Schweiz
SRG verärgert Hilfswerke
Keine Stunde vergeht auf DRS3, ohne dass der Sender für die Aktion «Jeder Rappen zählt» wirbt. Sie startet am 14.Dezember und wird eine Woche lang Hauptthema auf SF zwei und DRS3 sein, das in dieser Zeit aus einer Glasbox sendet, die auf dem Bundesplatz steht. Ziel der Kampagne nach niederländischem Vorbild ist es, mit Hilfe von speziellen Aktionen und prominenten Köpfen Geld für den Kampf gegen Malaria zu sammeln.
Die Medienpräsenz ist gigantisch: Das Projekt ist eine Kooperation von DRS3, SF und Glückskette, dem humanitären Arm der SRG. Es stellt eine für die Schweiz neue Dimension der Spendensammlung dar – und dies im Advent, einer Hauptsammelzeit für alle Hilfswerke. Mehrere Organisationen fürchten deshalb Einbussen bei ihren eigenen Sammlungen.
«Problematisch»
Denn andere Hilfswerke könnten von einer medialen Plattform dieses Ausmasses nur träumen, sagt Hugo Höhn, Geschäftsführer der Schweizer Berghilfe. «Noch nie war eine Aktion so präsent, und das schon vor der Weihnachtszeit», stellt er fest. Und Bettina Maeschli, Sprecherin der Aidshilfe Schweiz, sagt: «Andere Organisationen werden an den Rand gedrängt. Wir halten das für problematisch.» Auch mehrere andere Hilfswerke geben zwar ihren Bedenken Ausdruck, wollen ihren Ärger aber nicht äussern, da sie bei anderen Projekten mit der Glückskette zusammenarbeiten. Indirekt wird der Missmut aber überall laut. Martina Ziegerer, die Geschäftsleiterin der Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen Zewo, sagt, sie könne sich vorstellen, «dass die Aktion nicht nur auf Begeisterung stösst». Und Caritas-Sprecher Odilo Noti erklärt: «Man kann sich zu Recht fragen, ob es wirklich Teil des Service public der SRG ist, in einer solch sensiblen Zeit Fundraising zu betreiben.» Im Nachgang der Sammlung werde es Gespräche geben, weiss Noti. Die Caritas führt am 19.Dezember eine eigene Aktion auf dem Bundesplatz durch («Eine Million Sterne»).
«Alle profitieren»
Bei der SRG gibt man sich defensiv. Manuela Kaech, Sprecherin von SR DRS, sagt, man wolle «niemanden konkurrenzieren». Vielmehr würden am Ende alle Hilfswerke von der Aktion profitieren: «Wir aktivieren ein neues, junges Spenderpublikum.» Das sei eine Win-win-Situation.
In einigen Monaten wird sich zeigen, ob «Jeder Rappen zählt» tatsächlich zusätzliche Spendengelder erwirtschaftet hat – oder den anderen Hilfswerken das Wasser abgrub. Die Aktion ist ein Paradebeispiel für den zunehmend umkämpften Spendenmarkt. Und die seltsame Konkurrenzsituation, in der Organisationen stecken, die doch eigentlich alle das Gleiche wollen: Gutes tun. (Berner Zeitung)
Erstellt: 05.12.2009, 08:06 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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