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Scharfe Kritik am «Blick»

In «Blick» und «Blick am Abend» erscheint zu jedem Schweinegrippe-Artikel ein Inserat für probiotische Drinks – nicht immer als Anzeige deklariert.

Stösst dem Presserat sauer auf: Schweinegrippe-Artikel mit integriertem Inserat im «Blick» vom 2.November 2009.

Stösst dem Presserat sauer auf: Schweinegrippe-Artikel mit integriertem Inserat im «Blick» vom 2.November 2009.

Wenn zurzeit zwei Zeitungen des Ringier-Verlags über die Schweinegrippe berichten, freut sich auch ein grosser Milchverarbeiter. Am 30. September erschien in «Blick am Abend» ein Artikel mit dem Titel «Kurse gegen H1N1-Virus». Auffällig zentral in den Text hineingelayoutet war ein Inserat mit dem Befehl «Abwehr stärken». Es warb für einen probiotischen Joghurtdrink von Emmi. War das eine einmalige, aussergewöhnlich gute Platzierung für einen guten Kunden?

Mitnichten: Seit Mittwoch vergangener Woche sind in «Blick» und «Blick am Abend» acht Artikel zum Thema Schweinegrippe erschienen. Mit Ausnahme von einem, der auf der Frontseite erschien, war jedes Mal das Emmi-Inserat in den Fliesstext platziert worden oder gar prominent mitten auf der Seite. Pikant: In zwei Ausgaben des «Blicks» ist das Inserat nicht einmal mit dem Vermerk «Anzeige» versehen.

Emmi-Sprecher Stephan Wehrle bestätigt, dass das Erscheinen der Joghurt-Inserate inmitten aller Schweinegrippe-Artikel vergangener und dieser Woche kein Zufall sei. «Emmi trifft jedes Jahr um die Grippesaison Kommunikationsmassnahmen für Probiotik-Produkte im Umfeld redaktioneller Berichterstattung zu gesundheitsrelevanten Themen», sagt Wehrle. Die Kooperation mit «Blick» und «Blick am Abend» dauere noch einige Wochen. Laut Wehrle werde die Kooperation «je nach Wirkung etwas früher oder später wieder enden».

Druck auf die Redaktionen

Dominique von Burg, Präsident des Schweizerischen Presserates, kritisiert diesen Emmi-Deal scharf. Eine solche Kooperation sei die beste Voraussetzung dafür, dass die Inserateabteilung Druck auf die Redaktionen ausübt, möglichst viele Schweinegrippe-Artikel ins Blatt zu bringen, auch wenn das unter Umständen journalistisch gar nicht gerechtfertigt ist. «Wenn man den regelmässigen Erscheinungsrhythmus der Artikel in Betracht zieht, dann kann man sich schon fragen, ob diese ohne die Anzeigen auch erschienen wären», sagt von Burg.

Damit ritzten die beiden Zeitungen auch den Code of Conduct zur Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten des Verbandes Schweizer Presse. Dessen Inhalt ist teilweise auch in die Richtlinien zu den Rechten und Pflichten der Journalisten aufgenommen worden und schreibt vor, dass «für die Medienkonsumenten klar erkennbar sein muss, welche Inhalte redaktionell verantwortet und welche kommerziell beeinflusst sind».

Obwohl die fraglichen Artikel sich inhaltlich nicht um Joghurts mit probiotischen Keimen drehen, sei die Trennung zwischen redaktionellem Inhalt und Inserat unscharf. «Mit der Wortwahl und dem Produkt in der Anzeige wird ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Artikel hergestellt», sagt von Burg.

«Ein Fehler unsererseits»

Dass die Inserate im «Blick», der den Code of Conduct unterschrieben hat, teilweise nicht mehr als Anzeigen deklariert worden sind, verstösst klar gegen die Bestimmungen. Aber auch mit dem Vermerk seien die Anzeigen «sehr störend und dem Ansehen der Presse sicher nicht förderlich», sagt von Burg.

Stefan Hackh, Sprecher der «Blick»-Herausgeberin Ringier, wehrt sich: «Die Publikationen der ‹Blick›-Gruppe berichten in gleicher Kadenz über das Thema Schweinegrippe wie beispielsweise der ‹Tages-Anzeiger›, das heisst nach rein journalistischen Kriterien.» Dass die Inserate teilweise ohne den entsprechenden Vermerk «Anzeige» gedruckt worden seien, sei aber «tatsächlich ein Fehler unsererseits» gewesen, sagt Hackh.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.11.2009, 04:00 Uhr

