Scharfe Salven gegen Ueli Maurer
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 26.08.2009 68 Kommentare
«Wir haben mit Entsetzen davon Kenntnis genommen»: Markus Blass. (Bild: Keystone)
Kurt Fluri: VBS umgeht das Budget
Das Verteidigungsdepartement VBS baut seit Jahren Stellen ab. Gleichzeitig lässt es aber Armeeangehörige in der Verwaltung arbeiten (wir berichteten). In einer Antwort des Bundesrates auf einen Vorstoss des Solothurner FDP-Nationalrates Kurt Fluri werden nun erstmals konkrete Zahlen bekannt. Demnach wurden im vergangenen Jahr rund 2500 Armeeangehörige während 41956 Diensttagen in er Militärverwaltung eingesetzt.
Hätte das VBS für die geleistete Arbeit angestelltes Personal entschädigen müssen, wären rund 15,6 Millionen Franken an Lohnkosten fällig geworden. Wie viel der Bund konkret einspart, sei jedoch nicht klar auszuweisen, schreibt der Bundesrat. Die Soldaten verursachten durch ihre Arbeit zusätzliche Kosten (Betreuung), auch bräuchten sie für die aufgetragenen Arbeiten länger als ein ausgebildeter Angestellter. Die Regierung betont aber, dass «die Gesamtheit dieser Leistungen für die Armee derzeit unverzichtbar ist».
Nationalrat Fluri spricht von einer «Umgehung des Budgets» durch das VBS. Armeepersonal zu beschäftigen und gleichzeitig ausgebildete Leute zu entlassen sei fragwürdig. Gerade auch die hohe Zahl an administrativ tätigen Soldaten habe ihn überrascht. «Ich frage mich schon, ob diese Arbeit in der Dienstzeit Sinn macht.» Fluri behält sich vor, in der am 7.September startenden Session weitere Vorstösse zu lancieren.
Ob das nötig sein wird, zeigt sich kommenden Donnerstagnachmittag. Dann wird Verteidigungsminister Ueli Maurer gemäss VBS-Sprecher Martin Bühler das Thema an einer Pressekonferenz ansprechen. Wie Fred Scholl, stellvertretender Generalsekretär des Personalverbands des Bundes, aus einer Sitzung weiss, will Maurer das Problem «ganz genau durchleuchten». Michael Widmer
Herr Blass, wie überrascht waren Sie, als Bundesrat Ueli Maurer kürzlich ankündigte, die Armee weiter zu reduzieren?
Markus Blass: Wir sind tatsächlich aus allen Wolken gefallen. Diese Ankündigung war definitiv zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten.
Aber man musste doch annehmen, dass eine weitere Reduktion der Armee früher oder später ein Thema wird?
Ja, aber nicht jetzt. Man war sich einig, den sicherheitspolitischen Bericht abzuwarten, bevor über eine Neuausrichtung der Armee diskutiert wird. Dieser Bericht wird erst im Herbst fertig sein. Ganz bewusst hat man etwa auch die Diskussion über die Beschaffung von Kampfflugzeugen auf einen Termin nach Erscheinen des Berichts vertagt.
Sauer aufgestossen ist Ihnen als Artilleriekommandant wohl, dass Bundesrat Maurer insbesondere die Artillerie und die Panzertruppen reduzieren will?
Wir haben mit Entsetzen davon Kenntnis genommen. Die Artillerie wird bereits jetzt von acht auf fünf Abteilungen reduziert. Wird sie weiter verkleinert, hat sie innerhalb der Armee nur noch eine marginale Bedeutung.
Inwiefern?
Die Artillerie hätte bloss noch eine Feigenblattfunktion. Denn damit sie ihre Aufgabe technisch gesehen noch umsetzen kann, braucht sie aber eine bestimmte Mindestgrösse.
Bundesrat Maurers Vorschlag scheint plausibel: Er sagt, man könne im Falle einer Bedrohungslage die WK-Pflicht bis zum Alter von 40 verlängern.
Es stimmt, die Grösse der Armee kann man über die Anzahl Wiederholungskurse steuern. Aber die Fähigkeiten, die bei einer Reduktion der Artillerie unwiderruflich verloren gehen, kann man nicht sofort wiederaufbauen. Das würde Jahre dauern.
Funktioniert denn Ihrer Meinung nach eine moderne Armee nicht auch ohne Artillerie?
Es kommt natürlich stark darauf an, was der Auftrag der Armee ist. Wenn die Armee bloss noch eine Art Nationalgarde sein soll, kommt man ohne Panzer und Artilleriegeschütze aus. Soll sie aber weiterhin ihren verfassungsmässigen Verteidigungsauftrag wahrnehmen, kommt sie nicht ohne Artillerie aus. Davon bin ich überzeugt.
Was ist die Kernaufgabe der Schweizer Artillerie überhaupt?
Sie wird zur Bekämpfung von flächenmässig grossen Zielen eingesetzt, zum Beispiel Panzern.
Können solche Ziele nicht auch von anderen Waffen, etwa von Kampfjets, abgewehrt werden?
Nein, die heutigen Flugzeuge sind nicht mehr dafür ausgerüstet, Bodenziele zu bekämpfen. Und die Piloten sind nicht mehr für den Erdkampf ausgebildet.
Militärexperten gehen davon aus, dass es gar nicht mehr zu einem klassischen Krieg kommen wird, bei dem Artillerie nötig ist.
Solche Thesen sind meiner Meinung nach Kaffeesatzlesen. Ein konventioneller Krieg scheint zwar im Moment tatsächlich sehr unwahrscheinlich. Aber die Armee muss sich gerade auch mit dem Unwahrscheinlichen auseinandersetzen. Vieles ist nicht absehbar.
Zur Person
Markus Blass ist Major bei den Artillerietruppen. Der 44-Jährige aus Volketswil ZH ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Mitglied der FDP und Bezirkspräsident seiner Partei. Im Interview mit dieser Zeitung tritt er in der Funktion als Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft der Artillerie auf. Im zivilen Leben arbeitet Blass als Unternehmensberater. (Berner Zeitung)
Erstellt: 26.08.2009, 13:26 Uhr
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68 Kommentare
Ausser gegen Liechtenstein hat unsere Armee doch sowieso gegen keinen unserer Nachbarn eine Chance - mit oder ohne Artillerie. Alles andere ist doch Augenwischerei. Wir sollten uns das Geld für die Armee sparen und es lieber für die Pflege guter Beziehungen zu unseren Nachbarn einsetzen, damit die uns erst gar nicht angreifen. (Aber nicht mal Hitler hatte Interesse an der Schweiz...) Antworten
































