SVP-Nationalrat macht Schlagzeilen im Iran

Über Ostern haben mehrere SVP-Nationalräte den Iran besucht. Die als privat deklarierte Reise wird von iranischen Medien zu Propagandazwecken benutzt.

SVP-Nationalrat Luzi Stamm schaffte es auf die Frontseite der «Tehran Times».<br />Foto: Dominic Büttner

SVP-Nationalrat Luzi Stamm schaffte es auf die Frontseite der «Tehran Times».
Foto: Dominic Büttner

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Die Sanktionen gegen den Iran waren falsch»: Mit dieser Schlagzeile schaffte es SVP-Nationalrat Luzi Stamm am Ostersonntag auf die Frontseite der iranischen Onlinezeitung «Tehran Times». Auch die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete über den Besuch des Schweizer Parlamentariers: Er habe sich am Sonntag mit Alaeddin Boroujerdi getroffen, dem Vorsitzenden der Kommission für Aussenpolitik des iranischen Parlaments. Laut den Medienberichten führte Stamm in Teheran eine sechsköpfige Parlamentarierdelegation an, kritisierte die Schweizer Sanktionen gegen den Iran und rief dazu auf, die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Iran zu verstärken. «Während unseres Aufenthalts haben wir in Erfahrung gebracht, dass die antiiranische Propaganda verzerrt ist und nicht die Realitäten der iranischen Gesellschaft widerspiegelt», soll Stamm laut Irna gesagt haben.

Der SVP-Politiker liess sich mit Boroujerdi in staatsmännischer Manier fotografieren, samt Schweizer Flagge und Blumenbouquet. Was an den Berichten wahr ist und was nicht, liess sich gestern nicht verifizieren. Stamm war telefonisch nicht erreichbar. Sicher ist: Eine offizielle Parlamentarierreise in den Iran hat es nicht gegeben. Mark Stucki, Sprecher der Bundesversammlung, bestätigt jedoch, dass «diverse SVP-Nationalräte auf einer privaten Reise im Iran» seien. Was die Politiker vorhätten und mit wem sie sich träfen, wisse er nicht.

Monitoring durch Zentralrat

Auf die Reise aufmerksam geworden ist der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS), der ein Medienmonitoring ausgesuchter Politiker betreibt. Unter den beobachteten Personen ist auch SVP-Nationalrat Lukas Reimann – dieser hat offenbar vergessen, bei seinem Twitter-Account die Geolokalisation auszuschalten. «Wir sahen, dass Reimann am Freitag einen Tweet mit Ortsmarke Iran versendet hat», sagt Qaasim Illi, Pressesprecher des IZRS. Darauf habe eine Mitarbeiterin recherchiert und sei auf die iranischen Zeitungsberichte gestossen.

Reimann gilt als SVP-Hardliner, er ist Vorstandsmitglied der Auns und warnt vor einer Islamisierung der Schweiz. Auf seiner Website wettert er gegen den Iran und gegen Micheline Calmy-Reys «symbolträchtigen und huldigenden Besuch beim iranischen Präsidenten» im Jahr 2008. Ob er tatsächlich Teil der Reisegruppe ist, ist nicht bestätigt. Auch Reimann konnte telefonisch nicht erreicht werden. «Das Ganze wirft für mich Fragen auf», sagt Qaasim Illi. Vor allem würde er gerne wissen, ob Stamm und Reimann nun ihre Position zum Islam überdenken wollten.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 22.04.2014, 00:03 Uhr)

Umfrage

Iran-Besuch der SVP: Sollen Politiker auf Privatreisen sich mit Aussagen gegenüber Medien zurückhalten?




Artikel zum Thema

Iran und USA sind Gefangene ihrer Geschichte

Analyse Die Verweigerung eines Visums für Irans neuen UNO-Botschafter belastet die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran. Die Feinde Teherans in der US-Hauptstadt sind zufrieden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Sponsored Content

Spassfaktor nach oben offen.

Das C-Klasse Cabriolet von Mercedes-Benz feiert grosse Schweizer Premiere.

Werbung

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Reptilien in Not: An der Grenze zwischen Paraguay und Argentinien tummeln sich Kaimane auf der Suche nach Wasser in einem Tümpel, da der Fluss Pilcomayo kaum noch Wasser führt. (25. Juni 2016)
(Bild: Jorge Adorno) Mehr...