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11 Kommentare

Dieter Ramsch

06.11.2009, 14:12 Uhr
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Der Blick am Abend berichtete fast täglich über die Schweine Grippe, obwohl es gar nichts zu berichten gab. "Die Grippe Welle kommt" das ich nicht lache. Die Glaubwürdigkeit von Blick am Abend ist im Keller und Novartis hat eine Mega Kampagne für ihre Impfstoffe bekommen. Jetzt auch noch Emmi? Mir egal ich lese dieses Schundblatt schon seit 6 Monaten gar nicht mehr und bleibe gesund. Antworten


Jürg Schmid

06.11.2009, 13:53 Uhr
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Was für internationale Pharmakonzerne recht ist soll doch auch für die (vergleichsweise) kleine Schweizer Emmi recht sein. Ein Schelm ist, wer jetzt böses denkt.... Antworten


Tom Kuhn

06.11.2009, 13:04 Uhr
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Ach was solls, ein kleines Zugeständnis des Fehlers tut keiner Schweinegrippe was. So ist nun mal, wer viel Geld bezahlt, kann Illegales machen. Gibt es nicht mal eine Busse von 500 Fr.? Wenn ich über Rot fahre, erhalte ich als Privatperson eine saftige Busse und habe nicht mal jemanden gefährdet. Bei Wiederholung muss ich vor den Richter. Hier werden Konsumenten bewusst getäuscht. Mächtige Lobby! Antworten


Michel Lang

06.11.2009, 10:47 Uhr
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Was wir hier erleben, ist einfach die nächste Stufe der ach so geliebten Werbung. Es liegt doch auf der Hand, dass die Brötchengeber ihr Produkt so "objektiv" wie möglich betrachtet ins gute Bild rücken möchten nach dem Motto: die subjektive Werbebotschaft soll als objektive Tatsache präsentiert werden. Bald werden wir dann gar nicht mehr erkennen können, was Tatsache ist und was Werbung. Antworten


Richard Marti

06.11.2009, 10:42 Uhr
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Ein Fehler? Aber mit Absicht! Wenn die Ringier-Anzeigenverkäuferin bei uns im Haus ist. bietet sie schonmal unverblühmt Berichterstatung gegen Anzeigenschaltung an. So machen die das! Antworten


Reto Heierli

06.11.2009, 10:36 Uhr
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Ui jetzt bekommt auch Emmi noch sein Fett weg. Die armen zürcher S-Bahn-Pendler rennen nun sicher in den nächsten Laden und kaufen eine Megapackung Aktifit. Wegen der Schweinegrippe und aus anderen gesundheitlichen Erwägungen. Der Blick hat's ja gebracht. Antworten


Walter Schöb

06.11.2009, 10:33 Uhr
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Zum Thema "Werbung": Was ist das ganze "Schweinegrippe-Theater" denn anderes als pure Werbung diverser Unternehmen, welche uns weis machen wollen, das richtige Mittel gegen die zumeist harmlos verlaufende Schweinegrippe zu haben? Antworten


Benedikt Gander

06.11.2009, 09:25 Uhr
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So what? Das ist nichts anderes als zielgruppengerechte Werbung. Ohne Werbung würde der Blick deutlich mehr kosten und der Blick am Abend definitv nicht gratis sein. .. Antworten


Hansjörg Meier

06.11.2009, 09:15 Uhr
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Es gibt Schlimmeres - beispielsweise tendenziöse und manipulative Berichterstattung. Dies geschieht, bis vielleicht auf Produkte der NZZ-Gruppe, über alle Medien und Kanäle. Wer den Blick anschaut ("lesen" ist wohl falsch ausgedrückt) stellt sich auf allertiefstes, volksverdummendes, manipulatives Niveau ein. Gut! Beim Konsum von Info's von Massenmedien ist generell immer Vorsicht geboten! Antworten


Luc Froidevaux

06.11.2009, 08:09 Uhr
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Das der Blick sich gerne mal ein paar Fehler zugunsten Leserzahlen oder in diesem Fall Geld macht, ist ja nichts neues. Von Fotographen die die Unfallstellen bearbeiten um ein anderes Bild darzustellen, bis zu einem Fall der in meiner Schule geschehen ist, als dem Schulleiter ein Artikel vorgelegt wurde, den er frei gab, und dann doch ein anderer gedruckt wurde, gabs ja schon alles. Antworten


Charles Dupond

06.11.2009, 05:36 Uhr
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Die auch Kindern zugaengliche Veroeffentlichung von Porno und die Rufmordkampagnen im Hetz- und Sexprangerblatt verstossen nicht nur gegen den COC, sondern gegen das Strafgesetz und den Persoenlichkeitsschutz. Wie gegen maechtige Baenker haben die Staatsanwaelte statt zur Verfolgung zu schreiten den Kegel in den Hosen, und gegen Persoenlichkeitsverletzungen koennen sich nur Millionaere wehren. Antworten



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