziemlich demotivierend», sagte Büttner der Nachrichtenagentur SDA. Die Angestellten seien bereits durch das Projekt Medienkonvergenz und die darin enthaltenen Sparmassnahmen in der Höhe von 12 bis 20 Millionen Franken verunsichert.
Das SSM werde die von der SRG präsentierten Sparmassnahmen deshalb bekämpfen, sagte Büttner weiter. Denn nun gehe es wirklich ans Eingemachte. Büttner hofft zudem auf ein «positives Signal des Bundesrats». Dieser müsse grünes Licht für eine Gebühren-Erhöhung nach 2010 oder Online-Werbung der SRG geben, damit sich auf der Einnahmenseite etwas ändere. Geschiehe dies nicht, müssten Entlassungen befürchtet werden. Diese Stossrichtung habe der SRG-Verwaltungsrat bereits beschlossen, sagte Büttner. (vin/ap)
Erstellt: 23.06.2009, 11:48 Uhr




