Schengen heisst nicht freie Fahrt

Nach wie vor stehen Grenzwächter am Zoll und kontrollieren – nicht Personen, aber mitgeführte Waren. Schengen hin oder her.

KREUZLINGEN – Zum Thema «Schengen-Beitritt» und dessen Auswirkungen referierte Erwin Imhof gestern am Mittagslunch des Gewerbes. Der ehemalige Grenzwachtoffizier informierte darüber, dass systematische Personenkontrollen an der Grenze nicht mehr durchgeführt würden, die Zölle aber nach wie vor besetzt seien. «Nach Ausweisen wird nicht mehr gefragt, aber nach mitgeführten Waren sehr wohl», so Imhof. Damit habe sich die Hoffnung auf grenzenlose Freiheit beim Grenzübertritt nicht erfüllt und dies habe zu einer gesunkenen Akzeptanz gegenüber den Grenzwächtern geführt, bedauerte Imhof.

Die Grenzwache führe seit dem Beitritt zu Schengen vermehrt mobile Kontrollen im rückwärtigen Raum durch. Das Augenmerk werde dabei vor allem auf Fahrzeuge mit Kontrollschildern ausserhalb der Region gelegt. Wie Imhof festhielt, kann so die Identität verdächtiger Personen überprüft werden. Die Aufgaben gemäss Zollgesetz stehen im Vordergrund, nicht die Jagd nach Verkehrssündern.

Mehr Schmuggler entdeckt

Die Bevölkerung der Region müsse nicht befürchten, dass sie beim Joggen auf dem Vitaparcours von Grenzwächtern verhaftet werde, nahm Imhof ein Beispiel heran. Warenkontrollen am Zoll und im Hinterland hätten jedoch dazu geführt, dass mehr Schmuggelfälle festgestellt worden seien. Die Aufgaben im rückwärtigen Raum kompensierten die abgebauten Kontrollen an der Grenze.

Laut Imhof ist es Sache der Gemeinden, wie die Grenzübergänge in der Region künftig gestaltet werden. Das gelte speziell für Tägerwilen und den Kreuzlinger Hauptzoll. Mit der Eröffnung der Chance Nord sei auf diesem Übergang ohnehin mit viel weniger Verkehr zu rechnen, sagte Erwin Imhof. Es sei Sache der Städte, den Wert des Hauptzolls zu definieren. Beispielsweise, ob er nur noch für Fussgänger und Velofahrer offen bleiben soll. «Die Zollbehörden können mit jeder Lösung leben», hielt er abschliessend fest. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 03.04.2009, 13:27 Uhr

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