SVP macht Abstimmungskampf mit dem F/A-18-Absturz

Dass ein Deutscher im Cockpit einer Schweizer F/A-18 sitze, sei eine «Folge der Massenzuwanderung», sagt Nationalrat Christoph Mörgeli. SVP-Stratege Blocher plant einen Vorstoss in der Angelegenheit.

Was machen Deutsche bei der Schweizer Armee? Christoph Blocher. (Archiv)

Was machen Deutsche bei der Schweizer Armee? Christoph Blocher. (Archiv) Bild: Keystone

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Nationalrat Christoph Blocher und seine Parteikollegen erhoffen sich durch den Absturz des Militärjets in Alpnach Aufwind für ihre «Initiative gegen Masseneinwanderung», die im Februar 2014 an die Urne kommt. Das war aus SVP-Kreisen am Wochenende nach der Delegiertenversammlung der Partei zu hören, die auf dem Militärflugplatz Meiringen stattfand – der Basis des verunfallten Piloten der Staffel 11. Blocher plane eine Anfrage, in der er die Nationalität des Fliegerarztes thematisiere, der beim Absturz in Alpnach als Passagier ums Leben kam und bei der Armee tätig war.

Christoph Blocher war für Tagesanzeiger.ch/Newsnet für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Das war aber sein Partei- und Ratskollege Christoph Mörgeli. «Es ist eine Folge der Massenzuwanderung, dass Ausländer, wie im konkreten Fall der Arzt des Fliegerärztlichen Institutes der Armee, sicherheitsrelevante Schlüsselpositionen in der Bundesverwaltung und in systemrelevanten Firmen einnehmen», sagte er. Er und die SVP beobachteten dies mit Sorge.

«Ich frage mich, weshalb ein Deutscher im Fliegerärztlichen Institut angestellt ist, der noch 2011 im Einsatz für die deutsche Bundeswehr stand.» Beim Fliegerärztlichen Institut habe er nicht nur Piloten beurteilt. «Dort lassen sich auch sämtliche Generalstabsanwärter, Generäle und die Mitglieder von Spezialeinheiten medizinisch untersuchen – Geheimnisträger also.» Er wolle auch wissen, ob in anderen Bereichen der Armee, etwa im Nachrichtendienst, Ausländer beschäftigt würden. «Es geht mir aber nicht nur um das VBS, ich will eine Antwort über die Situation in der gesamten Bundesverwaltung.»

Tweet sei nicht pietätlos

Es war auch Christoph Mörgeli, der zwei Tage nach dem Absturz des Militärjets für Diskussionen in der Twitter-Welt sorgte. Er setzte den Tweet ab: «Warum fliegen Deutsche in unseren F/A-18? Warum arbeiten Deutsche als Fliegerärzte der Schweizer Armee? Sorry, hier hat’s einfach Grenzen!»

Der SVP-Nationalrat findet weder den Tweet noch die Planung seines Vorstosses kurz nach dem Jetabsturz pietätlos: «Wir müssen die richtigen Fragen stellen, um zu verhindern, dass solche tragischen Vorfälle wie dieser wieder geschehen. Wann, wenn nicht jetzt, sind diese aufzuwerfen?»

Auch im Militär spielt der Markt

Jürg Nussbaum, Chef Kommunikation Luftwaffe, vergleicht die Situation der Armee auf Anfrage mit der Privatwirtschaft. «Sie benötigt in bestimmten Bereichen absolute Fachleute.» Dabei spiele der Arbeitsmarkt: Wenn der Schweizer Markt diese Fachleute nicht hergebe, müsse die Möglichkeit einer Anstellung ausländischer Arbeitskräfte in Betracht gezogen werden. Diese unterziehe der Bund erst einer Sicherheitsüberprüfung.

«Selbstverständlich gibt es innerhalb der Armee Bereiche, wo es wegen der Sicherheit unmöglich ist, Ausländer anzustellen. Im Bereich der Flugmedizin ist dies aber nicht der Fall.» Dabei habe es keine Rolle gespielt, dass der Arzt der deutschen Bundeswehr angehört hatte.

Arzt verfügte über Flugbewilligung

Nussbaum stellt klar, dass der Deutsche als Fliegerarzt – genauso wie die Flugverkehrsleiter – das Anrecht habe, als Passagier in den Jets der Luftwaffe mitzufliegen. Dabei definiere der Status des Armeeangehörigen die Anzahl Flüge, bei welchen er im Cockpit sein dürfe. Damit reagiert der Sprecher der Luftwaffe auf die Frage des «SonntagsBlicks», ob der Verstorbene über eine Bewilligung verfügt hatte, in der F/A-18 mitzufliegen: «Der Flug war also bewilligt!»

Die Anwesenheit des Arztes im Cockpit sei nicht aussergewöhnlich, weil sich der stellvertretende Leiter Flugmedizin des Fliegerärztlichen Institutes von Zeit zu Zeit ein Bild machen müsse, welche Herausforderungen auf die Piloten warteten und was für Bedingungen im Cockpit herrschten. «Es ist international anerkannt und gehört zum gängigen Standard, dass Flugmediziner und Flugpsychologen ab und zu im Jet-Cockpit mitfliegen.» Nur so könne sichergestellt werden, dass die psychologische und medizinische Auswahl, Untersuchung und Betreuung der Piloten mit den sich stetig verändernden hohen Anforderungen mithalten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.10.2013, 00:03 Uhr)

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